Samsung: erstes Kino mit LED-Leinwand in Europa vor Eröffnung - Technik und erste Eindrücke

21.03.2018 14:31 Uhr | Geronimo

Seit über 100 Jahren sind Kinos im Prinzip gleich aufgebaut: vorne ist eine Leinwand, auf die ein hinten platzierter Projektor sein Bild ausstrahlt. Jetzt kündigt sich nichts weniger als eine Revolution an, denn erstmals in Europa wird ein Kino eröffnet, bei dem die Wiedergabe über zusammengeschaltete LED-Bildschirme erfolgt. Und das sogar in 3D. Hier die Informationen zur neuen Technologie mitsamt ihren Vor- und Nachteilen

Technik:

In den „Arena Cinemas Sihlcity“ in Zürich wird ab morgen eine mögliche Zukunft der Kinotechnologie den regulären Dienst aufnehmen. Die Technologie stammt vom koreanischen Hersteller Samsung und nennt sich „Onyx Cinema LED“. Dort, wo sich früher eine klassische Leinwand befand, verrichten nun 96 jeweils 14 kg schwere und aufeinander abstimmte Bildelemente ihren Dienst, was einer Gesamtmasse von über 1,3 Tonnen entspricht. Die einzeln tauschbaren Panele bieten insgesamt 4.096 x 2.160 Pixel aus 24 Millionen LEDs, und ergeben zusammen eine Fläche von 10,3 x 5,4 Metern. Die Lichtstärke wird mit bis 146 fL (Foot Lambert) angegeben, was mehr als 10 mal soviel wie bei einem herkömmlichen Projektor und fast sieben mal soviel wie bei den lichtstärksten IMAX-Kinos ist. Eines von den letztgenannten steht im Technik-Museum Sinsheim, und konnte uns beim dortigen Besuch begeistern.

Vorteile:

Die hohe Lichtausbeute führt dazu, dass bei Kinofilmen nicht einmal die volle Leistung gefahren werden muss. Andererseits stehen aber auch Reserven zur Verfügung, wenn im Saal Veranstaltungen stattfinden sollten, bei denen keine vollständige Verdunkelung erwünscht ist. Die neue Technologie hat aber noch einige weitere Vorteile zu bieten. Genannt werden der geringere Stromverbrauch gegenüber modernen Laser-Projektoren, sowie eine Lebensdauer von 10.000 Stunden, was einem Dauerbetrieb von 11 Jahren entspricht. Auch beim eigentlichen betrachten soll es Unterschiede geben. Dadurch, dass der von hinten kommende Projektionsstrahl fehlt, gibt es auch weniger Rest- und Streulicht im Saal. Und bei Abblenden herrscht sogar völlige Dunkelheit, die lediglich von Dingen wie Treppenbeleuchtung und Notausgangs-Schildern „gestört“ wird. Die jetzt in der Schweiz verbaute Anlage unterstützt als erste ihrer Art 3D-Wiedergabe mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde (fps), wofür Shutter-Brillen zum Einsatz kommen. Die Farbtiefe entspricht dem DCI-Farbraum und auch HDR ist auf den Modulen möglich.

Nachteile:

Zu den Nachteilen zählt – zumindest theoretisch – der Ton. Bei normalen Leinwänden sind die Lautsprecher hinter der Ton-durchlässigen Leinwand verbaut, damit beispielsweise Dialoge direkt den jeweiligen Protagonisten zugeordnet werden können. Das ist bei der LED-Fläche natürlich nicht möglich, weshalb zu technischen Tricks gegriffen werden muss. Das erledigt die Samsung-Tochter Harman, die einen Algorithmus entwickelt hat, die den Ton der oberhalb der Bildschirme platzierten Lautsprecher „nach unten zieht“. Zudem muss bislang auf 3D-Sound via Dolby Atmos verzichtet werden, was aber noch kommen soll. Ein weiterer Nachteil wird sich erst noch zeigen müssen, denn so manchem Zuschauer könnte das digitale Bild fast schon zu scharf sein. Aufgrund der verwendeten Technik könnte mancher Cineast den Kino-typischen Look von Filmen vermissen, der auch von modernen Projektoren in Kinos und im Heimkino geboten wird. Und auch der Preis könnte eine Rolle spielen, denn die Anfangsinvestitionen liegen über denen der bisherigen Technik und machen sich erst erst im Lauf der Jahre durch geringere Betriebskosten (und die oben angedeuteten Zusatzeinnahmen, etwa durch Sport-Events) bezahlt. Bei sinkenden Preisen deutet sich aber bereits jetzt an, dass mittel- und langfristig ein Technologiewechsel ansteht und irgendwann alle Kinos mit Bildschirmen statt klassischer Leinwand betrieben werden.

Eindrücke:

In einer ersten Testvorführung am gestrigen Dienstag, bei der es unter anderem „Pacific Rim: Uprising“ zu sehen gab, konnten bereits erste Eindrücke gesammelt werden. Dabei wurden die knackigen Farben, die hohe Helligkeit auch bei 3D, der große In-Bild-Kontrast und die extreme Schärfe bis in die Ecken des Bildes (bei nicht optimal konfigurierten Kinosälen oftmals ein Problem) gelobt. Der reguläre Betrieb startet morgen, wobei kein Aufpreis gegenüber den sonstigen Eintrittspreisen fällig wird.

(Bildquelle: Samsung)

Meinung des Autors

Ein Kino hat eine Leinwand und einen Projektor. Zumindest bis jetzt, doch in Zukunft könnte sich das ändern. Wie das aussieht, lässt sich jetzt in einem ersten Kino in der Schweiz ansehen, denn dort wird das Bild künftig durch LED-Bildschirme erzeugt. Den vielen Vorteilen stehen offenbar nur relativ wenige Nachteile gegenüber, weshalb auf Dauer mit einer starken Verbreitung gerechnet werden kann beziehungsweise muss.

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