"Killerspiel"-Diskussion: PC-WELT befragt Dr. Günther Beckstein

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  1. "Killerspiel"-Diskussion: PC-WELT befragt Dr. Günther Beckstein #1
    Moderator Avatar von Eric-Cartman

    "Killerspiel"-Diskussion: PC-WELT befragt Dr. Günther Beckstein

    http://www.pcwelt.de/imgserver/bdb/58300/58326/168x168_only_scaled.jpg

    Der Vorstoß des bayerischen Innenministers Dr. Günther Beckstein, nach dem der Paragraph 131 StGB auf Computerspiele ausgeweitet werden soll und künftig Herstellung, Vertrieb und Kauf von "menschenverachtenden Killerspielen" mit Haftstrafen bis zu einem Jahr belegen würde, löste sowohl bei Anwendern als auch in der Politik zum Teil heftige Gegenreaktionen aus. Die PC-WELT hat Innenminister Beckstein zum Themenkomplex Killerspiele befragt. Seine Antworten lesen Sie hier.

    Das Thema Killerspiele bewegt unsere Leser. Wir haben nach Bekanntwerden des Gesetzentwurfs ( wir berichteten ) den bayerischen Innenminster Beckstein kontaktiert und einige Fragen zu diesem Themenkomplex gestellt. Die Antworten wollen wir Ihnen nicht vorenthalten.

    PC-WELT: Wie definieren Sie Killerspiele als solches?

    Dr. Günther Beckstein: Mit dem von mir angestrebten Verbot von menschenverachtenden Killerspielen will ich Spiele verbieten, in denen es alleine darum geht, am Bildschirm grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeiten zu begehen. Solche Spiele sind abstoßend, ethisch und moralisch verwerflich und fördern außerdem die Gefahr, dass psychisch labile Personen, die jeden Tag und oft stundenlang solche Killerspiele konsumieren, irgendwann Realität und Fiktion vermischen. Das bereits bestehende strafrechtliche Verbot von verharmlosenden und verherrlichenden Gewaltdarstellungen im § 131 StGB reicht nicht aus, auch wirksam gegen Killerspiele vorzugehen. Bayern hat deshalb in der Diskussion zum Verbot von Killerspielen den Vorschlag gemacht, § 131 StGB um eine Regelung zu virtuellen Killerspielen zu ergänzen.

    PC-WELT: Weshalb reicht aus Ihrer Sicht die derzeitige Praxis der Indizierung menschenverachtender Spiele nicht mehr aus?

    Beckstein: Die bisherige Indizierungspraxis hat zum einen zu nicht nachvollziehbaren Altersfreigaben geführt. Grundsätzlich ist sie aber auch schon vom Ansatz her nicht geeignet, zuverlässig zu verhindern, dass Kinder und Jugendliche menschenverachtende Killerspiele in die Hände bekommen. Keine Indizierung kann verhindern, dass ein 18 Jähriger ein Spiel, das nur für Erwachsene frei gegeben ist, an seinen 17-jährigen Freund weitergibt, der es dann seinem 11-jährigen Bruder zur Verfügung stellt. Außerdem zeigt die Kriminologie, dass auch junge Erwachsene labil sein können, sie sind sogar bei Gewalttaten die am stärksten beteiligte Altersgruppe.

    Stellungnahme Teil II

    PC-WELT: Weshalb sollten erwachsene Spieler nicht mehr das Recht haben, für ihr Alter erstellte und freigegebene Titel zu spielen?


    Beckstein: Das virtuelle Abschlachten von Menschen in möglichst grausamer Art und Weise ist von der Meinungsfreiheit des Grundgesetzes nicht gedeckt. Die Gefahr, die von solchen Spielen für psychisch labile Persönlichkeiten ausgeht, ist nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene virulent. Deshalb muss ein Verbot übelster Killerspiele auch für Erwachsene greifen.

    PC-WELT: Ist es nicht zu einfach gegriffen, etwas zu verbieten, anstatt die wirklichen Ursachen zu bekämpfen (mangelnde Aufsicht durch Eltern, Pädagogen, fehlendes Verständnis von Videospielen als solches)?

    Beckstein: Keiner behauptet ernsthaft, dass ein Verbot alleine alle Probleme löst, die von menschenverachtenden Killerspielen ausgehen. Das angestrebte Verbot ist aber ein geeignetes Mittel zum Schutz der Bevölkerung insgesamt und unserer Kinder und Jugendlicher im Speziellen. Denn durch ein strafbewährtes, gesetzliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot setzt der Gesetzgeber ein Signal, dass solche Spiele ethisch, moralisch und rechtlich abzulehnen sind. Es sind selbstverständlich nicht nur Staat, Polizei, Schulen und Sozialbehörden gefordert, sondern natürlich auch die Eltern. Sie müssen sich darum kümmern, was ihre Kinder spielen. Vernünftige Eltern werden nicht zulassen, dass ein 11-jähriger am PC im Kinderzimmer virtuell Menschen abschlachtet. Manche Eltern sind aber sichtlich technisch damit überfordert, im Auge zu behalten, was ihre Kinder so mit dem Computer anstellen. Wir müssen deshalb erhebliche Anstrengungen unternehmen, die Medienkompetenz auch bei den Eltern zu verbessern. Das ist aber kein Argument gegen ein gesetzliches Verbot von Killerspielen, sondern ein Argument dafür, neben dem gesetzlichen Verbot auch die anderen notwendigen Maßnahmen zu forcieren.

    Diskussion geht weiter

    In der Diskussion um das Verbot von "Killerspielen" drängen sich eine Vielzahl von problematischen Punkten auf. Sollte das Gesetz so oder in leicht abgeänderter Form tatsächlich in Kraft treten (was abzuwarten bleibt), stellt sich beispielsweise die Frage, wie dann künftig kontrolliert/verhindert werden soll, dass Kinder/Jugendliche sich die Inhalte einfach aus dem Netz herunterladen.

    Hierauf erklärte Rainer Riedl, stellvertretender Pressesprecher des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren, gegenüber der PC-WELT, dass es denkbar wäre, in diesen Fällen technisch ähnlich vorzugehen, wie bereits bei der Verfolgung von Kinderpornografie im Internet. Dieser Vergleich bezieht sich dabei ausdrücklich auf die technische Vorgehensweise, beide Tatbestände sollen nicht miteinander verglichen oder gar auf eine Stufe gestellt werden.

    Darüber hinaus wird laut Riedl im bayerischen Innenministerium derzeit eine Liste mit Spielen erstellt, die aus Sicht des Ministeriums unter die Kategorie "menschenverachtende Killerspiele" fallen und bei einer Neufassung des §131 StGB verboten wären. Details zu der Liste sind noch nicht bekannt.

    Quelle:IDG Magazine Verlag GmbH/PC-WELT Online

    News-Moderator Hinweis: Diskussionen zu dem Thema bitte HIER

  2. Hi,

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