• Freelancing als ITler: Pro und Contra

    Der Fachkräftemangel macht sich vor allem in der IT zunehmend bemerkbar. Dies eröffnet ausgebildeten IT-Spezialisten ganz neue Arbeitsmöglichkeiten. Einerseits können sie in einer Festanstellung attraktive Arbeitsbedingungen wie flexible Zeiten oder überdurchschnittliche Gehälter aushandeln. Andererseits entscheiden sich immer mehr ITler für die Selbstständigkeit und werden als Freelancer ihr eigener Chef. Was auf den ersten Blick nach dem Traum vieler deutscher Arbeitnehmer klingt, bringt auf den zweiten Blick aber auch die eine oder andere Herausforderung mit sich. Welche Vor- und Nachteile hat das Leben und Arbeiten als Freelancer also – speziell in der IT?


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    Das Arbeitsmodell „Freelancer“ im Aufschwung


    Alles in allem geht der Trend in der modernen Arbeitswelt zunehmend zum Freelancer. Laut einer Studie von IDG Business Research Services sind bereits knapp 50 Prozent der IT-Fachkräfte in deutschen Unternehmen Freelancer – Tendenz steigend. Auf Unternehmensebene liegt das einerseits an der mangelnden Anzahl qualifizierter Bewerber auf Stellenausschreibungen. Wo es also an internen Ressourcen fehlt, müssen externe Fachkräfte beschäftigt werden. Andererseits bringen Freelancer trotz ihrer höheren Stundensätze für Arbeitgeber eine Menge Vorteile mit sich: Sie müssen keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen, Kündigungsfristen beachten oder langfristigen Personalplanungen vornehmen. Freelancer können kurzfristig angeworben werden und ist der Bedarf vorüber, wird damit auch die Zusammenarbeit wieder beendet. Das eröffnet den Unternehmen ein Höchstmaß an Flexibilität, wie sie auf dem modernen Arbeitsmarkt unverzichtbar ist. Alles in allem sind Freelancer zudem oft die günstigere Variante – bei gleichzeitig höherem Einkommen. Auch für die Freischaffenden selbst liegen die Vorzüge beim Freelancing nämlich auf der Hand.


    Pro: Das Leben als Freelancer hat zahlreiche Vorteile


    Durch ihre Selbstständigkeit sind Freelancer von einem Arbeitgeber unabhängig. Sie sind nicht weisungsgebunden und dadurch ihr eigener Chef. Sie entscheiden also frei, wann sie wo, mit wem, wie und zu welchen Bedingungen arbeiten möchten. Ihre Projekte und Kunden wählen sie selbst aus. Sie können sich Urlaub nehmen, wann sie möchten und die Vereinbarkeit von Beruf sowie Familie wird durch die Flexibilität der Arbeitszeiten deutlich einfacher. Zudem ist das Leben als Freelancer schlichtweg spannend, denn anstelle eines routinierten Arbeitsalltages sorgen immer wieder neue Projekte für Abwechslung und fördern die persönliche sowie fachliche Weiterentwicklung. Ein Plus an Expertise, das übrigens auch den Unternehmen wiederum zugute kommt. Dann wäre da natürlich noch das finanzielle Argument: Läuft die Selbstständigkeit gut, verdienen Freelancer in der Regel deutlich mehr als Angestellte. Und bei entsprechender Qualifikation ist die Chance, dass das Freelancing in der IT gut läuft, extrem hoch.


    Laut einer Studie der ALLGEIER EXPERTS SE haben vier von fünf Unternehmen im Jahr 2017 mit Freischaffenden zusammengearbeitet. Das bedeutet ein Plus von neun Prozentpunkten innerhalb nur eines Jahres. Der Markt wächst so schnell wie nie zuvor. Für die Freelancer kreiert das eine exzellente Verhandlungsposition. Sie verzeichnen hohe Stundensätze von durchschnittlich 88,41 Euro. Auch hier ist jedoch ein stetiges Wachstum zu erwarten. Eigenen Angaben zufolge, machen 41 Prozent der IT-Selbstständigen einen Umsatz von über 120.000 Euro pro Jahr, so eine Studie der COMPUTERWOCHE. Die Gewinne liegen oft weit über 6.000 Euro im Monat netto. Jeder Zehnte freut sich sogar über ein Nettoeinkommen von über 8.000 Euro im Monat nach Abzug der Steuern, Versicherungen sowie Betriebsausgaben.


    Contra: Die andere Seite der Medaille


    Die Argumente scheinen überzeugend und tatsächlich entscheiden sich jedes Jahr immer mehr ITler für ein Dasein als Freelancer. Dennoch geht auch dieses Arbeitsmodell nicht nur mit Vorteilen einher. Die Selbstständigkeit bietet keine dem Arbeitnehmerverhältnis vergleichbare Sicherheit. Wer krank ist oder keine Aufträge generieren kann, verzeichnet auch kein Einkommen. Ebenso fehlt es an bezahltem Urlaub oder Benefits wie Weihnachtsgeld. Ein Freelancer lebt von Monat zu Monat und muss selbst für seine finanzielle Absicherung sorgen. Dafür sind oft teure Versicherungen notwendig. Die Krankenkassenbeiträge werden beispielsweise aufgrund des wegfallenden Arbeitgeberanteils plötzlich doppelt so hoch – ebenso die gesetzliche Rentenversicherung. Freelancer, nicht nur in der IT, benötigen also ausreichend Selbstbewusstsein sowie Vertrauen in die Zukunft, um nicht ständigen Existenzängsten zu verfallen. Sie können niemals langfristig finanziell planen und kennen ihr konkretes Jahreseinkommen stets erst im Nachhinein mit Abgabe der Steuererklärung.


    Apropos: Diese wird in der Selbstständigkeit deutlich komplizierter, denn ITler fallen in der Regel unter die Gewerbeordnung und müssen daher Gewerbesteuer zahlen, eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben und weitere steuerliche Besonderheiten berücksichtigen. Die Buchhaltung wird also deutlich aufwändiger. Zwar lässt sich diese durch moderne Lösungen wie eine Buchhaltungssoftware effizienter gestalten, dennoch können Freelancer zumeist nicht auf einen teuren Steuerberater verzichten. Alles in allem wird das Leben in der Selbstständigkeit also plötzlich deutlich kostenintensiver. Ein Teil der höheren Einnahmen wird dadurch wieder aufgefressen – jedoch bleibt am Ende des Monats dennoch meist mehr übrig als in einem Angestelltenverhältnis.


    Fazit: Freelancing als ITler ist weder richtig noch falsch


    Das Leben als Freelancer ist also nicht für jedermann geeignet. Es bedarf einer Menge Verhandlungsgeschick sowie Organisationstalent. Zudem müssen die Freelancer gut mit ihren Finanzen haushalten und starke Nerven besitzen. Wer sich hingegen nach Sicherheit und weniger Verantwortung sehnt, sollte sich eine Festanstellung suchen. Auch hier können ITler schließlich mit dem Arbeitgeber exzellente Arbeitsbedingungen aushandeln und eine Menge Ansprüche stellen. Der Fachkräftemangel macht es möglich! Wer hingegen mehr Flexibilität wünscht und gerne sein eigener Chef ist, allen Nachteilen der Selbstständigkeit zum Trotz, genießt als IT-Freelancer beste Perspektiven – vor allem in den Fachbereichen SAP sowie IT-Infrastruktur.


    Bildquelle: pixabay.com - ColossusCloud CC0 1.0

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    Kommentare
    1. Avatar von Peeto
      Peeto -
      Fazit: Freelancing als ITler ist weder richtig noch falsch

      Das Leben als Freelancer ist also nicht für jedermann geeignet. Es bedarf einer Menge Verhandlungsgeschick sowie Organisationstalent. Zudem müssen die Freelancer gut mit ihren Finanzen haushalten und starke Nerven besitzen. Wer sich hingegen nach Sicherheit und weniger Verantwortung sehnt, sollte sich eine Festanstellung suchen. Auch hier können ITler schließlich mit dem Arbeitgeber exzellente Arbeitsbedingungen aushandeln und eine Menge Ansprüche stellen. Der Fachkräftemangel macht es möglich! Wer hingegen mehr Flexibilität wünscht und gerne sein eigener Chef ist, allen Nachteilen der Selbstständigkeit zum Trotz, genießt als IT-Freelancer beste Perspektiven – vor allem in den Fachbereichen SAP sowie IT-Infrastruktur.
      nicht gerade ein überraschendes Fazit. Der Beruf Bäcker oder Pferdeflüsterer ist auch nicht gerade für jeden geeignet.
      Wer sich nach Sicherheit sehnt, wird Beamter. Natürlich.

      Das ist für mich leider kein Qualitätsjournalismus.