DSL: Droht das Kartell der Großen?

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Der deutsche DSL-Markt ist in heller Aufruhr. Auslöser ist ein neues Breitband-Vorprodukt der Telekom. Bei "DSL Net Rental" geht es – wie bei anderen Vorprodukten auch – nur um Überlassung von Netzkapazität. Das klingt harmlos, doch die Konditionen haben es in sich. Branchenvertreter warnen vor Wettbewerbsverzerrung und einer drohenden Re-Monopolisierung des Marktes.

Großzügige Rabatte

Beim Zugangsmodell "Net Rental" gewährt die Telekom großzügige Rabatte. Auf bis zu 58 Prozent beziffert der Bundesverband Breitband (BREKO) den Nachlass gegenüber dem regulierten Resale-Produkt. Eigentlich sollte das die Konkurrenz doch freuen, schließlich beschwert sich die Branche andauernd über zu teure Vorleistungsprodukte. Doch weit gefehlt: Die Aufregung ist groß.

Denn "Net Rental" ist nur etwas für die Großen. Nur wer mindestens 192 Anschlüsse (das entspricht drei Linecards im DSLAM) in einem der rund 7.500 Anschlussbereiche der Telekom abnimmt, kommt in den Genuss des rabattierten Angebots. Damit ist das Vorprodukt vorwiegend in Ballungsgebieten und für die stärksten Reseller interessant. Und die könnten sich dank "Net Rental" einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen, so lange sie mit günstigen Tarifen von Telekoms Gnaden die Konkurrenz unterbieten können.

Übliche Verdächtige

Einer der üblichen Verdächtigen ist, neben Telekom-Tochter T-Online, die United Internet AG. Schon länger sagt man der 1&1-Mutter exzellente Beziehungen zur Telekom nach, auch von Sonderkonditionen ist immer wieder die Rede. Entsprechend wird in Branchenkreisen gemunkelt, 1&1 hätte bereits den ersten "Net Rental"-Vertrag unterschrieben. Tarife wie die Null-Euro-Flat der United-Tochter GMX dürften sich dank "Net Rental" besser rechnen als mit dem herkömmlichen Resale-Modell. Neben T-Online und United Internet sollen zwei weitere Provider zum erlauchten "Net Rental"-Kundenkreis gehören, darunter AOL.

Doch für die Wettbewerber, ob Resale oder mit eigener Infrastruktur, könnte das neue Preismodell schwerwiegende Folgen haben. Bei auf "Net Rental" basierenden Billigst-Angeboten in den Großstädten dürften kleinere Reseller, die die Mindestabnahmemenge nicht erreichen, schnell nicht mehr mithalten können. Schon jetzt fordert der harte Preiskampf seine Opfer, kleine Anbieter ziehen sich zurück. Doch die Telekom-Konkurrenz will sich wehren und setzt dabei auch auf staatliche Einmischung. Ein Fall für das Kartellamt also.

Der Reseller Tele2 sieht in den bei "Net Rental" gewährten Rabatten eine Benachteiligung der Resale-Kunden. Der Anbieter wirft der Telekom "missbräuchliches Preisverhalten" vor und hegt den "Verdacht, dass im Zusammenhang mit Net Rental Preisabsprachen zur Gestaltung der Preise für DSL-Anschlüsse und DSL-Tarife getroffen wurden". Tele2 ist bereits beim Kartellamt vorstellig geworden, die Behörde bestätigte weitere Beschwerden und untersucht den Vorgang.

"Wettbewerb ausbremsen"

Die Carrier, die in den Regionen mit eigener Infrastruktur für Wettbewerb sorgen und mit schnellen ADSL2(+)-Anschlüssen Boden gut gemacht haben, könnten in Zukunft auf ihren Produkten sitzen bleiben. "Die Telekom will nun durch die Hintertür einen ernsthaften infrastrukturbasierten DSL-Wettbewerb ausbremsen", folgert BREKO-Geschäftsführer Rainer Lüddemann und wittert gar einen "Dumpingskandal".

Das ist selbst für selten zimperliche Verbandsprosa ein scharfer Tonfall. Aber durchaus angemessen, wie der BREKO findet, schließlich geht das Angebot vor allem gegen die eigene Klientel: die Zugangsanbieter mit eigener Netzinfrastruktur. Sie üben sich unisono in mehr oder weniger scharfer Kritik. So fürchtet ein HanseNet-Sprecher "schwerwiegende Konsequenzen für den Markt", sollten die Telekom das neue Vorprodukt etablieren können.

"Eklatanter Missbrauch"

Alwin Mahler wird noch etwas deutlicher. Der Chefstratege der Telefónica Deutschland sieht in den Telekom-Plänen den "Versuch eines Frontalangriffs auf die alternativen Infrastrukturanbieter". Eine mögliche Folge: Die Re-Monopolisierung des Marktes. Mahler spricht von einem "eklatanten Missbrauch" seitens der Telekom und sieht dringenden Handlungsbedarf auf Seiten der Regulierungsbehörde.

Der Bundesnetzagentur liegen inzwischen die Beschwerden verschiedener Anbieter vor. Jetzt prüft der Regulierer, ob es sich bei dem Telekom-Vorprodukt um unzulässige Preisnachlässe handelt und ob das Konsistenzgebot verletzt wurde. Bis Bundesnetzagentur und das Kartellamt in dieser Sache entscheiden, wird noch viel zu reden sein. Die Branche will nicht hinnehmen, dass "T-Online und United Internet den Markt diktieren", wie es ein Insider formuliert. Denn wenn die Großen zu innig miteinander kuscheln, kann das für den Markt nicht gut sein.

Von der Telekom war keine Stellungnahme zu erhalten.

Quelle: onlinekosten.de
 
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