GELÖST Hasta la vista, Unabhängigkeit?

Diskutiere Hasta la vista, Unabhängigkeit? im Off Topic / Small Talk Forum im Bereich Sonstiges; Gerade noch 140 Millionen Dollar ließ sich Overture-Chef Ted Meisel den Suchmaschinen-Pionier Altavista kosten. Der lebt davon, seinen Nutzern...
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Gerade noch 140 Millionen Dollar ließ sich Overture-Chef Ted Meisel den Suchmaschinen-Pionier Altavista kosten. Der lebt davon, seinen Nutzern möglichst relevante Suchergebnisse zu liefern. Overture dagegen lebt davon, Suchergebnisse gegen Zahlung möglichst "relevant" zu plazieren.


AP

Ted Meisel: Einst "nur" Dienstleister der Searchengines, baut er nun auf eine eigene Such-Plattform


Overture kauft Altavista: Das ist eine Nachricht, die noch vor wenigen Jahren ein wahrer Aufreger gewesen wäre. Damals hätte die Übernahme auch noch Milliarden gekostet. Heute hat Overture gerade noch 140 Millionen Dollar zu zahlen: 60 Millionen davon in bar sowie Aktien im Wert von 80 Millionen Dollar werden den Besitzer wechseln, teilten die Unternehmen am Dienstag in Pasadena mit. Overture will darüber hinaus eine nicht genannte Summe an Verbindlichkeiten der Suchmaschine übernehmen.
Verkäufer und Käufer, das ist auf der einen Seite der bisherige Altavista-Eigner CMGI, der für die Suchmaschine vor vier Jahren 2,3 Milliarden Dollar bezahlt hatte, auf der anderen Seite ist es Overture. Das kalifornische Unternehmen war ursprünglich unter dem Namen Goto.com angetreten, die erste kommerzgelenkte Suchmaschine ins Web zu stellen: Bei Goto sah man kein Link, das nicht bezahlt wurde.



Als die New Economy noch Ideale hatte, konnte man sich auch darüber erregen: Goto floppte und erlitt wahre Protestwellen. Erfolg hatte das Unternehmen hingegen als Makler gesponserter Links - bis heute das Kerngeschäft der Kalifornier. Als kostenpflichtigen Service bietet Overture seinen Kunden eine prominente Platzierung ihrer Internet-Auftritte unter den Suchergebnissen diverser Dienste. Zu den Overture-Plattformen zählen beispielsweise Yahoo! und Microsofts Internet-Service MSN.

Der Konkurrent: Google

Doch ähnliche Dienste bieten heute alle Searchengine-Betreiber an: Overtures größter Konkurrent ist Google. Der Star unter den Suchdiensten braucht keinen Link-Vermarkter, weil das Unternehmen das selbst erledigt. Seit rund einem Jahr bietet Google Werbekunden an, deutlich gekennzeichnete Weblinks im Kontext von Suchergebnislisten zu platzieren.


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Nun leistet sich Overture wieder eine eigene Maschine, die das Unternehmen als Plattform für bezahlte Links nutzen und deren Technologie die Firma zudem an andere lizenzieren will.

Overture macht in Sachen Geschäftsstrategie damit eine 180-Grad-Wendung. Vor zwei Jahren verzichtete das Unternehmen darauf, den eigenen Suchdienst noch öffentlich zu bewerben, um, so hieß es damals, den eigenen Kunden keine Konkurrenz zu machen. Seitdem jedoch haben Yahoo! und vor allem Google den Markt so gut wie monopolisiert. Altavista, das einst als weltweit beste Searchengine galt, bemühte sich im Verlauf des letzten Jahres intensiv darum, hier wieder Boden gut zu machen.


Altavista-Chef James Barnett: Wird das Unternehmen bis auf die Technik demontiert?


Mit einigem Erfolg: In Tests schneidet Altavista nach wie vor als eine der besten Suchmaschinen ab, kein Unternehmen hält zudem mehr Patente als der Suchmaschinen-Pionier. Auch an denen wird Overture künftig verdienen.

Altavista wird damit zum Instrument im Verdrängungswettbewerb zwischen den wenigen Suchdiensten im Web, die tatsächlich Geld verdienen. Für das nun bereits zum dritten Mal verkaufte Unternehmen hat der Deal weitreichende Konsequenzen. Suchmaschinen sind dann erfolgreich, wenn sie "relevante" Ergebnisse zu Tage fördern - letztlich leben sie von ihrem auf dem Vertrauen der Sucher fußenden Renomee.

Strategiewechsel?

Relevanz aber wird von Overture anders definiert als bisher von Altavista. Für den Link-Makler ist das von Belang, was bezahlt wird. Das Unternehmen versichert jedoch, mit dem Kauf gerade auch Zugang zum Markt der Suchalgorithmus-gestützten Web-Recherche erlangen zu wollen, der Surfer mehr vertrauen, als der bloßen Präsentation gekaufter Links.





Trotzdem macht Overture-Chef Ted Meisel keinen Hehl daraus, dass es ihm beim Kauf mehr darauf ankam, die Technik und Marke in die Hand zu bekommen, als das Unternehmen selbst. Für die rund 150 Altavista-Angestellten, die nicht in der Technik arbeiten, sind das kaum gute Nachrichten.

Die Kombination von echter Suchtechnik und bezahlter Dienstleistung, glaubt Meisel, verspricht Profite. Google macht das vor, auch wenn das Unternehmen sich bisher beharrlich weigert, Bilanzen öffentlich zu machen. Doch Google lebt auch von seinem bisher makellosen Image, echtes Suchergebnis und bezahltes Link deutlich zu trennen. Gerade das hatte Overture mit seiner ersten eigenen Suchmaschine Goto nie getan.

Diesen Fehler will Overture scheinbar nicht wiederholen. Die Altavista-Technik soll Plattform für Link-Dienstleistungen werden, aber der gekaufte Link solle nicht Mittelpunkt des Angebotes sein. Overture, heißt es in einer Pressemitteilung, wolle Altavistas Angebote im Bereich bezahlter Links verbessern, plane aber auch, "neue Suchdienstleistungen" zu entwickeln. Letztlich ist der Schritt nur logisch: In einem Markt, in dem nur noch wenige Player wirklich relevant sind, muss man sich die Plattform selber schaffen, bevor die potenziellen Kunden ausgehen.

Meisel streitet das ab. Der Markt sei längst noch nicht zu: "Noch ist das Spiel in einer frühen Phase. Für die Websuche wird es mehr als eine Plattform geben".

Eine davon soll Altavista sein: Hasta la vista, Unabhängigkeit. Die allerdings hat Altavista in der Vergangenheit auch nicht weit gebracht: Mal wurde investiert, mal nicht, und zu oft schon kam Altavista unter den Hammer. Ob Ted Meisels Pläne mit dem Dienst jedoch aufgehen, muss sich auch erst noch zeigen. Bisher hat Altavista noch keinem seiner Besitzer Glück gebracht.

Frank Patalong
 
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