HP muss nach Unternehmenskauf Milliardenbetrag abschreiben

21.11.2012 08:02 Uhr | Geronimo

Vor knapp einem Jahr hat Hewlett-Packard (HP) das britische Software-Unternehmen Autonomy für rund 10 Milliarden Dollar übernommen, jetzt hat dieser Deal den PC-Hersteller nachträglich tief ins Minus gerissen. Grund dafür sollen Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen von Autonomy sein

Der Zukauf erfolgte noch unter der Leitung des ehemaligen HP-Chefs Léo Apotheker. Nachdem Autonomy-Chef Mike Lynch zur Jahresmitte aus dem Konzern ausgeschieden sei, wurden nach einem Tipp eines ranghohen Managers der britischen Software-Tochter „ernsthafte Unregelmäßigkeiten“ und „massive Ungenauigkeiten“ in der Bilanzierung von Autonomy entdeckt. Diese führten jetzt dazu, dass HP in seinem Schlussquartal 8,8 Milliarden Dollar abschreiben musste. Daraus resultiert ein Nettoverlust von 6,9 Milliarden Dollar. Ohne diese Abschreibung hätte HP mit 2,3 Milliarden Dollar Gewinn fast das Ergebnis des Vorjahresquartals erreicht, als 2,4 Milliarden Dollar erwirtschaftet wurden. Nach der Veröffentlichung der Zahlen brach der Aktienkurs des Unternehmens an der Börse um 13 Prozent ein.

HP geht inzwischen davon aus, dass die Führungskräfte von Autonomy die Bilanzen der Software-Firma bewusst geschönt hätten, um den Verkaufspreis in die Höhe zu treiben. Allein fünf Milliarden Dollar des Abschreibungsbetrags entfallen auf diese Unstimmigkeiten. Jetzt wurden Wirtschaftsprüfer der Gesellschaft PWC engagiert, um die Bilanzen von Autonomy noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. HP will dann gerichtlich gegen das ehemalige Management der Briten vorgehen, das – erwartungsgemäß – alle Vorwürfe zurückgewiesen hat.

Aber auch ohne die jetzt notwendige Abschreibung sind die veröffentlichten Zahlen von HP alles andere als rosig. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging der Umsatz um sieben Prozent auf 30 Milliarden US-Dollar zurück, im gesamten Geschäftsjahr ist ein Rückgang um fünf Prozent auf 120,4 Milliarden Dollar zu verzeichnen. Der operative Gewinn von HP sank um 23 Prozent auf 8 Milliarden Dollar. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte der Konzern damit 12,7 Milliarden Dollar Verlust, nachdem im Vorjahr noch ein Nettogewinn von 7,1 Milliarden Dollar erwirtschaftet worden war. Bereits seit längerem versucht die neue Chefin Meg Whitman das Ruder herumzureißen, dem von ihr angeordneten Umbau des Unternehmens sind bislang 11.500 Stellen zum Opfer gefallen, am Ende sollen sogar 29.000 Stellen abgebaut werden.


Mit Material von: heise.de; spiegel.de
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