Das Interview nach dem Rücktritt: Die Sun-Chefs auf dem heißen Stuhl

Diskutiere Das Interview nach dem Rücktritt: Die Sun-Chefs auf dem heißen Stuhl im IT-News Forum im Bereich News; Der Chef und Mitbegründer der US-Computerfirma Sun Microsystems, Scott McNealy, hat sein Amt an den geschäftsführenden Vorstand Jonathan Schwartz abgegeben. Er wird sich aber auch ...


+ Antworten + Neues Thema erstellen

(Um antworten zu können, bitte registrieren oder einloggen)

Ergebnis 1 bis 1 von 1
  1. Das Interview nach dem Rücktritt: Die Sun-Chefs auf dem heißen Stuhl #1
    Moderator Avatar von Eric-Cartman
    Der Chef und Mitbegründer der US-Computerfirma Sun Microsystems, Scott McNealy, hat sein Amt an den geschäftsführenden Vorstand Jonathan Schwartz abgegeben. Er wird sich aber auch künftig in das Geschäft einmischen. So kündigen es die beiden führenden Köpfe von Sun zumindest im Interview mit ZDNet an.

    Von Stephen Shankland, 3. Mai 2006

    Scott McNealy, 22 Jahre lang charismatischer CEO von Sun Microsystems, hat sein Amt niedergelegt und ist zum Chairman mutiert. Er hätte abwarten können, bis das Server- und Software-Unternehmen mehr Anzeichen für eine Erholung zeigt. Aber McNealy glaubte, dass die Zeit für einen Wechsel gekommen war. So stimmte der Aufsichtsrat von Sun vor wenigen Tagen dem Rücktritt zu. Den Posten des Chief Executive wird nun von Jonathan Schwartz betreut.

    Seit Jahren haben Investoren Druck auf McNealy ausgeübt, die Finanzen von Sun in Ordnung zu bringen und die Aktienkurse zu steigern - insbesondere nach dem Internet-Crash 2001. Der Mitbegründer von Sun meint, dass diese Aufgabe nun größtenteils erledigt sei. Schwartz könne nun die Früchte ernten.

    Sein Nachfolger hat sich bei Sun stetig emporgearbeitet, seit sein eigenes Unternehmen, Lighthouse Design, 1996 von Sun aufgekauft wurde. Im Jahr 2000 wurde er zum Vice President of Corporate Strategy ernannt, 2002 stieg er zum Executive Vice President of Software auf. Der größte Schritt erfolgte 2004, als er President and Chief Operating Officer wurde.

    Ein paar Stunden nach der Bekanntgabe von Schwartz' Beförderung erörterten die beiden Sun-Oberen die Veränderungen in der Unternehmensleitung mit CNET/ZDNet.

    ZDNet: Herr McNealy, wenn die Dinge derart in der Schwebe sind, hätten Sie doch noch das ein oder andere Quartal abwarten und mit Ruhm und Ehren abtreten können. Warum also gerade jetzt?

    McNealy: Weil es das einzig richtige Vorgehen ist, dem neuen Amtsträger den Triumph und den Ruhm zu überlassen. Was ich geleistet habe, wird sich in vier Jahren erweisen. Dann sitze ich als größter Anteileigner auf einem Haufen Aktien und leite den Aufsichtsrat. Dann werde ich auch darauf hinweisen, was für gute Arbeit ich geleistet habe, als ich Jonathan eigenhändig auswählte, ihn unterstützte und ihn durch eine der ausgedehntesten Wachstumsphasen der Unternehmensgeschichte hindurch beriet. Und als oberster Heilsverkünder werde ich ohnehin die meisten Lorbeeren für die großen Absatzsteigerungen einheimsen.

    Jonathan hat hart daran gearbeitet, das Unternehmen zu stabilisieren und in Ordnung zu bringen. Ich brauche nicht noch mehr Ruhm. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich in den ersten 24 Jahren hier bei Sun geleistet habe. Mit den nächsten 24 Jahren werde ich meiner Ansicht nach sogar noch zufriedener sein.

    ZDNet: Sie haben einmal gesagt, abwarten zu wollen bis die "Galaxy" x86-Server und die "Niagara" Ultrasparc-T1-basierten Server herausgekommen sind. Zudem sollte der Quellcode von Solaris veröffentlicht sein. Gibt es noch weitere Ziele, die Sie gerne vor Ihrem Rücktritt als CEO verwirklicht gesehen hätten?

    McNealy: Als Jonathan und ich uns zusammengesetzt haben, sagte ich, dass ich diese Dinge abschließen möchte. Wir wollten eine Strategie für die Open-Source-Datenbank erarbeiten. Wir haben die Storagetek- und Seebeyond-Angelegenheiten durchgearbeitet. Das ein oder andere wurde reorganisiert. Neu waren dabei lediglich die FAS 123R (internationale Rechnungslegungsnormen), die Bilanzierung des Kaufwertes, die Goodwill-Abschreibung und all das. Das brachte die Zahlen etwas durcheinander.

    Alles, was nun noch fehlt sind ein paar kleine Anpassungen bei den Strategien, eine gute Umsetzung und ein wenig Kreativität - die Jonathan meiner Ansicht nach mitbringt -, um die Entwickler zur Mitwirkung zu bewegen. Die von uns aufgebauten großen Communities sind bereit, in ein Teilnahmemodell auf Basis laufender Einnahmen überführt zu werden.

    ZDNet: Also nur kleinere Anpassungen bei der Strategie. Wird man die Ära Schwartz also mit "das selbe Lied, zweite Strophe" umschreiben können?

    Schwartz: Meine Sicht der vor uns liegenden Absatzmöglichkeiten ist recht einfach. Sie lautet: Das Netzwerk ist der Computer. Das traf die letzten 20 Jahre über zu; in den nächsten 20 Jahren wird es sich als noch zutreffender erweisen. Ich mache mir keine Sorgen um die Nachrage. Ich sorge mich nur darum, dass Sun dieser Nachfrage gerecht wird. Dies wird auf recht unkonventionelle Weise geschehen - ob nun mit kostenfreien Software-Downloads oder Gratis-Tests für Server aus dem Web.

    Wir sind in einer einzigartigen Branche tätig, in der die Nachfrage nach Network Computing nicht geringer werden wird, solange wir noch diesen Planeten bevölkern. Keiner von uns wird im nächsten Jahr weniger Netzwerkinnovationen oder Netzwerkdienste einkaufen. Wir werden mehr brauchen. Nicht einmal die Ölbranche kann auf ein solches Nachfrageprofil bauen, weil sie sich Sorgen wegen Brennstoffzellen, Äthanol und einer Reihe anderer Alternativen machen muss. Ich mache mir keine Sorgen, dass es ein alternatives Internet geben könnte, bei dem wir außen vor bleiben.

    Also dieselbe Strategie, Teil zwei? Natürlich weist die Strategie heute im Vergleich zu vor zehn Jahren denselben Tenor auf - das Netzwerk ist der Computer -, aber die Vorgehensweise ist ganz anders.

    ZDNet: Herr McNealy, Sie wirken nicht wie jemand, der sich mit Jasagern umgibt - vielleicht eher als jemand, der im Gespräch von seinen Managern gefordert werden will. Können Sie mir Beispiele von Fällen nennen, wo Sie bezüglich der Strategie oder Taktik anderer Meinung waren?

    Schwartz: Ich glaube, ich wollte einen Umweltaktivisten zu einer unserer Produktvorstellungen einladen, da hat Scott ein Machtwort gesprochen. Ansonsten kann ich mich an keinen Fall erinnern...

    McNealy: Du hast allerdings gewonnen.

    Schwartz: Das eine Mal war ich der Sieger.

    ZDNet: Sie hatten also keine nennenswerten Konflikte, an die Sie sich erinnern können? Ich dachte, es gäbe dieses Moment der ständigen gegenseitigen Herausforderung.

    McNealy: Zuvor hatte ich mit anderen Personen aus der Geschäftsleitung ernorme Differenzen und viel Streit, was ein sehr gestörtes Klima verursachte. Mit Jonathan ist es seltsamerweise so, dass ich ihm ein einziges Stichwort schreibe und das Ergebnis dasselbe ist, als schriebe ich jemand anderem fünf Absätze. Wir sind natürlich nicht wie Zwillinge, aber es ist schon sehr angenehm. Jonathan ist einer der wenigen, mit denen ich ein emotionsfreies Streitgespräch zu einem Thema führen kann. Es gibt da kein Ego-Problem, von wegen: "Ich weiß es besser als du."

    Schwartz: Es gab immer ziemlich aggressive Debatten zwischen mir, Scott und Greg (Papadopoulos, der frühere Chief Technology Officer und jetzige Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Sun). Wir setzen uns immer mit allen Seiten und Facetten eines Themas auseinander.

    McNealy: Und er ist mal auf dieser, mal auf jener Seite. Er überlegt es sich anders, dann stimme ich ihm zu und er übernimmt wieder die (andere Meinung). Wir versuchen einfach, die Probleme auszuräumen. Wir alle denken häufig laut, das ist aber kein echter Streit.

    Schwartz: Es gab Erwerbungen, bei denen ich Scott angerufen habe und sagte: "Wir müssen das jetzt tun", worauf er mich als *****en bezeichnete. Dann rief er mich wieder an und sagte "Wir müssen das jetzt tun", worauf ich ihn einen *****en nannte. Es ist ein aktiver Dialog, aber er ist Teil des Entscheidungsfindungsprozesses bei Sun. Sun ist keine dieser Firmen, wo man zur Arbeit kommt, sich vom Chef sagen lässt, was man tun soll und das dann einfach ausführt. Sun ist auf Diskussionen, Transparenz und Dialog aufgebaut. Dass unsere E-Mail-Adressen jedem offen stehen - nicht nur bei Sun, sondern allen im Markt -, zeigt, dass wir diese Anregungen wollen.

    McNealy: Am besten befragen Sie die Leute über die letzten vier Jahre und darüber, wie gut das Team zusammengearbeitet hat. Wissen Sie, wir haben unsere Führungskonferenzen damit zugebracht, an Teamwork, Konfliktlösung und so weiter zu arbeiten. Das Thema muss ich nicht einmal mehr erwähnen.

    ZDNet: Als damals Ed Zander als COO und President zurücktrat, dauerte es bei Sun etwa zwei Jahre, bevor es einen neuen COO gab, nämlich Jonathan. Jetzt ist Jonathan CEO - ist das nicht zu viel für einen allein? Denken Sie, dass Sie irgendwann einen COO haben werden, der Ihnen zur Hand geht?

    Schwartz: Die Position heißt President und CEO und es gibt keinen COO. Mein Team ist im operativen Bereich sehr diszipliniert und das gilt für alle bei Sun, weshalb ich nicht die Absicht habe, einen COO zu berufen.

    ZDNet:: Und wie steht es mit der Position des Executive Vice President of Software?

    Schwartz: Zurzeit bin ich der amtierende EVP of Software. Das ist auf lange Sicht natürlich nicht tragbar, obwohl ich feststelle, dass ich mit meinem Boss in dieser Position sehr gut zurechtkomme. (Lachen.) Wir können weit reichende organisatorische Veränderungen vornehmen, bei denen der amtierende EVP of Software voll auf unserer Linie liegt und uns unterstützt. Wir sind auch weiterhin im Gespräch mit Leuten aus der Branche und es wurde schon viel Interesse signalisiert, allerdings haben wir auch intern viele gute Kandidaten.

    Wir sind eine Fabrik für Führungskräfte. Wir schaffen hier Menschen, die größere und bessere Dinge erreichen können. Wir bauen nicht nur Forschung und Entwicklung aus, wir schaffen auch die Voraussetzungen und die Führungsstärke, um mit den Ergebnissen dieser Forschungs- und Entwicklungsarbeit die Welt zu bewegen.

    ZDNet:: Werden Sie diese Führungskräfte im Haus behalten und nicht an Motorola, Autodesk oder andere verlieren?

    Schwartz: Ich denke, das liegt in unserem ureigenen Interesse.

    McNealy: Sie kommen in Scharen zu uns zurück - Andy Bechtolsheim und Mike Lehman und Peter Ulander und Karen Tegan. Dieser Tage scheint es, als ob jede fünfte E-Mail von einem Rückkehrwilligen stammt.

    Schwartz: Wir sind weltweit eines der wenigen Unternehmen, die ein mehrere Milliarden Dollar in grundlegende Forschungs- und Entwicklungsprojekte stecken. Ingenieure oder Technologieexperten möchten natürlich an einem Ort arbeiten, wo man Technologie und Ingenieurwesen schätzt. Unser Unternehmen ist einer der Orte, an denen dies so ist.

    ZDNet:: Da dies nun das Ende einer Ära ist: Herr McNealy, was glauben Sie, war Ihre größte Einzelleistung in dieser Zeit?

    McNealy: Ich würde sagen, dass die Öffnung der Schnittstellen und das Voranbringen des Community-Prozesses meine größte Leistung darstellen.

    Sun war das Red Hat für Berkeley Unix. Wir haben TCP/IP genommen und damit LAN Manager und Token Ring und IPX von Novell geschlagen. Wir haben das NFS (Network File System) öffentlich zugänglich gemacht. Der gesamte Java-Community-Prozess selbst ist wahrscheinlich eine der größten Innovationen überhaupt, was die gemeinschaftliche Entwicklung von Anwendungen betrifft. CDDL (the Community Development and Distribution License), Openoffice.org, Opensolaris.org - all dies sind Bestandteile des gemeinsamen Entwicklungsprozesses.

    Wir sind das Computerunternehmen, das dem Rest der Technologiewelt gezeigt hat, wie man gemeinsam entwickelt. Und wir fordern alle diejenigen heraus, die dies nicht tun. Wie Jonathan schon sagte, geht es dabei genauso um einen sozialen Wandel wie es um einen wirtschaftlichen und technischen Wandel geht. Das gesamte Internet und die Vernetzung hängen von der gemeinsamen Nutzung von Protokollen sowie von deren Interoperabilität ab.

    Es mag vielleicht ein wenig übertrieben sein zu behaupten, dass wir die gemeinschaftliche Entwicklung und eine offene Schnittstelle erfunden hätten. Aber wenn man ins Jahr 1982 zurückblickt, wird man feststellen, dass der erste je von uns ausgelieferte Computer bereits mit TCP/IP ausgestattet war. Als wir Sun gründeten, wollte man uns an der Wall Street nicht finanzieren, weil wir technisch nicht an andere gebunden waren. Heute kann man eine Finanzierung erhalten, wenn andere an einen selbst gebunden sind. Das war eine große Veränderung.

    ZDNet: Was Sie zu sagen haben, klingt gut. Jeder findet Ihre Vision überzeugend, aber sie hat sich nicht immer als profitabel erwiesen. Insbesondere nicht in den letzten paar Jahren. Was hat sich geändert, dass Ihre Ideen sich nun durchsetzen und Ihnen Geld einbringen können?

    McNealy: Zunächst einmal ist es mit uns noch lange nicht vorbei. Wir haben 4,4 Milliarden Dollar Bargeldreserven. Wir planen langfristig. Seit 17 Jahren sind wir jetzt liquide. Lassen Sie sich nicht von den GAAP-Zahlen täuschen: Wir haben bei einem Verlust von sechs Cent im letzten Quartal ein operatives Einkommen von 190 Millionen Dollar erzielt - überlegen Sie einmal selbst. Was meinen Sie wie wir das jedes Quartal schaffen?

    Wir sind in den schlimmsten Zeiten im Verborgenen erfolgreich, und in den besten Zeiten öffentlich extrem erfolgreich. Ich denke, dass die nächsten fünf Jahre sehr viel besser sein werden als die vergangenen fünf, aber dafür muss Jonathan jetzt sorgen.

    Schwartz: Bedenken Sie unsere Ausgangsposition: Etwa 17 Milliarden Dollar in Marktkapital, ein 13-Milliarden-Dollar-Unternehmen (laufender Jahresertrag) mit einem der größten F&E-Budgets weltweit in einem Markt, der nicht schrumpfen wird solange Menschen den Planeten bevölkern. Es gibt auf der Welt keine Branche, die nach vorne schauen und dabei auf so viel unerschlossene Nachfrage blicken kann wie wir.

    Wir werden dafür sorgen, dass wir möglichst viel von dieser Nachfrage decken können. Wir sind in zwölf Monaten von null auf fünf Millionen Solaris-Lizenzen gekommen - stellen Sie sich vor, wie die nächsten drei Jahre aussehen werden. Die Gewinnspannen sind gut, der Ertrag wächst. Wir müssen uns auf Wachstum einstellen. Nächstes Jahr werden wir verstärkt auf unsere Kosten achten und weitere laufende Einnahmequellen erschließen, die definitiv ein gesteigertes Interesse wecken werden.

    Quelle: CNET Networks Deutschland GmbH/ZDNet.de und CNET.de

  2. Hi,

    schau dir mal diesen Ratgeber an. Dort findet man viele Hilfestellungen.
    Registrieren bzw. einloggen, um diese und auch andere Anzeigen zu deaktivieren

Ähnliche Themen zu Das Interview nach dem Rücktritt: Die Sun-Chefs auf dem heißen Stuhl


  1. THQ Entertainment - Stellungnahme nach Wirbel um Interview: Hallo Danny Bilson, stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Publisher THQ, hat nach einem Interview seines Creative Directors eine offizielle...



  2. Infinity Ward - Gefeuerte Chefs verklagen Activision: Hallo Die Ex-Infinity Ward-Bosse Vince Zampella und Jason West rufen Anwälte zu Hilfe, um Activision zur Zahlung ausstehender Tantiemen zu...



  3. Kolumne: Kommentar zum Beckstein-Rücktritt: http://images.gamestar.de/images/idgwpgsgp/bdb/58326/152x.jpg Rückschlag für »Killerspiele«-Gegner Auch wenn der Rücktritt des bayerischen...



  4. Google-Chefs bekommen 1 Dollar Jahresgehalt: http://www.winboard.org/forum/imagehosting/2335545b8ba4b46d7d.gif Die beiden Google-Gründer Sergej Brin und Larry Page begnügen sich auch in...



  5. Stuhl von Ikea!: Hi :D