Microsoft HoloLens im Test: Mixed Reality Datenbrille im Erlebnisbericht

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Geronimo

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In der vergangenen Woche ergab sich die Möglichkeit, einige Erfahrungen mit der neuen halbdurchsichtigen Datenbrille von Microsoft zu sammeln. Die Eindrücke aus dem rund fünf Minuten dauernden Erlebnis waren gleichermaßen spannend, wie ernüchternd


Auf den Pressetagen der "Internationalen Automobil-Ausstellung" (kurz IAA) bot Lexus anwesenden Pressevertretern die Möglichkeit zu einem virtuellen Rundgang über den Messestand, bei dem die Neuerungen des japanischen Autoherstellers mit Unterstützung einiger Entwickler-Modelle der HoloLens-Datenbrille präsentiert wurden. Hier der Erfahrungsbericht, der trotz der kurzen Tragezeit und der verwendeten Software einige Rückschlüsse auf die Möglichkeiten zulässt.

Anlegen und Tragekomfort: Das Anlegen der Datenbrille wurde vom freundlichen Standpersonal übernommen. Ganz selbsterklärend scheint der Verstellmechanismus der Brille nicht zu sein, denn es klappte erst im zweiten Anlauf. Wenn man die Brille selber anlegt, ist es anfangs sicher von großem Vorteil, dass man sich selber im Spiegel sehen kann. Nach kurzer Eingewöhnung sollte das Anlegen dann leicht von der Hand gehen, zudem werden andere Hersteller und vielleicht auch Microsoft selber auf eine andere Lösung zur Verstellung setzen. Wenn die Brille einmal aufgesetzt ist, stört sie erstaunlich wenig. Die Technik hat natürlich ihr Gewicht, doch das hält sich im erträglichen Rahmen, so dass auch längeres Tragen kein Problem darstellen sollte. Da die Brille nicht abgeschottet sein muss, lässt sie sich auch angenehmer und deutlich weniger schweißtreibend tragen, als eine um die Augen herum eng anliegende Virtual Reality Brille. Diese fühlen sich oftmals an wie eine Taucherbrille, was auf Dauer wenig Spaß macht.

Der Ton: HoloLens verfügt über eigene Lautsprecher. Diese kamen jedoch nicht zum Einsatz, um andere Teilnehmer des Rundgangs sowie die Besucher ohne Brille nicht zu stören. Vielmehr wurden geschlossene Kopfhörer eingesetzt, weshalb zum Punkt Ton natürlich keine Aussagen gemacht werden können.


Das Bild: Der Gesamteindruck in Bezug auf die Bilddarstellung ist durchaus zwiegespalten. Doch der Reihe nach: nach dem Start des Programms zum Standrundgang erfolgte die Begrüßung durch einen virtuellen Mitarbeiter des Toyota-Tochterunternehmens. Dieser schien tatsächlich im Raum zu stehen, man konnte genau orten, an welcher Position des Messestandes er sich befinden sollte. Allerdings wirkte er ziemlich transparent bei wenig gesättigten Farben, "hinter" im langlaufende Personen wurden durch die Grafik nicht überlagert und verfälschten teilweise auch die Farben des Bildes. Als nächstes wurde auf der Karosserie neuen Oberklasse-Limousine des Herstellers der Hybrid-Antriebsstrang virtuell dargestellt. Bei einem stehenden Objekt mit relativ gleichmäßiger Oberfläche als Hintergrund war der Effekt durchaus verblüffend. Ähnlich sah es aus, als bei einem anderen Fahrzeug drehende Räder simuliert wurden, indem eine Animation vor den echten Rädern rotierte. Dieser Effekt war allerdings nicht ganz deckungsgleich mit den Reifen, was aber wahrscheinlich auf die Programmierung zurückzuführen ist. Immerhin handelte es sich nur um eine kurze Präsentation, die sicher mit überschaubarem Budget entwickelt wurde.

Zwischen den einzelnen Stationen wurde die Position auf dem Messestand gewechselt, indem eingeblendeten Pfeilen gefolgt wurde. Und spätestens bei diesem Punkt zeigte sich der gravierendste Nachteil der Datenbrille. Microsoft vermittelt immer den Eindruck, dass die virtuellen Grafiken quasi auf der gesamten Scheibe der HoloLens angezeigt werden und so ein relativ großes Blickfeld abgedeckt wird. Dem ist aber beileibe nicht so. Vielmehr wird das Bild nur auf die beiden kleinen Scheiben projiziert, die im obigen Bild erkennbar sind. Und auch dort wird die volle Höhe und Breite offenbar nicht einmal annähernd ausgenutzt. Das fiel bereits bei dem erwähnten Mitarbeiter auf, der je nach Kopfhaltung und Abstand um Füße oder Kopf gebracht wurde. Und beim verfolgen der virtuellen Pfeilbahn war es so, dass selbst kleinstes Verlassen des Laufweges die Pfeile aus dem kleinen Bild rückte. Dann war hektisches Kopfdrehen und Suchen angesagt, das teilweise erfolglos blieb. In diesem Fall wurde man vom Standpersonal sanft wieder auf den rechten Weg geschubst.

Ein anwesender Servicemitarbeiter bestätigte diesen Eindruck. Laut seinen Worten betragen sowohl der horizontale, als auch der vertikale Blickwinkel nur jeweils rund 20 Grad, was natürlich den eingeschränkten Bildbereich erklärt. Hier muss dringend nachgebessert werden, damit man die Brille auch tatsächlich annähernd so benutzen kann, wie es in diversen Videos und auf Fotos suggeriert wird. Insgesamt überwiegt jedoch der positive Eindruck, denn die Mixed Reality bietet immer genügend Durchblick, um sich nicht komplett von der Außenwelt isoliert zu fühlen. Das dürfte für viele Anwender ein enorm großer Vorteil gegenüber den bereits erwähnten Virtual Reality Brillen sein, die bei einigen Personen bei etwas längerem Tragen unangenehme Reaktionen wie Schwindelgefühle oder eine gewisse Orientierungslosigkeit auslösen können. Letztlich lassen sich beide Produkte aber nur bedingt vergleichen, weil sie trotz gewisser Ähnlichkeiten deutlich andere Ansätze haben. Wie gesehen, richtet sich HoloLens nämlich nicht hauptsächlich an Spieler, sondern kann auch ganz anderen Zwecken dienen.

Meinung des Autors: Es ist mehr als zweieinhalb Jahre her, dass Microsoft mit vollmundigen Versprechenden seine Datenbrille HoloLens angekündigt hat. Bislang hat sich außer dem sündhaft teuren Entwickler-Modell noch nicht viel getan. Die jetzt gesammelten Eindrücke mit der Mixed Reality Brille zeigen deutlich, warum das so ist. Ganz rund läuft das System nämlich nicht wirklich.
 
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