Hat der PC die Arbeitswelt wirklich leichter gemacht?

01.03.2019 11:28 Uhr | Redaktion

Der Siegeszug des PCs in den Büros dieser Welt begann mit dem Versprechen, es uns leichter zu machen – doch ist vielleicht tatsächlich das Gegenteil der Fall?

In den 1970ern kam eine Computer-Baureihe auf den Markt, das Tektronix-4010-Terminal. Schaut man sich die alten Werbespots dazu an, auch noch mit damals unheimlich futuristischer Synthie-Musik unterlegt, überkommt einen vielleicht nicht nur Nostalgie. Denn diese Spots, so surreal sie aus heutiger Sicht wirken, waren ein Versprechen: Wir machen die Arbeitswelt leichter. Der Computer nimmt einem alles ab. Dass die heutige Arbeitswelt durch und durch computerisiert ist, ist bekannt. Gleichsam scheint jedoch das Stresslevel ebenfalls auf einem Allzeithoch zu stehen.

Für die Arbeitswelt ist der Computer ein durchaus zweischneidiges Schwert, das nicht nur Erleichterung brachte.

Wie passt das zusammen? Hat der PC uns wirklich viel Arbeit abgenommen oder hat er sie tatsächlich nur ausgetauscht und somit nominell erschwert?

Erleichtert: Routineaufgaben

Ein Großteil der damaligen Versprechen zielte auf tagtägliche Büroarbeit. Schreiben, korrigieren, Lesen, bearbeiten. Bricht man es auf diese Fähigkeiten herunter, hat sich das Versprechen absolut erfüllt. Denn es ist die ureigenste Eigenschaft jedes Computers, die genannten Aufgaben ungleich besser zu erfüllen, als es händisch möglich wäre. Wer daran zweifelt, kann sich in die Schreibmaschinen-Ära zurückversetzen.

  • Tippfehler? Komplett neu schreiben
  • Mehrfache Ausfertigung? Kohlepapier zwischenlegen
  • Briefköpfe erstellen? Druckerei konsultieren
  • Kontaktdaten finden? Rolodex durchforsten

Diese Liste ließe sich noch länger fortführen, das Ergebnis bliebe jedoch gleich.

Erschwert: Arbeitsvolumen

Das Problem daran ist jedoch, dass die Erfüllung des ersten Versprechens dazu führte, dass das Arbeitsvolumen anstieg. Früher musste eine Bürohilfskraft in der Lage sein, eine bestimmte Anzahl von Anschlägen pro Minuten zu schreiben. Man wusste, dass aufgrund der technischen Limitierungen nicht mehr möglich war. Heute ist jedoch der PC schneller als jeder Mensch. Das bedeutete einerseits, dass die Anforderungen stiegen. Andererseits, dass die schiere Menge der in einem Zeitraum X zu erledigenden Aufgaben mehr wurde.

Erleichtert: Buchhaltung

Der Begriff des Rechenknechts ist schon so alt, dass ihn jüngere Computernutzer-Generationen gar nicht mehr kennen. Aber er stimmt nach wie vor. Denn bevor Computer aufkamen, war Buchhaltung knochenharte Rechenarbeit. Damals musste man entweder sehr fit mit Zahlen sein oder Unsummen für eine mechanische Rechenmaschine ausgeben. Man musste sorgsam notieren, alles händisch abheften, musste jederzeit aufpassen, dass es nicht zu Zahlendrehern kam – und das nicht nur, weil man eben sonst alles neu schreiben musste. Heute indes gibt es ein Füllhorn von anpassbaren Buchhaltungssoftwares. Alle ungleich leichter zu bedienen, anpassbar und mitdenkend. Und bereits bevor solche Software entwickelt wurde, machte der PC Buchhaltung leichter – schon, weil bereits ab Windows 1.0 die Möglichkeit gegeben war, simple Kalkulationen durchzuführen. Daher gilt hier definitiv: Versprechen eingehalten.

Erschwert: Grundlagenfähigkeiten

Frage an den Leser: Könnten Sie spontan noch im Kopf ausrechnen, was 3,77 + 18,49, mal drei, geteilt durch zwölf sind und auf das Ergebnis 19% Mehrwertsteuer aufschlagen? Ehrliche werden zu dem Ergebnis kommen, dass sie schon einige Minuten dafür brauchen werden – und bei vielen dürfte es spätestens an den 19% scheitern. Ja, das ist eine definitive Folge des Computers. Denn dadurch, dass er uns so viele Routineaufgaben abnimmt, verliert man automatisch mit der Zeit die Fähigkeit, diese durchzuführen. Das mag in diesem Fall kein Beinbruch sein, aber an anderer Stelle schon. Längst klagen Firmen, dass Ingenieure ohne PC keine Grundlagenarbeit mehr durchführen könnten. Beklagen Lehrer, dass Rechtschreibfähigkeiten signifikant nachgelassen haben. Und das wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Es wird zwar nicht überall nachteilig sein, aber in vielerlei Hinsicht schon.

Erleichtert: Vorlagenerstellung

1979, ein Büro, kein Computer weit und breit. Das Kassenbuch ist vollgeschrieben, keine Vordrucke vorhanden. Was war die Lösung? Ein Azubi bekam Geld in die Hand gedrückt und wurde zum nächsten Schreibwarengeschäft geschickt. 2019, ein Büro, jeder Arbeitsplatz ein Computer. Das Kassenbuch ist vollgeschrieben, was schon Seltenheitswert hat, weil dafür Excel die naheliegendste Lösung wäre. Was ist die Lösung? Auf die richtige Seite gehen, sich eine Vorlage kostenlos herunterladen und in beliebiger Anzahl ausdrucken. Wenn es um solche Dinge geht, die in irgendeiner Form grafisch erstellt werden müssen, hat der PC sein Versprechen sogar doppelt und dreifach gehalten. Hier macht er einem das Leben wirklich leichter.

Erschwert: Usability

Warum existiert eine Seite wie Winboard überhaupt? Warum gibt es bei uns beispielsweise eine Ratgeberkategorie, die sich nur mit Win 10 befasst? Ganz einfach: Weil der Computer an einem Punkt die Welt signifikant erschwert hat. Dadurch, dass es so viele Möglichkeiten, so viele Funktionen gibt, ist es für die meisten Normalnutzer und selbst viele Profis sehr, schwer geworden, sie alle zu kennen. Es gibt Menschen, die seit Jahren mit Word arbeiten und dennoch nicht wüssten, wie man einen Text mit einer farbigen Box hinterlegt. Hinzu kommt, dass es so viele Softwarehersteller gibt und sie alle eine eigene Philosophie dessen verfolgen, was sie unter Benutzerfreundlichkeit verstehen. Das ist ein Grundproblem des PCs. Man kann nicht blind darauf vertrauen, alles aus einem Guss vorzufinden, sich davor zu setzen und alles instinktiv bedienen zu können.

Erleichtert: Fehlerkorrektur

1981 – Ein Architekt begibt sich von seinem Büro auf die einstündige Fahrt zur Baustelle. Als er dort eintrifft, fällt ihm auf, dass er seine Tasche mit Plänen unter dem Schreibtisch vergessen hat. Die sinnvollste Lösung, anrufen und einen der Angestellten mit seinem Auto nachholen. Man muss nicht auf Cloud Computing abheben, um zu verstehen, in welchem Ausmaß der Computer hier unser Leben erleichtert hat. Denn dadurch, dass Digital immer bedeutet, etwas unbürokratisch ändern und multiplizieren zu können, macht er die Korrektur all der kleinen menschlichen Fehler, die einem während der Arbeit passieren können, ungleich einfacher. Hier die Entfernen-Taste gedrückt, da eine Kopie erstellt, dort ein Dokument einfach in eine E-Mail gepackt. Natürlich, das kann auch Nachteile haben, aber die Vorteile überwiegen bei weitem.

Fazit

Hat der PC unsere Arbeitswelt erleichtert oder erschwert? Wenn überhaupt, dann kann die Antwort auf diese Frage nur lauten „sowohl als auch“. Der Computer hat in vielen Punkten unsere Welt deutlich einfacher und sorgloser gemacht. Aber er hat sich auch an vielen anderen Stellen schwerer, komplexer und oftmals auch zu schnell werden gelassen.

 

Bildquelle: Unsplash.com © Bench Accounting

 

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