• Neues Sky Q: erster Test mit (sehr) ernüchterndem Ergebnis

    Seit Anfang dieses Monats bietet Sky seine neue Plattform Sky Q an, die es für Neukunden und nach und nach auch für Bestandskunden gibt. Wir konnten die neue Software bereits testen, und das erste Fazit lautet: bisherige Nutzer sollten für jeden Tag dankbar sein, an dem sie noch die alte Version nutzen können. Nachfolgend ein Blick auf das, was der Pay-TV-Sender da fabriziert hat



    In einem gesonderten Artikel haben wir über die Funktionen und Möglichkeiten des neuen Sky Q informiert, was in der Theorie durchaus positiv klingt. Doch schon bald zeigten sich diverse Nachteile, darunter die fehlende Transparenz in manchen Punkten, die langsame Verteilung an zahlende Abonnenten und auch die notwendige Nacharbeit wegen der gelöschten Favoritenliste. Inzwischen wurde das Update auf unserem Sky+ Festplattenreceiver installiert, was natürlich das ausführliche testen ermöglicht. Und das endet leider ziemlich oft im totalen Frust. Doch zuerst einmal die wenigen positiven Dinge:


    • Optik: das gesamte Menü wirkt deutlich moderner, weil buntere Grafiken und auch einige interaktive Möglichkeiten wie ein eingeblendetes Bild des laufenden Programms angezeigt werden. Damit gehört das durchaus angestaubte Design, das bereits seit über 10 Jahren bekannt ist, der Vergangenheit an. Doch leider ist nicht alles Gold, was glänzt - dazu später mehr.
    • Apps wie Mediatheken: das ist wohl das größte Highlight des neuen Sky Q, denn der Zugriff auf die Apps ist schnell, einfach und zuverlässig möglich. Hier dürften aber neben ARD, ZDF und einigen weiteren gerne noch weitere Anwendungen hinzugefügt werden, zu denen beispielsweise YouTube, der Eurosport Player und andere Videoportale, aber auch Plex gehören dürfen.


    Soweit die ziemlich kurze Übersicht der Verbesserungen. Der Rest stößt hingegen mitunter ziemlich sauer auf. Das geht bereits bei der Ersteinrichtung nach der Aktualisierung los, denn dabei wird man über die Datenschutz-Möglichkeiten informiert. Leider nur informiert, denn die Abwahl von Datensammlung und anderen Dingen ist nicht am Receiver möglich, sondern lediglich über die Sky-Homepage, wo man ziemlich danach suchen muss. Wer als nächstes die Favoritenliste neu anlegen will, wird feststellen, dass Sky die bislang ohnehin nicht optimale Sortierung noch einmal verschlechtert hat, da sich keine Blöcke mehr mit mehreren Programmen verschieben lassen. Doch das ist längst nicht alles, wie der nachfolgende - und wahrscheinlich noch unvollständige - Erfahrungsbericht zeigt.


    • Bedienung: insgesamt um einiges komplizierter. Das fängt schon damit an, dass nicht mehr im laufenden Programm, sondern im Sky Q Menü gestartet wird. Um fernzusehen, muss erst Return gedrückt werden. An vielen anderen Stellen fällt auf, dass jetzt deutlich mehr Tasteneingaben notwendig sind. So konnte bislang mit einem Tastendruck auf das vorher angesehene Programm gewechselt werden, jetzt muss dafür Pfeil nach rechts und Ok gedrückt werden. Und das jedes Mal. Und war es bisher möglich, das Einstellungs-Menü mit zwei bis drei Eingaben aufzurufen, sind jetzt insgesamt 15(!) Drücke an der Fernbedienung notwendig. Diese neue Umständlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch alle Menüs. Die angekündigte Steuerung des Receivers über ein Smartphone ist hingegen auch mit dem Update nicht umgesetzt worden.
    • Archiv: Aufnahmen von vor dem Update sind im Bereich "Alt" zu finden. Bei der Wiedergabe ist jedesmal die PIN-Eingabe erforderlich, unabhängig von der tatsächlichen Altersfreigabe und dem Sender, bei dem aufgenommen wurde. Zudem wurde der Bereich so überarbeitet, dass der Füllstand der Festplatte nicht mehr dauerhaft angezeigt wird, sondern in einem eigenen Menüpunkt untergebracht ist. Immerhin gibt es dort detaillierte Informationen zum Speicherbedarf einzelner Aufnahmen, was gezieltes Platz machen erleichtert.
    • Aufnahmen programmieren: ist nur noch über den TV Guide beziehungsweise die Informationen zu einzelnen Sendungen möglich. Die manuelle Programmierung wurde hingegen gestrichen, so dass man zum Beispiel kein deutlich späteres Ende bei der Aufnahme von Live-Sendungen und Sportübertragungen mehr einstellen kann.
    • Jugendschutz-Freigabe: die bisherige Möglichkeit, die PIN-Abfrage zwischen 20:00 Uhr abends und 6:00 Uhr morgens zu umgehen, wurde ersatzlos gestrichen.
    • Energiespar-Modus: dieser wurde "vereinfacht", was nichts anders bedeutet, als das bisherige Möglichkeiten gestrichen wurden. Das betrifft in erster Linie den "Tiefschlaf-Modus" mit verlängerter Boot-Zeit, der den Energiebedarf auf fast Null reduziert hat. In der Folge verbleibt der Receiver ständig im Bereitschaftsmodus Stand-by, wobei eine dauerhaft warme Gehäuseoberseite ein Hinweis auf den deutlich erhöhten Stromverbrauch ist. Das dürfte sich am Ende eines Jahres auf einige Euro bei der Stromrechnung summieren und ist aus ökologischer und ökonomischer Sicht eine sehr schlechte Entscheidung.
    • Bildeinstellungen: die Möglichkeit, zwischen 8 und 10 Bit Farbtiefe zu wählen, sowie für Ultra HD Fernseher den erweiterten Kontrastumfang Hybrid Log Gamma (HLG) ein- und auszuschalten, wurde ersatzlos gestrichen. Ob hier eine Automatik die Funktion übernimmt, konnte nicht geklärt werden.
    • Replay-Funktion: als eine der wichtigsten neuen Funktionen angepriesen, doch leider oftmals eine Mogelpackung. Laufende Sendungen können nämlich nur dann von Anfang an gesehen werden, wenn diese auch als Stream über Sky On Demand angeboten werden. In diesem Fall erfolgt aber zumeist eine Übertragung in SD-Qualität, was natürlich kein Ersatz für HD ist. Nicht als Stream verfügbare Programme, darunter beispielsweise Sportsendungen und alles außerhalb der Welt von Sky, gibt es nicht als Replay.
    • On Demand: die sofort erkennbare Information darüber, wie lange welche Sendung noch verfügbar ist, fehlt bislang.
    • Time Shift: die Warnung vor versehentlichem Umschalten bei zeitversetztem Fernsehen wurde gestrichen, was ärgerliche Fehlbedienungen zur Folge haben wird.
    • Videotext: wurde ersatzlos gestrichen, da er laut Sky kaum noch genutzt wird.
    • Zusammenspiel mit TV und AV-Receiver: bei diversen Anwendern dürfte es so aussehen, dass Bild und Ton per HDMI an einen Verstärker gehen und von dort zum Fernseher geleitet werden. Beim Ton gibt es jetzt aber ein grundsätzliches Problem, denn dieser wird nur noch an das TV-Gerät weitergegeben, wenn die Voreinstellung auf "Stereo" gesetzt wird. In diesem Fall wird aber auch der Ton vom Verstärker nur als Zweikanalton ausgegeben. Wer hingegen Dolby Digital oder Dolby Digital Plus einstellt, muss den AV-Receiver einschalten, um überhaupt etwas hören zu können. Seltsamerweise sind die Ausstrahlungen über die oben erwähnten Apps nicht von dem Problem betroffen. Zudem kann jetzt die Fernbedienung mit einem der beiden Geräte gekoppelt werden. Diese sind dann auch für die Laustärke-Regelung über lauter und leiser zuständig. Kann man mit leben, doch dass dadurch die Stummschaltung (mute) direkt am Festplattenreceiver abgeschaltet wurde, ist je nach Konfiguration - etwa der Verwendung einer Universal-Fernbedienung - ärgerlich.
    • Beleuchtetes Sky-Logo: dieses strahlt weiterhin extrem grell, was auch weiterhin nicht geändert oder abgeschaltet werden kann. Somit muss der hässliche schwarze Klebestreifen am mit einem Red Dot Design-Award ausgezeichneten Gehäuse kleben bleiben.


    Fazit:


    Es hätte ein großer Wurf werden sollen und können, doch das neue Sky Q ist alles andere als das. Den wenigen echten Verbesserungen stehen massive Verschlechterungen bei zahlreichen Punkten gegenüber, die im Alltagsbetrieb nerven. Wären es nur ein oder zwei Nachteile, könnte man sicher gnädig darüber hinwegsehen, doch in der aktuellen Version ist dauerhafter Frust quasi vorprogrammiert. Wer Sky bereits länger kennt, muss befürchten, dass sich daran so schnell auch nichts ändern wird. Das bisherige Menü war ganz sicher keine Offenbarung und inzwischen auch etwas angestaubt, doch nach dem Update wünscht man es sich sehnlichst zurück. Doch das geht leider nicht, denn ein Downgrade auf die alte Benutzeroberfläche ist schlicht nicht möglich.

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    Neues Sky Q: erster Test mit (sehr) ernüchterndem Ergebnis

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    Meinung des Autors
    Die Vorfreude auf das neue Sky Q war groß, denn es wurde nicht weniger als ein komplett neues Nutzererlebnis mit einem bunten Strauß an Neuheiten versprochen. Doch davon gibt es deutlich weniger, als gedacht, und die Umsetzung ist nicht immer optimal. Viel schlimmer sind aber die Verschlechterungen in zahlreichen (bislang durchaus gut gelösten) Punkten. Der Sky Q Werbespruch "gemacht aus deinen Wünschen" wirkt angesichts dieser Umsetzung wie blanker Hohn.Jetzt kommentieren!
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    Kommentare
    1. Avatar von Daniel85
      Daniel85 -
      es lebe netflix! wenn ich das so lese bin ich froh kein sky abgeschlossen zu haben. Klar, bei netflix ist die Suche nach Titeln auch nicht gut. Aber alles andere funktioniert wie ich damit klar komme. Und das für 3,50 € im Monat (das größte Paket geteilt durch 4). Da kann sky nie mithalten. Die paar "aktuellen" Sachen die da laufen, da kann ich auch warten. Danke für den artikel.
    1. Avatar von G-SezZ
      G-SezZ -
      Wenn man diesen Artikel liest fühlt man sich glatt 10 Jahre in die Vergangenheit versetzt.
      Video text, Time shift, Replay Funktion, SD-Qualität und "on demand" wird noch als besonderes Feature deklariert. Die Jugend von heute weiß vermutlich nicht einmal mehr was einige dieser Begriffe bedeuten.