Samsung: erste 8K-Fernseher ab Oktober - kaufen oder lieber abwarten?

03.09.2018 12:57 Uhr | Geronimo

Auf der gestern beendeten IFA in Berlin haben diverse Hersteller, darunter LG und Sharp, ihre ersten mehr oder weniger serienreifen TV-Geräte mit 8K-Auflösung gezeigt. Die von Samsung präsentierten Fernseher wird man ab Mitte Oktober sogar kaufen können. Ob das eine gute Idee ist, versuchen wir nachfolgend zu klären

Die Fernsehnorm 8K bietet mit 7.680 x 4.320 Pixeln die vierfache Auflösung von 4K (auch als Ultra HD bekannt) und sogar das 16-fache des herkömmlichen Full HD. Das ermöglicht eine noch bessere Bilddarstellung mit noch feineren Details, was auch wesentlich größere Bilddiagonalen in bester Qualität möglich macht. Bereits ab Mitte kommenden Monats will Samsung die ersten jetzt vorgestellten Geräte an die Kunden ausliefern. Das kleinste Modell GQ65Q900 ist bereits 65 Zoll groß und soll 4.999 Euro kosten. Das ist einerseits ein heftiger Preis, doch andererseits wird das dadurch relativiert, dass die besten 4K-Modelle der Koreaner bereits mit rund 4.000 Euro zu Buche schlagen. Alternativ wird es noch einen 75-Zöller für 6.999 Euro und ein 85-Zoll-Modell für 14.999 Euro geben.

In ersten Berichten wird allen drei Versionen – dank eines Prozessors mit künstlicher Intelligenz sowie Updates für eine interne Bilddatenbank – eine extrem gute Bildqualität bescheinigt. Und zwar nicht nur, wenn natives 8K-Material zugespielt wird, sondern auch dann, wenn 4K (2160p) oder Full HD (1080p) auf die vorhandene Auflösung hochskaliert werden müssen. Und selbst bei Zuspielung von 720p, dass es beispielsweise bei den öffentlich-rechtlichen Sendern gibt, sollen mehr als nur akzeptable Bildwerte erreicht werden. Natürlich werden dabei die gängigsten Bildnormen inklusive erweitertem Farbraum und erhöhtem Kontrastumfang HDR unterstützt. Wer also bereits jetzt zuschlägt, darf sich über ein detailreiches und flimmerfreies Bild freuen, bei dem selbst aus kürzester Entfernung keine einzelnen Pixel oder störende Artefakte und/oder Farbverläufe mehr erkennbar sind.

Aber natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. Der erste Haken ist natürlich, dass es noch kein echtes 8K-Bildmaterial gibt. Selbst das aktuelle Ultra HD führt (in Deutschland) noch ein Schattendasein, denn abgesehen von einigen Inhalten bei Amazon Video, Netflix und YouTube, der immer noch sündhaft teuren Ultra HD Blu Ray, sowie einzelnen Testsendungen der Fernsehanstalten herrscht Flaute auf dem Gebiet. Bis es hierzulande also echtes 8K zu sehen gibt, werden noch einige Jahre vergehen. Und selbst gedrehte Videos in der 8K-Auflösung werden allenfalls Profis mit geeigneten Digitalkameras erstellen und abspielen können.

Der fast noch größere Haken liegt aber in der Ausstattung der Q900-Reihe. Diese verzichtet nämlich laut aktuellen Informationen auf einen echten HDMI 2.1 Eingang, weshalb 8K wohl nur bis maximal 30 Bilder pro Sekunde wiedergegeben werden kann. Zudem ist die Datenrate bei externer Zuspielung auf 18 Gigabit beschränkt, wohingegen der neuere, aber nicht vorhandene Anschluss satte 48 Gigabit liefern könnte. Beides dürfte sich in Zukunft als Flaschenhals erweisen, der kommende Möglichkeiten stark einschränkt. Allerdings setzt Samsung wieder einmal auf eine externe Box für die Anschlüsse, weshalb eine Aufrüstung auf die neue HDMI-Norm möglich scheint – natürlich gegen entsprechende Kosten.

Fazit: Rein rechnerisch beträgt der Aufpreis für die neuen 8K-Fernseher gegenüber den besten 4K-Modellen von Samsung mindestens 25 Prozent. Das ist natürlich knackig, doch dafür bekommt man einen sichtbaren Mehrwert beim Bild, der aber eigentlich erst bei den beiden größeren Modellen richtig zum tragen kommt. Im Gegenzug muss allerdings mit einer eingeschränkten Zukunftssicherheit gelebt werden. Wenn das egal ist und man es sich leisten kann und will, kann man bereits jetzt zuschlagen. Doch besser wäre es sicherlich, noch ein oder zwei Jahre abzuwarten, bis mindestens die 2. Generation auf dem Markt ist, bei der Einschränkungen und auch Kinderkrankheiten ausgemerzt sein dürften.

(Bildquelle: Samsung)

Meinung des Autors

Während sich langsam, aber sicher 4K als neue Norm bei Fernsehern etabliert, steht mit 8K bereits die nächste Ausbaustufe vor der Tür. Und das sogar mit ersten marktreifen Geräten. Die sogenannten Early Adopter dürfen sich dabei über eine bislang unerreichte Bildqualität freuen, doch die möglichen Nachteile sollten keinesfalls außer acht gelassen werden.

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