• Dolby Atmos: Surround-Sound in 3D - Ein Überblick über die neue Technologie

    Spätestens als Mitte der 1990er die ersten DVD-Player auf den Markt kamen, wurden Surround-Anlagen auch für den Heimkinogebrauch interessant. Abgesehen von einer Verbesserung des Klanges durch verlustfreie Kompression der Audio-Signale hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten aber nur wenig am Grundprinzip der Klangverteilung im Raum geändert. Das wird sich aber in naher Zukunft ändern, denn dem Surround-Sound wird jetzt auch eine Klangebene oberhalb der bislang bekannten horizontalen Ausrichtung hinzugefügt


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    Mit der Verbreitung der DVD gab es erstmals die Möglichkeit, echten 5.1 oder gar 7.1 Raumklang in den heimischen Wänden zu genießen. Das war ab 1996 der Fall, doch während sich beim Bild enorm viel getan hat, wurde der Ton bezüglich seiner Entwicklung ein wenig stiefmütterlich behandelt. Abgesehen von den verlustfrei komprimierten Tonsignalen auf Blu Ray (Dolby TrueHD, DTS HD Master Audio) gab es so gut wie keine Weiterentwicklung. Die Entwickler der Audiowiedergabe versuchten den Stillstand in Eigenregie zu umgehen und entwickelten Systeme wie Dolby Pro Logic IIz, bei dem aus dem vorliegenden Tonsignal eine Höheninformation berechnet wurde, die über zwei oberhalb der Frontlausprecher angebrachten Boxen ausgestrahlt wurde. Dadurch sollte beispielsweise ein Hubschrauber zumindest gefühlt über den Köpfen der Zuschauer schweben.


    Letztlich handelt es sich bei solchen Systemen aber nur eine Behelfslösung, denn eine echte Information über die erforderlichen Höhensignale war auf den Discs bislang nicht enthalten. Das ändert sich aber jetzt mit dem neuen Tonformat Dolby Atmos, das über eine eine tatsächliche Zusatzinformation für oben liegende Klänge verfügt. In diversen Kinos kann dieser neue "dreidimensionale" Klang bereits erlebt werden, in Deutschland beispielsweise in diversen Kinos von UCI, die mit dem Zusatz "iSens" gekennzeichnet sind. Dort befinden sich Lautsprecher über den Köpfen der Zuhörer, die einzelne Elemente des Tons abspielen können. Das neue Tonsignal wurde bereits bei über 100 Filmen verwendet, Tendenz natürlich steigend.


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    In naher Zukunft wird sich das auch im Heimkino umsetzen lassen, denn noch in diesem Jahr sollen die ersten Blu Ray Discs mit Dolby Atmos Abmischung auf den Markt kommen. Und die Hardwarehersteller stehen Gewehr bei Fuß. So kündigten unter anderem Denon, Marantz, Onkyo, Pioneer und Yamaha neue Verstärker oder Updates für bereits verkaufte Modelle an, die das neue Tonformat unterstützen. Dabei werden aber Abstriche gemacht werden müssen, denn es wird ganz sicher keine Verstärker für die bis zu 64 separaten Lautsprechersignale der Kinoanlagen geben, es wird wohl eher auf 8 bis 15 Kanäle (von 5.1.2 über 7.1.4 (Bild oben) bis 7.4.4) hinauslaufen. Zudem ist zu befürchten, dass sich die deutschen Film-Vertriebsgesellschaften auch mit diesem neuen Tonformat schwer tun werden. Das war bereits bei den erwähnten verlustfreien Audio-Signalen der Fall, die es auf deutschen Blu Rays allenfalls in homöopathischen Dosen gibt.


    Die große Frage ist natürlich, wie das System grundsätzlich funktioniert, egal ob im professionellen Kinosaal oder in den eigenen vier Wänden. Dazu haben die Kollegen von areadvd eine kleine Abhandlung verfasst, die wir hier gerne zitieren:

    Atmos ist in der Lage, jedem der [bis zu] 64 Lautsprechern für unterschiedliche Lautsprecher-Signale ein individuelles, dynamisches Signal zu geben. Dolby spricht hier von „Sound-Objekten“. Diese Objekte, wie z.B. eine zuschlagende Autotür oder ein umfallender Stuhl, dauern vielleicht nur eine Sekunde und sind genau über diesen Zeitraum auf dem Lautsprecher, dem dieses Soundobjekt zugeordnet wurde, hörbar. Die Zuordnung erfolgt in den Metadaten der Atmos-Abmischung. Die Art der Zuordnung ist streng mathematisch nach den X, Y und Z Raumkoordinaten – also eine völlige Abkehr von der bisherigen kanalbasierten Abmischung. Diese ist weiterhin vorhanden, als sogenanntes „Bed“, aber zusätzlich kommen diese Sound-Objekte bei Atmos hinzu.
    Demnach legt nicht mehr, wie bei einem kanalbasierten System, der Toningenieur durch die Zuweisung von Effekten auf bestimmte Kanäle das klangliche Layout fest, sondern der Atmos-Prozessor. Dieser richtet sich nach dem vorhandenen Lautsprecher-Equipment. Ist dieses bekannt, nimmt der Prozessor die Berechnung vor, wie die Sound-Objekte auf die vorhandenen Lautsprecher verteilt werden. Klar dürfte sein, dass die Zuteilung einzelner Sound-Objekte besonders präzise bei vielen und weniger präzise bei wenigen Lautsprechern ist. Daher ist der Wow-Effekt bei Atmos im großen Kinosaal besonders groß

    Für das Kinoerlebnis daheim braucht man folgendes: einen Verstärker mit Atmos-Decoder, einen Blu Ray Player, der mindestens über HDMI 1.4 verfügt, und natürlich die passenden Lautsprecher. Dafür können entweder Zusatzlautsprecher (Front/Rear High), neuartige Komplettlösungen mit integriertem Atmos-Modul oder Aufsätze für bestehende Lautsprecher zum Einsatz kommen. Für diejenigen, die mit der Aufrüstung noch einige Zeit warten wollen, kommt dabei ein Vorteil zum tragen: Dolby Atmos ist abwärtskompatibel und wird nur dann ausgegeben, wenn alle Voraussetzungen gegeben sind. Andernfalls wird das normale 5.1 oder 7.1 Signal abgespielt.


    Update, 05.01.2016, 12:30 Uhr: Dolby Atmos kann bereits in zahlreichen Kinos gehört werden, wie unsere gesonderte Übersicht zeigt.

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