Hallo
Ihr habt genug von all den Casual-Games, die letztlich nur Neuaufgüsse bekannter Spielprinzipien sind? Dann seid ihr das Zielpublikum des Indie-Entwicklers blurredVision aus Hamburg und seines ersten kommerziellen Titels: das für rund 7 Euro über Steam erhältliche Chaos Theory.
Während die meisten Causal-Games entweder auf entspanntes Knobeln oder fordernde Geschicklichkeitsprüfungen setzen, will Chaos Theory diese Elemente zu einem Spielprinzip vereinen. Ihr findet ein klar abgegrenztes Spielfeld vor, auf dem verschiedene Elemente platziert sind. Ziel ist es nun, herumfliegende Partikel in vorgegebene Sammelbehälter zu bugsieren. Dabei liegen diese Kugeln in zwei Farben vor, rot und grün, und werden wie beim Pinball ins Spielfeld geschossen. Auf dem Weg zu ihrem Ziel werden sie nun nicht nur mechanisch an Barrieren abgelenkt, sondern unterliegen auch noch magnetischen Kräften, wobei die beiden Färbungen natürlich für entgegengesetzte Magnetisierungen stehen.
Ihr könnt nun aber nicht wie etwa bei Crazy Machines die Elemente nach Gutdünken platzieren, sondern müsst mit der vorgegebenen Aufstellung vorliebnehmen. Allerdings könnt ihr die verschiedenen Gerätschaften benutzen. Das bedeutet, dass ihr Banden drehen und damit Kugeln in unterschiedliche Richtungen ablenken könnt. Ihr könnt Magneten aktivieren und damit alle Partikel einer Färbung anziehen, während die anderen abgestossen werden. Dann gibt es noch Verteiler, die Kugeln festhalten und auf Knopfdruck in eine andere Richtung wegschiessen; Inverter, die die Farbe ändern; Portale, die Kugeln an andere Stellen teleportieren; und Multiplier, die für eine Vervielfältigung von Partikeln sorgen. Alle Elemente werden sukzessive über die mehr als 50 Levels ins Spiel eingebaut und erklärt. Für die Langzeitmotivation sollen freischaltbare Steam-Achievments sowie ein integrierter Leveleditor sorgen.
Bei all diesen Effekten legen die Entwickler Wert darauf, dass alles physikalisch korrekt berechnet sein soll. Die Grafik schmückt sich zwar damit, neueste Technologien zu verwenden und durch die frei dreh- und zoombare Kamera spektakuläre Positionen einnehmen zu können, in der Praxis zeigt sich aber nur die klassische Draufsicht als uneingeschränkt spielbar. Der Ton bleibt mit spartanischen Soundeffekten und einer unauffälligen Ambient-Musik unaufdringlich im Hintergrund. Gute Nachricht für alle Spieler mit Rot-Grün-Sehschwäche: die Farbkombination lässt sich auch umstellen.
Fazit von Jan Gieseler
Das Spielprinzip mit den überschaubaren und interessanten Gerätschaften sowie dem realistischen Verhalten der Partikel weiss von Beginn an zu gefallen. Zudem liefern die ersten Levels schnelle Erfolgserlebnisse. Schon bald zieht aber der Geschicklichkeits-Schwierigkeitsgrad an. Zumeist ist mir klar, was ich machen soll, nur die Umsetzung scheitert an den hohen Timing-Vorgaben. Ärgerlich ist, dass kaum ein Fehler verziehen wird. Ziele ich beim letzten Schuss daneben, muss ich alles noch mal machen. Dieses Problem liesse sich mit den vorhandenen Spielelementen einfach beheben, indem man die verschossene Kugel wieder anzieht und eine neue Chance erhält. Zudem ist das Spiel strikt linear. Scheitert ihr immerzu an einem Level, dann steckt ihr fest. Hier wären Levelgruppen sinnvoll, wobei man beispielsweise vier von fünf Levels einer Gruppe bestehen muss, um die nächste freizuschalten.
Ein weiterer Kritikpunkt ist das Steam-System. Schön und gut, dass ich gegebenenfalls ein schon installiertes System nutzen kann, Gelegenheitsspieler ohne vorhandene Steam-Installation wird damit aber ein ziemlich grosser Brocken aufgebürdet; zudem braucht der Start des Spiels dadurch immer recht lang. Wer über diese Kritikpunkte hinwegsehen kann und ein schmuckes, forderndes Geschicklichkeitsspiel sucht, sollte bei dem geringen Preis durchaus einen Blick riskieren, zumal es auch eine spielbare Demoversion gibt.
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