Webdesignexperte fällt vernichtendes Urteil über Windows 8

20.11.2012 07:39 Uhr | Geronimo

Jakob Nielsen ist ein promovierter Informatiker und Experte für Software- und Webdesign-Gebrauchstauglichkeit, der bei Bellcore, IBM und als „Senior Researcher“ bei Sun Microsystems arbeitete. Jetzt hat er sich auf seiner eigenen Homepage useit.com das neue Betriebssystem Windows 8 von Microsoft näher angesehen und kommt zu einem vernichtenden Urteil

In seiner Zusammenfassung am Anfang beschreibt Jakob Nielsen Windows 8 in zwei einfachen Worten: „Too bad“. In der Langfassung liest sich das – etwas detaillierter – folgendermaßen: „Versteckte Funktionen, reduzierte Auffindbarkeit, kognitive Überbelastung durch zweifache Umgebung und eingeschränkte Leistung gegenüber einem Einzelfenster-UI und niedrige Informationsdichte“. Um zu diesem Urteil zu kommen, ließ er 12 erfahrene PC-Nutzer Windows 8 sowohl auf einem normalen Computer als auch mit dem neuen Tablet Surface RT ausgiebig testen.

Anschließend verglich er den Tablet-orientierten Startbildschirm und die PC-orientierte Desktop-Ansicht von Windows 8 mit dem römischen Gott Janus, Dr. Jekyll und Mr. Hyde oder dem Bösewicht Two Face aus den Batman-Comics, die alle eine gute und eine schlechte Seite haben. Dies und die Tatsache, dass Windows 8 keine echtes Mehrfenster-System mehr sei, würde die Bedienbarkeit verschlechtern, denn die Nutzer müssten sich zu oft merken, welche Funktionen sie gerade nutzen und wo sich diese befinden. Durch die komplette Nutzung des Systems auf einem einzigen Fenster müsste Windows eigentlich in Window umbenannt werden.

Darüber hinaus vermisst Nielsen eine dreidimensionale Gestaltung und kritisiert die Vermischung graphischer und textlicher Elemente. Die völlig flachen Designelemente und die nicht nachvollziehbare Kombination von Symbolen und Wörtern als Schaltflächen in den Kacheln der neuen Bedieneroberfläche würde den Nutzer nicht erkennen lassen, wo er denn jetzt klicken müsse. Dazu würden die Kacheln Designer dazu verleiten, Anwendungen mit einem sehr niedrigen Informationsgehalt zu entwerfen, denn der Platz darin sei im Vergleich zu einer echten Browseransicht einfach zu beschränkt. Besonders kritisch sieht der Webdesignexperte zudem die Gestensteuerung des Tablets, die nur schwer erlernbar seien und zudem eine große Fehlerquelle darstellten.

In seinem Fazit bezeichnet Nielsen die Desktop-Version als Mr. Hyde, „ein Monster, das arme Büromitarbeiter terrorisiert und ihre Produktivität abschnürt“. Der Tablet-Variante von Window bescheinigt er durchaus gute Ansätze, die allerdings erst durch ein moderates Redesign verbessert werden müssten. Zusammengefasst sei Windows 8 „schwach auf Tablets, schrecklich für PCs“. Er selber werde daher weiter Windows 7 nutzen und auf Windows 9 warten, denn ein großer Vorteil von Microsoft sei, „dass sie aus der Vergangenheit wissen wie man Fehler korrigiert“.


Quelle und Bildquelle: useit.com
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