Call of Duty: World at War - oder: Déjà vu (Single Player)

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Michel

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Gestern mittag klingelte der Postmann (nicht zweimal) und überbrachte mir das herbeigesehnte Päckchen mit dem frisch herausgekommenen Call of Duty: World at War. Nachdem ich jetzt (ja, ich weiß, ich hab zu viel Zeit) die Single Player-Kampagne durchgespielt habe, möchte ich für alle Interessierten gerne einen Spielbericht abliefern.

1. Auspacken, Installation, Systemanforderungen

Ich habe das Spiel in der deutschen normalen Version bestellt. Diese unterliegt der Zensur, was in erster Linie die Darstellung verfassungsfeindlicher Symbole und extremer Gewalt betrifft. Um es gleich vorweg zu nehmen: Das Spiel ist auch so noch sehr brutal und keinesfalls für Jugendliche geeignet.

Die Installation verläuft reibungslos und belegt ca. 8 GB auf der Festplatte. Dazu kommen noch einige hundert MB für den bereits vor dem Game-Release veröffentlichten Patch 1.1, der viele Fehler beseitigt.

Die Hardwareanforderungen haben sich seit dem Vorgänger Call of Duty 4: Modern Warfare kaum geändert. Verlangt wird eine SingleCore-CPU mit 3,0 GHz, eine Shader 3.0-fähige DirectX 9.0c-Grafikkarte mit 256 MB sowie 512 MB RAM mit Windows XP (1 GB mit Windows Vista).

Diese Werte lassen sich für die Praxis bestätigen. Mit meinem System, das teilweise wirklich als veraltet gelten muss, läuft das Spiel in einer Auflösung von 1280x1024, 4x AA, 16x AF und vollen Details absolut flüssig. Zum Genuss von CoD:WaW ist also für die meisten keine Aufrüstorgie notwendig.



Grafik

Bei CoD:WaW kommt die Engine von CoD 4 mit minimalen Verbesserungen zum Einsatz. Diese betreffen vor allem die Darstellung von Feuer, Wasser, Regen sowie nassen Gegenständen und Texturen. Während CoD4 vor etwas mehr als einem Jahr noch die Spitze der grafischen Darstellung darstellte und höchstens noch von Crysis übertroffen wurde, gibt es diesmal also keine signifikante Weiterentwicklung. Dies ist wohl auch durch die Entwicklung durch das Studio Treyarch zu erklären, dass sich eben auf den Inhalt konzentriert hat, um innerhalb eines Jahres ein Weiteres Sequel der CoD-Reihe fertigstellen zu können.

Auch wenn es keine Referenz-Grafik hat, sieht CoD:WaW trotzdem immer noch sehr hübsch aus, besonders stechen dabei die verregnete Mission der Marines auf Okinawa, der Nachtflug in einem Flottenagriffsflugzeug und die Erstürmung des Reichstags durch die sowjetische Armee hervor.

Sound, Musik

Wie immer haben sich die CoD-Entwickler nicht lumpen lassen. Die Kriegsgeräusche sind beängstigend realistisch und machen einen Großteil der Atmossphäre aus. Die Musik wurde erneut mit einem großen Symphonieorchester eingespielt, enthält aber auch mal schwere Gitarrenriffs und technoartige Beats. Diese Mixtur liest sich vielleicht so ganz ohne Hörprobe etwas komisch. Glaubt mir aber, wenn ich schreibe, dass die Musik sehr stimmig ist.

Bei der Wahl der Sprecher fährt Treyarch auch in der deutschen Version teilweise schweres Geschütz auf. Die deutsche Stimme des amerikanischen Marines, dessen Perspektive man durch den Pazifik bis nach Okinawa übernimmt, ist die bekannte Stimme von Kiefer Sutherland und Gary Sinise.

Gameplay

Darüber braucht man keine großen Worte zu verlieren. Wer Call of Duty kennt, fühlt sich sofort heimisch in der Steuerung und auch Anfänger brauchen diese nicht zu fürchten.

Spielerisch bekommt man CoD-übliche Kost serviert: Stellungen erstürmen, Bunker- und Tunnelsysteme von Feinden säubern (praktisch ist der neu eingeführte Flammenwerfer), Panzer fahren (immer auf die Unterkante des Turmes der gegnerischen Panther zielen, sonst ist man schnell erledigt). Wie im Vorgänger gibt es eine Flugzeugmission, die sich von dieser durch die interessante Idee der ständigen Geschützwechsel unterscheidet.

Das Spiel ist auch im Standard-Schwierigkeitsgrad nicht einfach und man stirbt relativ häufig beim ersten Versuch, einen neuen Abschnitt einzunehmen. Dies trifft vor allem auf die US-Mission zu, da hier das Kampfverhalten der japanischen Armee relativ exakt dargestellt wird: Die Japaner verbergen sich im hohen Gras, unter getarnten Abdeckplatten oder auch in Bäumen und greifen erst an, wenn man über ihnen steht. Tödlich sind dabei die japanischen Banzai-Angriffe, bei denen die Gegner mit aufgepflanztem Bajonett in selbstmörderischer Absicht aus der Deckung stürmen. Da hilft es nur noch, auf die Taste "V" einzuhämmern.

Während es in CoD 4 noch klappte auf gut Glück loszustürmen, ist in CoD:WaW an vielen Stellen überlegtes und langsames Vorrücken zum nächsten Kontrollpunkt gefragt. Wie üblich speichert das Spiel den Fortschritt an diesen Stellen selbst, der Spieler selbst kann nicht abspeichern. Es gibt aber auch keinen endlosen Gegnernachschub wie in CoD 2, der den Spieler zum raschen und kontinuierlichen Vorrücken in Feuerpausen zwingt.

Missionen und Atmosphäre

Während CoD 4 von einem erzählerischen roten Faden zusammengehalten wurde, der sogar ab der Mitte des Spiels die englische mit der amerikanischen Kampagne verband, spielt man in CoD:WaW zwei getrennte Kampagnen mit den US-Marines im Pazifik und mit der Sowjetarmee auf dem Vormarsch gen Berlin. Dabei gibt es bei beiden Handlungssträngen eine Einführungsmission im Jahr 1942: Atmossphärisch gelungen ist dabei die Einführung in die Pazifik-Mission auf der Insel Makin, wo man von seinen Kameraden gerade noch rechtzeitig aus japanischer Gefangenschaft befreit wird. Die sowjetische Mission beginnt - wie spannend - ein weiteres Mal im belagerten Stalingrad, wo ziemlich schamlos beim Kriegsfilm "Duel - Enemy at the Gates" geklaut wird.

Danach geht es jeweils erst in der letzten Phase des Krieges weiter. Im Pazifik wird der Kriegsalltag des Insel-Hopping relativ gut spürbar. Die einzelnen Missionen werden durch kleine Videoclips mit historischem Material eingeleitet, unterlegt durch die Gary Sinise-Stimme oder die des russichen Feldwebels, der den Spieler bis nach Berlin begleitet. Den Sinn und Inhalt des Gesagten vergisst man allerdings sofort wieder, weil man es schon unzählige Male gehört hat.

Provozierend sind wie im Vorgänger die Aussagen der In Game-Charaktere: die japanischen Gegener werden als Tiere und Untermenschen bezeichnet, der russische Feldwebel hetzt seine Soldaten immer wieder zur blutigen Rache an den deutschen Invasoren auf: "Schießt den Feiglingen in den Rücken!" So ist die verbale Gewalt im Spiel eigentlich um einiges heftiger als die grafisch dargestellte Gewalt in der deutschen Version, auch wenn an Folter- und Exekutionsszenen nicht gespart wird. Sicherlich werden die Macher die Aussagen der Charaktere im Spiel als realistische Kriegsdarstellung verteidigen, genauso sicher wird es aber darüber auch wieder Diskussionen geben.

Im Verlauf des Spiels wird überdeutlich, dass das Thema "2. Weltkrieg" in Shootern nun endgültig ausgelutscht ist. Gerade die sowjetische Kampagne - von Stalingrad nach Berlin - ist schon unzählige Male dagewesen. Dennoch kommt hier mehr Atmosphäre auf als im Pazifikkrieg. Dies mag daran liegen, dass das Geschwätz von Gary Sinise um einiges dümmer ist als das des russichen Feldwebels. Vielleicht liegt es auch daran, dass man wie im echten Pazifikkrieg ohne einen größeren Zusammenhang erkennen zu können von einer Schlacht in die nächste geworfen wird.

Die Action ist aber wie in allen CoD-Teilen grandios. Die Gefechte sind in CoD:WaW um einiges intensiver als in CoD 4, man hat im wahrsten Sinne des Wortes kaum eine ruhige Minute, um sich die hübsch animierte japanische Inselwelt oder das zerstörte Berlin anzuschauen. Es ist am Ende die Intensität und die Spannung der Gefechte in den Missionen, die einen den Single Player Modus trotz vieler Dejà vu-Erlebnisse durchspielen lässt. Ein durchschnittlicher Spieler wird für die 15 Missionen ca. 6-7 Stunden brauchen.

Fazit

Der zweite Weltkrieg ist spätestens nach CoD:WaW tot, und das ist auch gut so. Treyarch bietet für den Preis von knapp 50 € einen weiteren CoD-Shooter ohne technische Schwächen, der spielerisch teils langweilt, teils befriedigt und in manchen Momenten sogar mitreißt. Gegenüber CoD 4 stellt der Single Player von CoD:WaW einen Rückschritt dar. Die einzelnen Missionen werden durch nichts verbunden und man hat am Ende schnell vergessen, wo man im spielerischen Kriegsverlauf überall war. Trotzdem macht auch dieses CoD wieder Spaß, weil es keine technischen Schwächen gibt, weil die Atmosphäre trotz Altbekanntem stimmt und weil in den einzelnen Missionen pausenlos grandiose Action geboten wird, aufgehübscht durch teilweise beeindruckende Scripting-Ereignisse (z.B. Bomberabsturz über Pazifikinsel).

Begraben wir also den Zweiten Weltkrieg im Shooter-Genre, möge er nach vielen Stunden Spielspaß in Frieden ruhen. Eine klare Kaufempfehlung kann ich als Fan der Reihe ehrlicherweise nicht geben. Wer kein Multiplayer-Spieler ist, könnte am Ende den Preis des Spiels von 50 € zurecht als zu hoch empfinden. Aber: CoD kauft man eigentlich immer wegen des Multiplayer-Modus, den ich als nächstes ausprobieren werde. Ergänzend bietet CoD:WaW auch die Möglichkeit, die Single Player-Kampagne im sog. Coop-Modus mit drei Freunden gemeinsam über Netzwerk zu spielen.
 
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Simi1989

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Vielen Dank für deinen Bericht Michel1980!!! Respekt, dass du dir so viel Arbeit machst! Stehe auch vor der Entscheidung mir die neue Version zu holen, zocke z.Zt. Cod4....
 
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HWFlo

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Danke für deine Mühe Michel1980.
Ich konnte bei nem Kumpel einige Minuten spielen und gebe dir nicht nur in dem Punkt Recht das der Singleplayer den Preis nicht Wert ist.
Modern Warfare war in diesem Bereich einfach "liebevoller" designt.

Was den Multiplayer abgeht kann ich natürlich nichts sagen, daher freue ich mich schon darauf das du deinen Bericht ergänzt.

Nochmal danke.
 
Michel

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Kurzbericht: Multiplayer

Nachdem ich jetzt zwei-drei Stunden mit dem Multiplayer zugebracht habe, kann ich diesen auch einigermaßen objektiv beurteilen. Um das ganze möglichst kurz zu machen, sei gleich vorweg genommen, dass die einfach-genialen Ideen des Multiplayer-Modus von CoD4: Modern Warfare für CoD:WaW übernommen und an das Szenario des Zweiten Weltkriegs angepasst wurden. Wer CoD4 nicht gespielt hat, erhält hierzu eine kurze Erklärung:

Im Multiplayer-Modus startet man sein Spielerprofil mit 0 Erfahrungspunkten als einfacher Soldat und erwirbt diese im Verlaufe eines jeden Gefechts durch die Anzahl und Art und Weise der Kills, die man in diesem Gefecht geschafft hat. Das System der Erfahrungspunkte ist in ein Beförderungssystem der üblichen militärischen Ränge (vom Gefreiten zum 4 Sterne-General) integriert. Mit jedem erreichten neuen Rang kann man verbesserte Waffen, Waffenaufsätze wie Schalldämpfer oder Zielfernrohre oder Extras (z.B. doppelte Munitionsmenge, ruhige Hand beim Schuss etc.) freischalten. Das Resultat ist eine sehr gute Langzeitmotivation für das Spiel, da man ja möglichst alle Errungenschaften des Spiels freischalten möchte.

Die bisher von mir gespielten Karten haben mir ausnahmslos gut gefallen. Wie im Vorgänger sind diese an die Singleplayer-Missionen angelehnt. Im Unterschied dazu gibt es diesmal jedoch keine sehr große Varianz in der Größe der Karten.

Im Vergleich zu CoD4 würde ich den Multiplayer von CoD:WaW als schwieriger beurteilen. Dies hängt natürlich damit zusammen, dass man nicht mit modernem virtuellen Kriegsgerät hantiert, sondern mit Waffen aus dem 2. Weltkrieg. Das Zielen ist schwieriger, die Waffen besitzen weniger Durchschlagskraft. Wie im Vorgänger kann man auch in CoD:WaW nach 3, 5 und 7 Kills in Folge auf Zusatzoptionen zugreifen: Nach 3 Kills startet unser Aufklärungsflugzeug, nach 5 Kills dürfen wir einen Artillerieschlag anordnen, nach 7 Kills lassen wir unsere Hunde auf den Gegner los, die sie in Stücke reißen. Nichts wirklich Neues also gegenüber CoD4.

Im Allgemeinen trifft auf die Beurteilung des Multiplayers ähnliches zu wie beim Singleplayer-Modus. Die Atmossphäre und die Technik stimmen, das ausgeklügelte Konzept von CoD4 wurde erfolgreich auf den neuen Teil transferiert. Es wird nichts wirklich Neues geboten, macht aber trotzdem Spaß, weil CoD:WaW wieder etwas schwieriger ist als CoD4. Erneut muss man sich aber selbst fragen, ob der Preis von 50 € für die Übertragung eines bekannten Konzepts auf ein anderes Setting angemessen ist. 30 € wären für CoD:WaW meiner Ansicht nach angemessen gewesen.
 
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