Windows 10 und DirectX 12: Spieleentwickler haben weniger Vorteile als gedacht

11.12.2017 12:43 Uhr | maniacu22

Obwohl laut einer Steam-Umfrage immer mehr Nutzer auf Windows-10 und somit auch auf die neuen APIs wie DirectX-12 oder Vulkan setzen können, scheinen die Grafikschnittstellen von immer weniger Spieleentwickler genutzt zu werden. Während im Jahr 2016 noch 11 Spiele auf Basis von DirectX12 sowie zwei Spiele mit der Vulkan-Engine veröffentlicht worden sind, scheint die aktuelle Entwicklung zu stagnieren, ja sogar rückläufig zu sein. Im Vergleich zu Vorjahr haben es lediglich fünf DirectX-12- sowie ein einziger Vulkan-Titel in den Verkauf geschafft, was einer Halbierung der unterstützten Schnittstellen entspricht. Als Grund für das Meiden der neueren Schnittstellen kann grob zusammenfassend der dahinter stehende programmiertechnische Aufwand genannt werden, welcher nicht in ein gesundes Verhältnis mit mit der damit verbundenen Leistungssteigerung gesetzt werden kann

Neben den neuen Spielekonsolen wie der Xbox One X oder auch der PS4 Pro unterstützen auch neuere Grafikkarten-Generationen vom Schlag einer Nvidia GeForce GTX 1080 Ti oder auch AMD Radeon Vega die unter Windows 10 mögliche DirectX-12- oder auch Vulkan-API. Trotzdem sind im Jahr 2017 weitaus weniger Spiele veröffentlicht worden, als dies noch im vergangenen Jahr der Fall gewesen ist. Die in diesem Jahr mit Unterstützung der DirectX-12-API erschienenen Spiele lassen sich an einer Hand abzählen. Mit „Forza Motorsport“, „Star Wars: Battlefront 2“, „Sniper Elite 4“, „Halo Wars 2“ sowie „Total War: Warhammer 2“ stehen insgesamt fünf Spiele zur Verfügung, welche offiziell die DirectX-12-Schnittstelle unter Windows 10 unterstützen. Mit „Wolfenstein 2: „The New Colossus“ existiert sogar nur ein einziges Spiel, welches die von AMD-Hardware gern gesehene Vulkan-API unterstützt. Zum direkten Vergleich: Im Vorjahr 2016 gab es insgesamt 11 DirectX-12-Spiele sowie zwei Spiele mit Vulkan-Support. Damit wird ersichtlich, dass sich die Anzahl der Spiele mit DirectX-12- sowie Vulkan-API nicht erhöht, sondern sogar halbiert hat. Der Frage, warum diese Entwicklung so katastrophal rückläufig ist, haben sich die Kollegen von DSOgaming angenommen und versucht zu beantworten.

Während neue Spiele von den Entwicklern entsprechend an die Leistung der Konsolen PS4 Pro oder auch Xbox One X angepasst worden sind, sieht das Bild bei den PC-Umsetzungen meist so aus, dass sich PC-Nutzer entsprechende Benchmark-Tests auf den einschlägigen Webseiten zu Gemüte führen. Seit einigen Jahren ist die neue DirectX-12- sowie auch Vulkan-API im Einsatz, die theoretisch für den Multi-Core-CPU-Support prädestiniert sind. Allerdings haben entsprechende Benchmark-Ergebnisse immer wieder aufzeigen können, dass nur die wenigsten Spieletitel von den DirectX-12-Features haben profitieren können. Obwohl die neue DirectX-12-API deutlich besser performen sollte, zeigten die einschlägigen Spiele-Tests, dass es doch die ältere DirectX-12-Schnittstelle gewesen ist, die DX12 den Rang abgelaufen hat.

DirectX 12 ist durchaus in der Lage, die Leistung auf entsprechenden PCs zu verbessern, allerdings auch nur, wenn diese richtig eingesetzt wird. DirectX12 sowie auch Vulkan gibt den Entwicklern deutlich größere Freiheiten als jemals zuvor, doch müssen die Entwickler für die Erstellung und Optimierung von Inhalten auch zusätzliche Ressourcen in die Hände nehmen, was wiederum einen erhöhten Entwicklungsaufwand bedeutet, den die meisten Entwickler sowie Publisher nicht bereit sind, zu investieren. Während zum Beispiel Grafikkartenhersteller wie Nvidia oder auch AMD unter DirectX11 noch selbst in ihren Treibern für entsprechende SLI- oder CrossFire-Profile sorgen mussten, ist diese Multi-GPU-Unterstützung bereits in DirectX12 implementiert, so dass die Spieleentwickler hier selbst Hand anlegen müssten, damit ein Support gewährleistet bleibt.

Unterm Strich lässt sich zusammenfassend erkennen, dass DirectX12 sowie auch Vulkan mit ihren Features wie Async Compute, Multi-Tasking-CPU, reduzierten CPU-Overhead sowie auch der Verarbeitung von mehr Draw Calls durchaus viel Potential bieten, die Leistungssteigerung im Vergleich zu DirectX11 aber meist viel zu gering ausfällt – insofern DX12 oder Vulkan richtig eingesetzt werden – und der dahinter stehende Programmieraufwand deutlich zu hoch ist. Für DirectX12- sieht es aktuell nicht so gut aus, wie man hätte annehmen sollen. Zum aktuellen Zeitpunkt werden sogar Stimmen laut, welche der auch im Zusammenhang mit Windows 10 so gehypten Grafikschnittstelle DirectX12 einen der größten Fehlschläge der DirectX-Geschichte nachsagen.

Meinung des Autors

Während bei früheren DirectX-Upgrades immer neue Features zu bestaunen gewesen sind, ist das bei DirectX12 irgendwie nicht mehr der Fall. Persönlich kann ich zwischen DX11 und DX12 keine nennenswerten Unterschiede feststellen, außer dass die Performance unter DX12 meist schlechter ist als unter der älteren API. Da ich von Spieleentwicklung relativ wenig verstehe, kann ich die Entwickler allerdings auch nicht verurteilen, die sich gegen DX12 aussprechen. Schade finde ich es natürlich trotzdem, da es nun hier anscheinend zum Stillstand kommt, nachdem der jahrelange Stillstand in der Hardware-Sparte endlich überwunden scheint.

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