Apple vs. Apfelkind - Das Imperium schlägt zurück

27.11.2012 10:25 Uhr | Geronimo

Am 30. April 2011 hat Christin Römer das Eltern-Kind-Café „Apfelkind“ in der Bonner Südstadt eröffnet und sich kurze Zeit später Namen und Logo rechtlich schützen lassen. Gegen die Markenrechte hat das Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmen Apple Widerspruch eingelegt, da es bei den Logos eine Verwechslungsgefahr befürchtet. Der Streit scheint jetzt zu eskalieren

Christin Römer, die 34-jährige Gründerin des Cafés, hat ein Logo entwickelt, das über dem „Apfelkind“-Schriftzug einen stilisierten roten Apfel mit eingefügtem weißen Kinderkopf zeigt. Diese untrennbare Kombination hat sich Römer Mitte 2011 beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) als Wort-Bild-Marke in insgesamt 13 Klassen rechtlich schützen lassen. Dazu zählen beispielsweise Kinderbekleidung, Lebensmittel und die Beratung für Franchise-Nehmer. Die so geschützten Klassen kollidieren samt und sonders nicht mit dem Betätigungsfeld von Apple, trotzdem hat der Computerhersteller aus den USA Widerspruch eingelegt, da Verwechslungsgefahr beim Logo bestehen würde. Christin Römers Anwalt antwortete mit einem Widerspruch gegen den Widerspruch.

Zwischenzeitlich sah es tatsächlich nach einer gütlichen Einigung zwischen Römer und Apple aus: „Der Konzern hat viele E-Mails bekommen und mir mitgeteilt, dass es für ihn einen Imageschaden bedeuten würde, wenn der Streit weiterginge. Es hätte einen Kompromiss geben können“, sagte Römer. Demnach hätte die Café-Besitzerin das Logo mit Einschränkungen weiterverwenden dürfen. Unter anderem sollte Römer auf die Klasse „Dienstleistungssektor“ verzichten. Laut dem Kompromissvorschlag sollte Römer nur noch für das Café Werbung machen dürfen, nicht jedoch für andere Dinge. „Das geht aber nicht auf, wenn ich zum Beispiel Mode oder Spielzeug machen möchte“, so Römer. Ein weiterer Bestandteil der möglichen Einigung war für sie akzeptabel, wozu unter anderem der Verzicht auf Hüllen für digitale Geräte sowie Computer- oder Videospiele gehört. Dafür sollte Apple jedoch gemeinsam mit Christin Römer ein Kinderhilfsprojekt unterstützen.

Jetzt allerdings scheinen die Fronten wieder verhärtet zu sein, denn seitens Apples ist von einem Kompromiss nicht mehr die Rede – ganz im Gegenteil. Das Computerunternehmen teilte in einer Stellungnahme mit, dass man jetzt Einspruch gegen das Logo einlegen werde, und zwar in allen Klassen und ohne Ausnahmen. Christin Römer soll deshalb neben der Klasse „Dienstleistung“ auch darauf verzichten, Artikel wie Regenschirme, Glaswaren, Haushaltswäsche, Puppen und diverse Lebensmittel wie Backwaren und Säfte sowie viele andere Artikel mit ihrem Logo zu versehen. Wie es weitergeht muss jetzt das DPMA entscheiden.

Die Bonnerin will die Vorgehensweise des wertvollsten Unternehmens der Welt nicht verstehen: „Ich finde es ungerecht. Warum soll ich so eingeschränkt werden? Es besteht überhaupt keine Verwechslungsgefahr.“. Sollte sie durch den Rechtsstreit weiter bei der Verwendung des Logos gelähmt werden oder gar eine Niederlage erleiden, hat sie bereits einen Plan B in der Schublade, bei der sie rechtlich auf der sicheren Seite ist. Aus dem Apfelkind wird dann das Kirschenkind: „Das Logo ist als Marke fest eingetragen, die Widerspruchsfrist ist abgelaufen“.


Mit Material von: General-Anzeiger Bonn
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