Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen

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  1. Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen #1
    Moderator Avatar von Eric-Cartman

    Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen

    http://www.pcwelt.de/imgserver/bdb/15400/15401/168x168_only_scaled.jpg

    Nach dem - in aller Form verurteilungs- und verabscheuungswürdigen - Amoklauf in einer Schule in Nordrhein-Westfalen folgen nun erneut die üblichen Reflexe von Politikern - Verbot von "Killerspielen". Ob ein solches Verbot den Amokläufer von seiner Tat abgebracht hätte, wage ich aber zu bezweifeln.

    Der gestrige "Brennpunkt" bewies erneut, wie Spielefans von Menschen, die von der Materie nicht den blassesten Schimmer haben, eingeordnet werden. In der Sendung leitete der Moderator ein Interview mit einem Psychologen sinngemäß wie folgt ein (aus meiner Erinnerung): "Der Täter war ja bekannt dafür, ein Einzelgänger, Waffennarr und Computerspieler zu sein". Im weiteren Verlauf wurden Videos von "Killerspielen" (ich glaube, es war Quake) eingeblendet.

    Schon zu diesem Zeitpunkt war klar, was heute folgen würde: Die üblichen Beißreflexe unserer Politiker. So fordert CDU-Mann Wolfgang Bosbach laut eines Berichts der Netzeitung : "Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass der 18-jährige Täter sich über einen längeren Zeitraum und intensiv mit so genannten Killerspielen beschäftigt hat, müsste der Gesetzgeber nun endlich handeln". Sekundiert wird Bosbach von dem brandenburgischen Innenminister Jörg Schönbohm (CDU): Seiner Ansicht nach müsse "konsequent gegen Spiele vorgegangen werden, die Gewalt verherrlichen", so der Politiker gegenüber der Netzeitung.

    Einzig von den Grünen kommt eine Reaktion, die der Problematik eher gerecht wird. So erklärte Volker Beck gegenüber der Netzeitung: "Wenn die Informationen zutreffen, dass der Täter gesellschaftlich isoliert war und seine Zeit hauptsächlich mit dem Spielen von Killerspielen verbracht hat, dann muss jetzt verstärkt eine Debatte um Förderung von Medienkompetenz und eine sinnvolle Computernutzung geführt werden. Hier reicht die einfältige Forderung der Großen Koalition nach einem Verbot von Killerspielen sicher nicht aus, zumal Verbotenes für Jugendliche bekanntlich umso reizvoller ist."

    Dazwischen tummeln sich noch Vertreter von Lehrerverbänden und weitere "Experten", die offensichtlich allen Ernstes der Ansicht sind, dass ein Verbot derartiger Inhalte künftig dafür sorgen wird, dass derartige Amokläufe nicht mehr geschehen.

    Um eines klar zu stellen: Mein Mitgefühl gilt selbstverständlich allen Betroffenen dieser Tragödie! Doch wie immer wird als Ursache in erster Linie ein Punkt hervorgehoben: Er war Computerspieler - wie Millionen anderer Kinder, Jugendliche und Erwachsene auch.

    Im gestrigen Brennpunkt waren auch Privatvideos des Amokläufers zu sehen, wie er selbst gebastelte Bomben zündete und mit Waffen hantierte. Niemand fragt nun aber, wie er a, an Waffen kam und b, woher er die Kenntnisse für die Herstellung von Sprengstoff hatte. Alles reduziert sich momentan auf eines: Killerspiele - beziehungsweise das Verbot selbiger.

    Nach dem Amoklauf von Erfurt, der PC-Spiele erst in das Blickfeld unserer Volksvertreter gebracht hat, hat niemand das Verbot von Schützenvereinen gefordert. Warum eigentlich nicht? Dort lernen Menschen immerhin den Umgang mit echten Waffen. Aber: Schützenvereine sind in unserer Tradition verankert - Computerspieler nicht.

    Ich bin kein Psychologe und will mir auch nicht anmaßen, über die Gründe für den aktuellen Amoklauf zu spekulieren, aber mit Sicherheit dürfte bei diesem jungen Mann einiges schief gelaufen sein und das seit Jahren. Wenn nun ehemalige Lehrer des Mannes im Fernsehen erklären, dieser habe kaum beziehungsweise nie gesprochen und sei sehr verschlossen gewesen, frage ich mich: Warum haben Sie nichts getan? Aber hinterher die Schuld bei Ballerspielen zu suchen, ist sicherlich bequemer, keine Frage...

    Dass Menschen mit einer aggressiven Tendenz, auch aggressive Inhalte bevorzugen (Film, Musik, Spiele), ist nichts Neues. Immer wieder wird bei solchen Tragödien aber aus meiner Sicht der Fehler gemacht, die Symptome zu bekämpfen und nicht deren Ursache.

    Festzuhalten bleibt: Wir haben in Deutschland eines der schärfsten Jugendschutzgesetze und die USK macht ihre Arbeit gut, auch wenn sich über den ein oder anderen Fall sicherlich streiten lässt. Extrem gewaltverherrlichende Titel erhalten keine Freigabe und können indiziert werden, was aus meiner Sicht bei einigen Machwerken auch Sinn macht. Aber: Jeder Erwachsene soll das Recht haben, Spiele, die für sein Alter bestimmt sind, auch kaufen zu dürfen, ohne an der Kasse schief angesehen oder als potenzieller Amokläufer verunglimpft zu werden. Wer in seiner Freizeit gerne mal ein Ballerspiel zockt (wie auch ich), sollte dies genauso tun dürfen, wie derjenige, der sich einen Porno oder Horrorfilm ansieht.

    Was wir benötigen, um derartige Vorfälle möglicherweise zu verhindern, sind Eltern und(!) Lehrer, die hinsehen anstatt weg zu sehen. Die darauf achten, was ihre Kinder am PC oder der Konsole spielen und eingreifen, wenn Inhalte ins Spiel kommen, die nicht für das jeweilige Kind/Jugendlichen freigegeben sind. Verbote nutzen in Zeiten von Tauschbörsen und Import-Händlern nur wenig. Medienkompetenz heißt das Zauberwort. Und diese müssen Eltern ihren Kindern vermitteln - so unbequem es auch sein mag.

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    Quelle:IDG Magazine Verlag GmbH/PC-WELT Online

  2. Hi,

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  3. Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen #2
    seppjo
    Gast Standardavatar
    Naja, ich verstehe auch nicht warum immer gleich nach Spielen... geschrieen wird. Wahrscheinlich will man von dem gesellschaftlichen Dilemma in dem man sich zwischenzeitlich befindet ablenken.
    Wenn es an Spielen & Horrorfilmen liegt, müßte ich schon lange komplett ausgeflippt sein.

    Was da schief läuft befindet sich eher auf einer menschlichen Basis. Da sind die Sinne... völlig daneben gewesen. Der Kerl schreit doch nach Aufmerksamkeit oder? Leider können durch unsere neuen tollen Medien solche Schreie wohl leicht überhört werden. Eingentlich kann er einem nur leid tun.

    Erziehung auf dem absteigenden Ast von unserer noch so genialen Gesellschaft gefördert.

    Geistige "virtuelle" Beanspruchung, ohne einen entsprechenden körperlichen Ausgleich zu haben, scheint sich auf dauer negativ auszuwirken.

  4. Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen #3
    Mann kann sich ja immer wieder darüber streiten, aber wer zum Teufel kommt in einer Schlagzeile immer wieder auf Killerspiele????

    Vielleicht die Lehrer in deren Schule, die den einfach im Stich gelassen haben und meinen das er eh bescheuert war, weil er "Killerspiele" gespielt hat. Und?

    Ich Spiele auch F.E.A.R., HL 2, DOOM3, Quake 3 & 4 und UT! Bin ich nun ein potenzieller Killer? Müssen meine Freunde jetzt vor mir Angst haben??

    Ich würde die Richtung mal eher Schule und Eltern schieben! Verlassen von den Eltern, oder alleine gelassen auf dem Schlachtfeld der Schule? Ich für meinen Teil meine das in der Schule immer noch die Macht des stäkeren Zählt. Das Kapieren aber weder die Eltern noch die Lehrer. Vielleicht ist es vielen noch nicht aufgefallen, aber eine Klasse zusammenhalten sollte und nicht gegenseitig um die Macht des stärkeren kämpfen.

    So ein Ausfall ist mal wieder das Paradebeispiel für das Unterlassen von Hilfeleistungen! Nur wiedermal will keiner den Scharzen-Peter zugeschoben bekommen.

    Wie seht ihr das?

    Gruß Freak

  5. Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen #4
    SuperTux
    Gast Standardavatar
    Was bringt eine erneute Diskussion, die es schon ein paar Mal in der gleichen Form gegeben hat? Man muss fordern, dass die Politiker ihre unsinnigen Forderungen einstellen und lieber die Gründe bekämpfen, die zu der Einstellung des Täters führen! Und ich denke, da sind am meisten die Eltern des Täters gefordert, denn diese haben sich um ihn gekümmert und ihn erzogen.

  6. Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen #5
    seppjo
    Gast Standardavatar
    @SuperTux,
    da haste wiederum auch recht.

  7. Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen #6
    Schwergewicht Avatar von Bullayer
    Wenn aber beide Elternteile berufstätig sein müssen, um ihre Kinder in diesem Land aufziehen zu können, dann ist auch der Staat bzw. die Politik gefordert, etwas zu ändern. Es gibt doch immer weniger Menschen, die sich für ein Kind entscheiden. Die meisten Entscheidungen gegen Nachwuchs werden doch mittlerweile aus finanziellen Gründen getroffen!

  8. Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen #7
    SuperTux
    Gast Standardavatar
    Richtig, bullayer, und du glaubst, das erreicht man durch das Verbot von Computerspielen? Meinst du, dann fühlen sich Kinder besser und verstanden?

    Es wird wieder einen Amok-Lauf in einer Schule geben, und dann werden wieder Kinder und Lehrer getötet, nicht nur verletzt, wie dieses Mal. Und alle Eltern sollten sich klarmachen, dass ihr Kind vielleicht beim nächsten Mal tot ist.

  9. Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen #8
    Hallo,

    meiner Meinung nach müsste erst einemal geklärt werden, wo die Waffen herkommen.

    Mit einem "Killerspiel" kann man bekanntlich niemanden real töten, aber mit Waffen schon.

    Gruß Dirk

  10. Hallo,
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  11. Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen #9
    Es ist doch immer wieder das gleiche Thema, welches von den Politikern und von selbsternannten Experten ins Feld geführt wird, nach solch einer Tragödie.

    Die Schuld nach diesem Geschehen auf die sogenannten "Killerspiele" zu schieben zeugt eigentlich für mich davon, dass sich weder die Politiker noch die meisten "Experten" sich ernsthaft mit diesem Problem auseinander gesetzt haben. Meiner Meinung nach liegt das Problem vielmehr im Elternhaus, wo scheinbar einiges in der Erziehung schief gelaufen ist bzw. wo Jugendliche sich selbst überlassen werden, weil es anstrengend ist, sich mit den Problemen und Anliegen der eigenen Kinder auseinander zusetzen. Und diese Versäumnisse soll dann die Schule bzw. die Gesellschaft ausgleichen. Ich denke zwar nicht, dass unser Schulsystem das Beste ist, aber es ist genauso wenig hilfreich immer alle peronellen "Fehlentwicklungen" auf die mangelnde Erziehung und Bildung durch unser Schulsystem zu schieben. Und ebenso wenig ist es sinnvoll die "Killerspiele" als Ursache anzuführen. Es gibt diesbezüglich die ein oder andere Studie dazu, die im Kern zu dem Ergebniss kommt, dass diese Spiele durchaus dazu geeignet sind, aufgebaute Frustrationen abzubauen und das "seelische" Gleichgewicht wiederherzustellen.

    Kurzum, wenn sowohl das Elternhaus, das persönliche Umfeld eines jeden Einzelnen und nicht zuletzt die Gesellschaft (insbesondere Politik und Wirtschaft) die nötige Verantwortung übernehmen würden die angemessen wäre, dann hätten wir wahrscheinlich viel weniger solche Geschehnisse.

    Gruß Einstein72.

  12. Kommentar: Ein Amoklauf und die üblichen Killerspiel-Reaktionen #10
    Freak-X
    Gast Standardavatar
    Wieder mal die übliche Panikmache - Politiker müssen sich damit wichtig machen, sonst wären sie keine Politiker...

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