• Ultra HD Blu Ray: holpriger Marktstart mit wenig Software und Playern - großer Überblick

    Ultra HD, auch UHD oder 4K genannt, soll die Zukunft des Fernsehens sein. Seit dieser Woche gibt es endlich auch das passende Medium, um die vierfache Auflösung des bisherigen Full HD auch in bester Qualität genießen zu können. Doch die Markteinführung erfolgt extrem holprig und eher chaotisch. Zudem können die bislang angekündigten und ausgelieferten Ultra HD Blu Ray Discs qualitativ nicht wirklich überzeugen



    Die neue Ultra HD Blu Ray bietet gleich mehrere Vorteile gegenüber der herkömmlichen Blu Ray. Der bekannteste ist sicherlich die noch einmal deutlich erhöhte Auflösung, die von 1.920 x 1.080 Pixel (rund 2,1 Megapixel) auf 3.840 x 2.160 Bildpunkte (rund 8,3 Megapixel) ansteigt. Bei vielen Nutzern ebenfalls bereits bekannt ist "High Dynamic Range" (HDR), womit ein erweiterter Kontrastumfang bezeichnet wird, der einerseits eine größere Helligkeit und andererseits einen verbesserten Schwarzwert liefert. Abgerundet wird das Paket durch einen erweiterten Farbraum, der die blassen Farben des herkömmlichen TV gegen die aus dem Kino bekannten satten Farbtöne ersetzt. Das alles verspricht eine völlig neue Bildqualität, die auf entsprechend ausgestatteten Fernsehern oder Projektoren (Beamer) für nahezu optimale Bildqualität und gesteigertes Filmvergnügen sorgt.


    Die Hardware:


    Soweit die Theorie. In der Praxis sieht das bislang aber deutlich anders aus. Das fängt bereits bei den Playern an, denn bislang gibt es ganze zwei Geräte, die die neue Software abspielen können. Als Einsteigergerät fungiert der Samsung UBD-K8500 für eine unverbindliche Preisempfehlung von 499 Euro. Das ist ziemlich viel Geld, die man dem Gerät aber in keiner Weise ansieht. Der Samsung-Player ist nämlich allenfalls rudimentär ausgestattet, so fehlen etwa ein Display und Bedientasten am Gerät, und bei der Tonausgabe muss auf einen digitalen Koaxial-Ausgang sowie analoge Ausgänge verzichtet werden. Abgerundet wird das Bild durch eine extrem abgespeckte Fernbedienung sowie eine nicht unbedingt überzeugende Verarbeitung. Dazu kommt noch ein weiterer Haken, denn bislang ist der Player nur in homöopathischen Dosen im Fachhandel zu bekommen. Die flächendeckende Auslieferung soll erst Mitte April erfolgen, obwohl die ersten Ultra HD Blu Ray Discs in Deutschland bereits seit dieser Woche ausgeliefert werden.


    Als Alternative empfiehlt sich der deutlich besser ausgestattete und verarbeitete Panasonic Panasonic DMP-UB900EGK, für den allerdings stolze 799 Euro den Besitzer wechseln müssen. Dafür bekommen die Kunden aber einen hochwertig ausgestatteten und verarbeiteten Player, der auch in Bezug auf die Aufbereitung herkömmlicher Blu Rays deutlich bessere Qualität als der Samsung-Player bieten wird. Doch auch hier hapert es noch mit der Verfügbarkeit, wobei die aktuelle Versorgungslücke noch bis in den kommenden Monat Mai reichen dürfte.


    Weitere Player wurden bislang nicht angekündigt. Gerüchteweise könnte aber im Herbst eine überarbeitete Sony PlayStation 4 auf den Markt kommen, die kaum teurer als die aktuelle Version der Konsole sein dürfte und diese sogar vollständig ersetzen könnte. Doch die Sache wird dann einen entscheidenden Haken haben, denn eine UHD-Spielkonsole benötigt beim Betrachten von entsprechenden Filmen deutlich mehr Strom. Da kein entsprechender Prozessor verbaut ist, wird das Decodieren von der restlichen Hardware übernommen, wofür je nach Quelle zwischen 15 und 30 mal soviel Strom verbraucht wird, wie bei einem der oben genannten Abspielgeräte.


    Doch nicht nur bei den Playern gibt es einige Defizite, sondern auch bei den benötigten Wiedergabegeräten. Diese sind zwar oftmals als Ultra HD und/oder 4K tauglich ausgewiesen, doch ohne weitere Erläuterungen bezieht sich das nur auf die reine Auflösung. Die erwähnten weiteren Features HDR und größerer Farbraum können nur mit neuen Top-Geräten genutzt werden, die bei Erfüllung aller Vorgaben als "Ultra HD Premium" gekennzeichnet sind. Doch selbst dann, wenn ein solcher Fernseher vorhanden ist, kann es Probleme geben. Und zwar dann, wenn die Signale des Players durch einen AV-Receiver an das TV-Gerät geliefert werden sollen. Viele ältere Verstärker sind dazu nämlich nicht in der Lage, weil der neue Kopierschutz HDCP2.2 und/oder die Kompression sowie die erhöhte Datenrate nicht verarbeitet werden können. Darauf allerdings sind die neuen Player vorbereitet, denn sie bieten zwei HDMI-Ausgänge, von denen einer das Bild direkt zum Fernseher liefert, während der andere den Ton zum Verstärker bringt. Als weiterer Engpass zeigen sich die Kabel, die gerade bei größeren Längen (oberhalb 10 Meter) oftmals nicht ausreichende Datenmengen an den Fernseher oder Beamer liefern, was zu Bildaussetzern oder sogar komplettem Ausfall führen kann.


    Die Software:


    Es wird zwei Arten von Ultra HD Blu Rays geben. Diejenige mit zwei Schichten (den sogenannten Layern) wird eine Kapazität von 66 GB haben, die mit drei Lagen verfügt über 100 GB Speicherplatz. Aus produktionstechnischen Gründen werden aktuell aber nur zweilagige Dics produziert, die für die optimale Bildqualität nicht unbedingt geeignet sind. Das wird beim Vergleich mit der herkömmlichen Blu Ray deutlich, denn diese bietet bereits bis zu 50 GB Speicherplatz. Doch selbst dann, wenn später mehr Speicherplatz zur Verfügung stehen wird, bekommt man im Heimkino wohl eher nur selten die optimale Qualität geboten. Das liegt an der Produktion und Nachbearbeitung der Filme, vor allem der Szenen mit CGI-Effekten. Diese erfolgt nämlich zumeist in 2K, also der halben Auflösung von Ultra HD. Der Auflösungvorteil schrumpft demnach von der vierfachen auf die zweifache Menge an Bildpunkten, was durch eine entsprechende Skalierung ausgeglichen wird.


    Wie sehr sich dies auf die Bildqualität auswirkt, zeigen inzwischen mehrere Tests, bei denen zumeist die UHD Blu Ray "Der Marsianer" zum Einsatz gekommen ist, die aktuell jedem ausgelieferten Samsung-Player beiliegt. Diese verfügt zwar über sattere Farben, schönere Farbverläufe und eine erhöhte Detailschärfe, doch die Qualitätssteigerung gegenüber der herkömmlichen Blu Ray fällt deutlich geringer aus, als man dies aufgrund der theoretischen Daten vermuten würde. Inwieweit hier künftige Veröffentlichungen die Latte nach oben legen, bleibt abzuwarten.


    Verwirrung der Verbraucher:


    Im Ansatz wurde darauf bereits bei den Defiziten der Hardware eingegangen. Doch die Situation geht noch deutlich weiter, denn vor allem der Begriff 4K wird geradezu inflationär verwendet. So gibt es seit einiger Zeit Blu Rays, die mit "Mastered in 4K" gekennzeichnet sind. Diese suggerieren den uninformierten Käufern, dass es sich um Bildmaterial in UHD handelt, was aber mitnichten der Fall ist. Vielmehr diente lediglich ein entsprechend erstelltes Masterband als Grundlage, das dann jedoch auf die 2,1 Megapixel der Blu Ray herunterskaliert wird. Doch selbst dann, wenn alle technischen Voraussetzungen stimmen, ist optimale Bildqualität längst nicht garantiert. Dies erfordert nämlich oftmals eine Änderung bestimmter Einstellungen am Fernseher, der ab Werk nicht auf die Zusammenarbeit mit den neuen Playern eingestellt ist. Diese Umstellung wird allerdings durch kryptische Bezeichnungen (die bei jedem Hersteller anders lauten) sowie verschachtelte Menüs erschwert. Die Nutzung der neue Ultra HD Blu Ray ist also alles andere als Plug and Play, vielmehr ist eine grundlegende Auseinandersetzung mit der neuen Technik erforderlich, um für das eingesetzte Geld auch einen adäquaten Gegenwert zu erhalten. Abhilfe kann die Installation durch einen Fachbetrieb schaffen, doch dies ist mit zusätzlichen Kosten verbunden.


    Fazit:


    Der Marktstart der neuen Ultra HD Blu Ray wirkt chaotisch und wenig koordiniert. Die ersten (sehr wenigen) Discs sind zwar inzwischen im Handel eingetroffen, doch die benötigten Abspielgeräte sind noch nicht erhältlich. Ein echter Startschuss zu einem bestimmten Stichtag erfolgt nicht, vielmehr geschieht dies häppchenweise und ohne erkennbaren Zeitplan. Zudem haben es die beteiligten Parteien wie Gerätehersteller und Filmstudios versäumt, direkt zu Beginn für ein wirklich interessantes Angebot an Hard- und Software zu sorgen, das zudem auch gleich die technischen Möglichkeiten ausnutzt. Das alles wirkt so, als hätte man aus dem ebenfalls wenig überzeugend verlaufenden Marktstart der Blu Ray vor rund 10 Jahren nicht das geringste gelernt. Bis das neue Medium wirklich massentauglich sein wird, dürften noch ein oder zwei Jahre ins Land gehen - falls sich die Ultra HD Blu Ray überhaupt am Markt durchsetzt. Letztlich ist es nämlich so, dass die Qualitätssteigerung gegenüber auf anderem Weg übertragenen 4K-Inhalten nur von den wenigsten Nutzern wahrgenommen werden wird, was angesichts der durchschnittlichen Größe der Fernseher von etwas über 40 Zoll kaum verwunderlich ist.

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    Meinung des Autors
    Die neue Ultra HD Blu Ray könnte eine große Chance sein, neue Umsatzquellen zu erschließen. Doch zum Marktstart fehlt es an den elementaren Grundlagen: sowohl bei den Playern als auch bei den Discs ist das Angebot derzeit mehr als nur bescheiden, und daran wird sich so schnell nichts ändern. Bislang wirkt das alles wenig überzeugend, weswegen das Image schnell nachhaltig versaut werden könnte.Jetzt kommentieren!
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    Kommentare
    1. Avatar von alterknacker
      alterknacker -
      Die neue Ultra HD Blu Ray könnte eine große Chance sein, neue Umsatzquellen zu erschließen. Doch zum Marktstart fehlt es an den elementaren Grundlagen: sowohl bei den Playern als auch bei den Discs ist das Angebot derzeit mehr als nur bescheiden, und daran wird sich so schnell nichts ändern. Bislang wirkt das alles wenig überzeugend, weswegen das Image schnell nachhaltig versaut werden könnte.
      Dass alles hätte auch auf nen Bierdeckel gepasst ...
    1. Avatar von Castle
      Castle -
      Zitat Zitat von alterknacker Beitrag anzeigen
      Dass alles hätte auch auf nen Bierdeckel gepasst ...
      Ich schnuppere gelegentlich in einen blog herein wo ich mir das auch oft denke
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