• Paypal aufgrund zu langer AGB vom Verbraucherschutz abgemahnt

    Der Bezahldienst Paypal hat vom Verbraucherschutz eine Abmahnung erhalten, da dessen neue AGB mit einer Seitenlänge von 80 DIN A4-Seiten dermaßen lang ausgefallen sind, dass nicht nur das Lesen besonders viel Zeit benötigt, sondern auch das Verständnis extrem leidet. Den absoluten Höhepunkt bildet beispielsweise ein Satz, welcher insgesamt aus 111 Wörtern zusammengesetzt ist



    https://www.winboard.org/artikel-attachments/91820-01.jpg


    Wer in der Online-Welt Dienste in Anspruch nimmt oder auch Produkte kauft, muss im besten Fall einen Haken setzen, dass die AGB gelesen und verstanden worden sind, im worst case durch die AGB gescrollt werden, damit danach der Haken gesetzt werden kann, dass alles verstanden worden ist. Wenn wir aber mal ehrlich sind, dürften die wenigsten Menschen überhaupt irgendetwas aus den AGB lesen, da diese meist so umfangreich ausfallen, dass die zum Lesen und auch Verstehen benötigte Zeit in keinem Zusammenhang mit dem eigentlichen Nutzen, geschweige denn mit der wertvollen Freizeit steht.


    Den sogenannten Vogel hat jetzt der Bezahldienst PayPal abgeschossen, welcher seine neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) vorgestellt hat. Nur um diesen darin enthaltenen Text zu lesen, bräuchte ein Mensch mit einer durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit ungefähr 80 Minuten, da der darin enthaltene Text aus mehr als 20.000 Wörtern und rund 1.000 Sätzen besteht, was wiederum ungefähr 80 DIN A4-Seiten entspricht. Wie jeder weiß, ist das Lesen eines Textes nicht mit dem Verstehen eines Textes gleichzusetzen. Selbst wenn es der Leser schaffen sollte, diesen Text innerhalb der 80 Minuten durchzulesen, heißt das noch lange nicht, dass dieser leicht zu verstehen ist. Als absoluten Höhepunkt wird hier ein Satz kritisiert, der nicht aus 111 Buchstaben besteht, sondern aus 111 Wörtern. Ist man beim Lesen der AGB auf ein Smartphone angewiesen, so müsste der Nutzer für den vollständigen Text rund 330-mal den Bildschirm scrollen.


    Laut Experten der Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) verstoßen die neuen AGB des Bezahldienstes PayPal gegen den Grundsatz der Transparenz, zumal auch die Hervorhebung der Änderungen im Vergleich zu den bisherigen AGB einfach mal unterschlagen worden sein sollen. Da diese Zustände aus Verbrauchersicht als unzumutbar deklariert werden, fordern die VZBV-Marktwächterexperten bis Ende Februar die Abgabe einer Unterlassungeerklärung, da nach deren Auffassung ein Wettbewerbsverstoß vorläge. Auch wenn PayPal selbst zu den Vorwürfen noch keine Stellungnahme abgegeben hat, erklärte die PayPal-Sprecherin Sabrina Winter, dass man die Angelegenheit prüfen werde.


    Wie die WAZ schreibt, ist die Geduld der Verbraucher begrenzt. Laut Meinungsumfragen soll selbst das Lesen und Verstehen von Datenschutzerklärungen nicht länger als 5 Minuten in Anspruch nehmen. Unklar ist allerdings, ob die Verbraucherzentrale hier auch wirklich etwas bewirken kann. Unübersichtliche AGB konnten bislang noch nicht per Gerichtsbeschluss verhindert werden, da dem Bundesjustizministerium noch entsprechende Gesetzesinitiativen fehlen. Für Online-Auftritte gibt es für sämtliche Unternehmen bereits eine Empfehlung, welche die wesentlichen Datenschutzhinweise im Interesse der Nutzer auf eine Seite begrenzen solle. Die auch als "One-Pager" betitelten Seiten haben bereits einige Unternehmen auf ihrer Online-Präsenz.

    Dieser Artikel war interessant bzw. lesenswert? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung wie z.B. die Nutzung unseres -Partner-Links oder unseres -Partner-Links . Du hilfst uns damit, weiterhin auf nervige Layer- sowie Popunder-Werbung zu verzichten und auch allgemein immer mehr Werbebanner abzubauen. Vielen Dank.
    Gefällt dir der Artikel

    Paypal aufgrund zu langer AGB vom Verbraucherschutz abgemahnt

    ?
    Meinung des Autors
    Endlich kommen bezüglich überlanger AGB, die "bestenfalls" noch im Beamtendeutsch verfasst sind, ein paar kleinere Steine ins Rollen, die vielleicht eine größere Lawine auslösen. Da ich selbst Texte verfasse, kenne ich natürlich beide Seiten der Medaille. Es ist auch nicht immer einfach, die richtigen Worte zu einem Satz und dann natürlich noch zu einem leicht zu lesenden Text zusammen zu setzen. Allerdings ist es auch ein starkes Stück, Sätze mit 111 Wörtern zu kreieren, die niemals enden wollen. Zudem denke ich auch, dass viele der betroffenen Nutzer ähnlich wie ich reagieren, nämlich mit Resignation. Auch wenn das ebenfalls nicht der richtige Weg ist, aber z.Z. ist es doch so, dass man als Verbraucher kaum noch bis gar keine AGB mehr durchliest, oder?Jetzt kommentieren!
    Möchtest du über neue Artikel benachrichtigt werden?

    1. Trage dich in unseren Newsletter ein, um bei einem neuen Artikel (oder einmal täglich / wöchentlich) per E-Mail informiert zu werden

    2. Und / oder folge uns auf Facebook, Google oder Twitter um keinen News- oder Ratgeber-Artikel mehr zu verpassen
    « WhatsApp: Sprachnachrichten in Text konvertieren - so geht esApple iPhone und iPad: Bewertungs-Anfragen von Apps deaktivieren - so geht es - UPDATE »
    Ähnliche News zum Artikel

    Paypal aufgrund zu langer AGB vom Verbraucherschutz abgemahnt

    Paypal aufgrund zu langer AGB vom Verbraucherschutz abgemahnt

    – deine Meinung ?
    Kommentare
    1. Avatar von Unregistriert
      Unregistriert -
      Natürlich liest keiner dir AGB durch. Alle die das angeblich immer tun, belügen sich selber. Wieso liest keiner dir AGB durch? Weil andere Faktoren entscheiden, ob man ein Vertrag eingeht oder nicht, ergo ist es Zeitverschwendung diese zu lesen. Besonders bei einem Service der funktioniert! Da hilft es auch nicht, wenn die Konkurrenz den Verbraucherschutz auf PayPal hetzt, weil sie mitverdienen wollen.
    1. Avatar von juergen1
      juergen1 -
      Also überfliegen sollte man die AGB's schon.
      Insbesondere finde ich folgende Punkte für sehr wichtig.
      Welche Bezahlmöglichkeiten habe ich, z.B. per Rechnung
      Wie wird eine Reklamation abgewickelt
    1. Avatar von G-SezZ
      G-SezZ -
      Natürlich liest keiner dir AGB durch. Alle die das angeblich immer tun, belügen sich selber.
      Nicht immer von sich auf andere schließen. Ich lese mir sicher nicht die AGB von jedem Onlineshop durch bei dem ich mal eine Kleinigkeit bestelle. Aber wenn ich ein Finanzkonto eröffne, egal ob bei Sparkasse oder Paypal, dann lese ich die nicht nur selbst durch, sondern lasse sogar mal meine Schwester als Anwältin drüber schauen. Die findet noch immer Klauseln zum streichen, und wenn du hartnäckig bist lassen sich manchmal sogar Unternehmen wie Paypal auf Streichungen ein.
    Kommentar schreiben (auch als Gast möglich)

    Klicke hier, um dich anzumelden