Sky Q Receiver: Sprachsteuerung - neue Sprachfernbedienung im ersten Test

17.10.2018 10:16 Uhr | Geronimo

Angeblich ist die Steuerung von Geräten per Sprachbefehl das aktuell größte Ding in der IT-Branche. Für seine Verhältnisse ist Sky erstaunlich schnell auf den fahrenden Zug aufgesprungen und bietet jetzt eine entsprechende Fernbedienung an. Diese haben wir bereits unter die Lupe genommen, wobei wir nachfolgend über Licht und Schatten berichten können

In unserem Ratgeber zur Ersteinrichtung haben wir darauf hingewiesen, dass die Nutzung der Spracheingabe nur bei bestehender Verbindung mit dem Internet möglich ist. Damit ist klar, dass die Spracherkennung und die Umsetzung der Befehle nicht innerhalb des Receivers, sondern auf einem externen Server erfolgt. Seitens Sky gibt es bei der Inbetriebnahme aber keine Informationen dazu, welcher Dienstleister dahinter steht, welche Daten an wen übermittelt werden, wie die Informationen genutzt und verarbeitet werden, und ob und wie man dem ganzen widersprechen kann. Im Bereich Datenschutz gibt es also zumindest ein Informationsdefizit, das schnellstens beseitigt werden sollte.

Die eigentliche Nutzung der Sprachfernbedienung ist ziemlich einfach und klappt auf den ersten Blick auch (sehr) gut. Sprachbefehle lassen sich während des Haltens der Mikrofontaste eingeben, wobei die Erkennung bereits jetzt erstaunlich gut funktioniert. Und das nicht nur bei deutschen Begriffen, sondern auch bei der Eingabe von Namen oder Titeln. Und das unabhängig davon, ob deutsche oder fremdsprachige Wörter oder Namen verwendet werden. Die genutzte Software zur Spracherkennung scheint dabei auch mit Nuscheln, verstopfter Nase, leichtem Dialekt und sogar lauten Nebengeräuschen zurecht zu kommen. Als mögliche Befehle hat Sky Eingaben wie „Zeige mir alle Filme mit Elyas M‘Barek“, „Finde The Walking Dead“, „Schalte zu Sky Atlantic HD“, „Springe zu Minute 30“, „Bundesliga“, oder „Öffne die ARD Mediathek“ genannt. Bei korrekter Erkennung erfolgt dann auch eine prompte und zuverlässige Umsetzung, wobei bei der Suche nach Schauspielern, Filmen oder Serien sowohl Hinweise zu anstehenden Ausstrahlungen, als auch Angebote von Sky On Demand angezeigt werden. Erfreulich ist dabei die Reaktion auf das Wort „Einstellungen“, durch die man sich rund 15 Tastendrücke erspart, um zum entsprechenden Menü zu gelangen. Positiv ist auch, dass offenbar die Reichweite der Fernbedienung erhöht wurde, was auch eine Erklärung für die fast 20 Gramm zusätzliches Gewicht gegenüber dem bisherigen Modell sein könnte.

Doch leider gibt es auch diverse Schattenseiten. Viele davon betreffen den Programmwechsel, der nur mit den korrekten Begriffen durchgeführt werden kann. Das fängt bereits damit an, dass der Zusatz „HD“ bei jedem Befehl mitgesprochen werden muss, da ansonsten auf die SD-Version eines Kanals umgeschaltet wird – eine Voreinstellung auf HD wird nicht angeboten. Zudem muss der vollständige Sendername eingesprochen werden. Wer beispielsweise nur „Cinema HD“ angibt, bekommt lediglich einige (durchaus krude) Suchergebnisse angezeigt. Umgeschaltet wird erst mit „Sky Cinema HD“. Beim Sprachbefehl „Bundesliga 1 HD“ wird zu „One HD“ geschaltet, bei „Bundesliga 2 HD“ öffnet „ZDF HD“. Die korrekte Umsetzung erfolgt erst beim sperrigen „Sky Sport Bundesliga 1 HD“. Einen Bug gibt es zudem bei „Eurosport“: während der Befehl „Eurosport 2 HD“ korrekt erkannt und ausgeführt wird, landet man bei Eingabe von „Eurosport 1 HD“ beim nur für eine Sportsbar freigeschalteten Kanal „DAZN 1 Bar HD“.

Ein weiterer Schwachpunkt ist, dass zu den festgelegten Programmplätzen der Sky-Senderliste (aktuell Platz 100 bis 1618) geschaltet wird. Hier wäre es wünschenswert, dass stattdessen die selbst erstellte Favoritenliste (Plätze 1 bis 99) genutzt wird, da ansonsten anschließendes zappen über die Programmtasten + und – der Fernbedienung nicht mehr möglich ist. Auch bei anderen Eingaben gibt es derzeit noch Luft nach oben. So lassen sich zwar, wie erwähnt, die „Einstellungen“ per Sprachbefehl aufrufen. Doch gezielte Eingaben wie „Audio Einstellungen“, „Bild und Ton“, „Favoritenliste bearbeiten“ und ähnliche werden nicht umgesetzt. Dabei zeigt sich noch ein weiterer Kritikpunkt, denn die im schwarzen Balken am untereren Bildrand angezeigten Fehlermeldungen und Hinweistexte bleiben satte 20 Sekunden sichtbar, obwohl drei bis maximal zehn Sekunden völlig ausreichen würden. Immerhin können die Einblendungen über die Return-Taste ausgeblendet werden.

Fazit: Vom Ansatz her ist die Sprachsteuerung für den Sky Q Receiver sicher eine gute Idee – für diejenigen, die diese Eingabemethode grundsätzlich begrüßen. Bei der konkreten Umsetzung gibt es aktuell aber noch zahlreiche negative Aspekte, die die Nutzung derzeit eher verleiden. Da es sich jedoch um ein serverbasiertes System handelt, das zumindest theoretisch dazulernen sollte, könnte es sich aber lediglich um Anlaufschwierigkeiten handeln, die mit der Zeit abgestellt werden. Dabei dürfte die Umschaltung zu den Kanälen in der Favoritenliste ganz weit oben auf der Wunschliste stehen, damit es auch mit dem Zapping klappt.

Meinung des Autors

Alexa, Google Now, Siri - viele Anwender sind die Spracheingabe inzwischen gewohnt und schätzen diese. Da ist es durchaus erfreulich, dass diese jetzt auch beim Sky Q Receiver optional möglich ist. Weniger erfreulich ist, dass es bei der Umsetzung aktuell noch an diversen Stellen reichlich Verbesserungspotenzial gibt.

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