Krypto-Mining-Wahn lässt Händler Sixpacks von Grafikkarten zu Platin-Preisen verkaufen

08.02.2018 15:46 Uhr | maniacu22

Hat man innerhalb der letzten 6 Monate die Preisentwicklung bei Grafikkarten im Auge behalten, dürfte einem aufgefallen sein, dass diese mittlerweile in astronomischen Höhen angelangt sind und je nach Modell einen Preisaufschlag von mehr als 100 Prozent gegenüber der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers liegen. Das Problem hinter dieser Preissteigerung ist eigentlich gar nicht so komplex, da es im Grunde ein Problem zwischen Angebot und Nachfrage ist. In den USA hat dieses Phänomen schon solche Dimensionen angenommen, dass einzelne Grafikkarten so gut wie gar nicht mehr erhältlich sind, stattdessen die Verkäufer aber sogenannte Sixpacks zusammenschnüren, die zu Preisen verkauft werden, die schon fast mit Gold aufgewogen werden können

Während die Grafikkartenpreise weltweit in die Höhe geschossen sind und teilweise mit Preisaufschlägen von mehr als 100 Prozent überhalb des empfohlenen Verkaufspreises der Hersteller liegen, haben wir hier in Deutschland noch das „Glück“, dass nicht alle, aber zumindest einige der Modelle verfügbar sind. Aus verlässlicher Quelle über den Händler Caseking habe ich erfahren, dass die Situation in den USA noch viel schlimmer ist. Dort ist es mit der Verfügbarkeit noch viel schlimmer bestellt, so dass mittlerweile viele Amerikaner in Deutschland einkaufen, da hier trotz hoher Preise immerhin noch das ein oder andere Modell zu bekommen ist.

In den USA hat sich jetzt ein neues Geschäftsmodell etabliert, über welches mittlerweile viele Händler bei Amazon aber auch größere wie Newegg sogenannte Mining-Pakete zusammenschnüren, die jeweils sechs Grafikkarten des gleichen Typs enthalten. So gibt es beispielsweise bei Amazon einen Händler, der sechs Radeon RX 570 aus dem Hause XFX zu einem „Vorzugspreis“ von „nur“ 3.695 US-Dollar exklusive 10,49 US-Dollar Versand anbietet. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass eine einzige Karte aus diesem Paket einem Wert in Höhe von rund 616 US-Dollar entspricht. Wenn man jetzt die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers bei Markteinführung von 180 US-Dollar als Vergleich heranzieht, sieht man schnell, welche kranken Dimensionen dieses Geschäftsmodell angenommen hat.

Ein anderer Händler bietet mit einem Sixpack aus PNY GeForce GTX 1060 6 GB aus dem Hause Nvidia an, für welches 3.780 US-Dollar entrichtet werden müssten. Immerhin fallen für Prime-Kunden die Versandkosten weg. Bedenkt man aber, dass dieses Exemplar noch im April vergangenen Jahres für 218 US-Dollar zu haben gewesen ist, werden jetzt umgerechnet rund 630 US-Dollar fällig.

Folglich kann man sagen, dass dieses weltweite Problem vom Mining-Boom ausgeht, wodurch das Angebot niedriger als die Nachfrage ausfällt. Ob sich die Liefer- und Preissituation mit der für dieses Jahr zu erwarteten Ampere-Generation aus dem Hause Nvidia wieder bessern wird ist zwar wünschenswert, aber andererseits auch unrealistisch. Schließlich befindet sich die Krypto-Minning-Phase immer noch in einer Hochkonjunktur und wird auf absehbare Zeit nicht so einfach in sich zusammenbrechen.

via pcgamer

Meinung des Autors

Ihr wisst gar nicht, wie mich selbst die aktuelle Situation ankotzt. Vor Weihnachten eine Vega 64 gekauft, die allerdings einen Defekt hatte und via RMA zurückgeschickt werden musste. Wie man sich denken kann, gab es kein Austausch-Modell, da schlichtweg keine vorhanden sind. Gut dachte ich mir, nehm ich eine GTX 1080 Ti, die zwischen Weihnachten und Nehjahr noch bei 899 Euro gelegen hat, durch den Verzug der RMA aber erst diese Woche für mich zu kaufen gewesen wäre. Allerdings lag jetzt der Preis für exakt dieses Modell bei 1.099 Euro, wo ich mir dann doch sage, dass ich nicht kaufe und meine Fury X dann doch doch weiter galoppieren darf, auch wenn die 4 GB HBM-Speicher oftmals der limitierende Faktor bei WQHD-Auflösung darstellt. Momentan bin ich richtig sauer und ich denke nicht, dass mit Ampere oder dem Vega-Refresh eine Entspannung eintreten wird. Das einzige, was der Hardware-Welt behilflich sein kann, wäre ein kompletter Zusammenbruch der Krypto-Mining-Blase, wodurch das Angebot an GPUs in die Höhe schnellt. Das würde nicht heißen, dass ich mir in der Bucht eine gebrauchte GPU zulegen würde, da aber durch das Überangebot auch die Händler ihrerseits die Preise anpassen müssten, wäre alles gut. Wie kann es denn sein, dass ein MM eine Sonderaktion zu UVP-ähnlichen Preisen macht, während alle anderen Händler solche utopischen Preise verlangen? Das ist in meinen Augen die pure Gier und sowas muss boykottiert werden, wenn man denn nicht unbedingt eine neue Grafikkarte benötigt.

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