[DE/AT] Linux-Projekte in München und Wien: Der Stand der Dinge

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Eric-Cartman

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Limux und Wienux: Die beiden Großstädte München und Wien schneidern sich die Debian-Distribution zurecht. Die Migration der Daten aus Office von Microsoft fällt jedoch schwer, auch die Server-Integration hakt noch.

Von Ulrike Ostler, 7. August 2006

Linux auf Behörden-PCs ist stets ein heißes Eisen: die Clients müssen besonders einfach bedien- und wartbar sein. Anpassen, Abspecken und Antesten gehört somit zum Tagesgeschäft der Projektleiter. Doch warum stellt die Stadt München unter dem Projektnamen "Limux" einen Client zusammen, der den Red-Hat-EMEA-Chef Werner Knoblich an eine eigenständige Distribution denken lässt? "Die Stadt München nimmt viele und sehr starke Anpassungen des Betriebssystems vor und wird ein eigener Software-Distributor", so Knoblich.

Das aber sei auf jeden Fall der falsche Weg, wie auch das Vorgehen des Red-Hat-Kunden LVM beweise. Die Versicherung habe zunächst ebenfalls versucht, sich ein passendes Betriebssystem zu Recht zu biegen. Doch sie habe einsehen müssen, dass das nicht zur Kompetenz eines Assekuranz-Unternehmens gehöre und schließlich zu einer Red-Hat-Distribution gegriffen.

Da kann der Leiter des Münchner Limux-Projektes Peter Hofmann nur lachen. "Nein, wir gehen nicht in Konkurrenz zu existenten Linux-Distributionen. Allerdings erstellen wir einen Basis-Client auf der Basis von Debian-Standard-Komponenten." Dieser allerdings soll sich zusammensetzen aus den Varianten "stable" und "testing". Zum Beispiel will Hofmann den neueren Kern aus der Testversion, Codename "Etch", nutzen, um auch neueste Hardware anschließen zu können. Selbst noch instabile "Sid"-Versionen sieht sich das Limux-Team an.

Die Möglichkeit des Mix aus verschiedenen Modulvarianten sieht Hofmann als eine der wesentlichen Vorteile von Debian an. Für ihn ist die Unabhängigkeit von Distributoren kein Makel der Linux-Variante, sondern eine Garantie für viele Freiheiten.

Limux hat mittlerweile rund 100 Endanwender und Power-User

Darüber hinaus besteht die Arbeit des Münchner Teams im Wesentlichen darin, Schnittstellen zu Fachanwendungen zu schaffen beziehungsweise zu besorgen, zum Beispiel eine BS200-Emulation, sowie die Vollversion auf das Brauchbare einzudampfen. "Wir schauen halt, welche Pakete wir tatsächlich brauchen."

So unterstütze nahezu jede Linux-Distribution mehrere Oberflächen, Browser, Editoren, Konfigurations-Management- und E-Mail-Systeme. Doch die Anwender benötigten nur jeweils ein Programm.

Darüber hinaus bestehe eine wesentliche Arbeit für Behörden wie die Stadt München darin, die Basis-Clients zu testen, erläutert Nico Gulden, technischer Projektleiter beim Linux Solution Group (Lisog) e. V., zu dem mehrere behördliche Mitglieder gehören. Tatsächlich berichtet der Limux-Leiter, dass die Migration der Daten aus den Office-Programmen von Microsoft schwerer fiele, als anzunehmen war. Auch die Server-Integration hake noch ein wenig.

Doch immerhin könne Hofmann bereits auf Pilotinstallationen verweisen, etwa im Bürgermeisteramt und demnächst im Kulturreferat. Insgesamt seien rund 100 Endanwender und Power-User auf Linux-Desktops unterwegs. Weitere Installationen folgten 2007. Letztlich sollen bis zu 14 000 Arbeitsplatzrechner unter Linux laufen.

Insgesamt habe es noch keine größeren und unerwarteten Schwierigkeiten gegeben, so dass daraus auch keine Verzögerungen resultierten, erläutert Hofmann. Dass der ursprüngliche Zeitplan dennoch nicht eingehalten wird, führt er im Wesentlichen auf einen Zwischenraum zurück, in dem die Stadt einfach hatte abwarten wollen, wie das EU-Parlament in Sachen Patentierbarkeit von Software entscheidet. So sei unter anderem im Herbst 2004 deshalb eine wichtige Ausschreibung verschoben worden.

Wien nutzt ebenfalls Debian

Im Übrigen verfahre die Stadt München in ihrem Linux-Projekt kaum anders als die Stadt Wien, wie Hofmann im Austausch mit den dortigen Projektverantwortlichen weiß. Diese setzte mit dem Projekt Wienux ebenfalls auf Debian und konfiguriere das System nach ihren Maßstäben.

Der IT-Architekt der Stadt Wien Peter Pfläging erläutert, sein Team habe die stabile "Sarge"-Version als Grundlage benutzt, um sie an die spezifischen Bedürfnisse des Magistrats anzupassen. Tatsächlich bestand auch hier das Customizing im Wesentlichen darin, Überflüssiges zu entfernen, Schnittstellen, etwa eine Oberfläche für SAP-Anwendungen, dazuzubauen.

Die Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2004 kam zu dem Ergebnis, dass die rund 20.000 Arbeitsplatzsysteme mit Linux bestückt werden könnten. An Lizenzkosten gegenüber vergleichbaren Windows-PCs würde das pro Rechner rund 93 Euro jährlich einsparen. Trotzdem entschieden die Verantwortlichen, es den 150 Abteilungen der Stadt zu überlassen, welches Arbeitsplatzsystem sie nutzen wollten. So kommt es, dass heute nur rund 250 bis 280 Desktops unter Linux laufen. Allerdings, so Stabsstellenleiter Pfläging, steige die Zahl bis zum Jahresende auf 1000. Denn auch die Kindergärten der Stadt steigen auf das Debian-System um. Zudem sei mit weiteren Wienux-Anwendern zu rechnen, da ein Umdenken eingesetzt habe: Während früher Anwendungen nur unter dem Aspekt eines einzigen Betriebssystems begutachtet wurde, achte die Stadt jetzt bei der Software-Auswahl immer auch darauf, ob sich das Programm auch für Linux-Systeme eigne.

Auch Pfläging spricht nicht von einer eigenen Distribution, obwohl die Stadt jedem, der Interesse hat, ein Wienux zur Verfügung stellt. Für den Lisog-Techniker Gulden liegen München und Wien mit der Bündelung von Betriebssystem-Ressourcen jedoch an der Grenze zu einer eigenen Distribution. Dafür spreche, dass die Städte einzigartige Pakete packen, die sie zudem ausgiebig testen. Das schaffe einen Mehrwert. Andererseits gehöre es für alle Anwender in jedem Fall dazu, das Zusammenspiel von Programmen, Schnittstellen und Basisdiensten im Dienste der Qualitätssicherung zu testen. Außerdem griffen Behördenanwender nur in seltenen Fällen in den Linux-Quellcode ein oder böten Support außerhalb der eigenen Infrastruktur an.

Quelle: CNET Networks Deutschland GmbH/ZDNet.de und CNET.de
 
#2
DiableNoir

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Es freut mich, dass diese zwei Städte endlich mal einen wichtigen Schritt unternehmen und von der Monotonen OS-Landschaft weggehen. Diese "Distrubutionen" könnten ja auch später auf anderer Städte übertragen werden. :)

Was mich aber wundert ist, dass in München mit instabilen Versionen gearbeitet wird. Außerdem hört sich das so an, als ob alle umsteigen müssen, während die Wiener anscheinend die freie Wahl haben.
 
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