• Juke!: neue Streaming-Plattform von Saturn mit deutlichen Defiziten - UPDATE II

    06.11.2015, 15:16 Uhr:

    Das jetzt gestartete Juke! der Elektronik-Ketten Media Markt und Saturn will so etwas sein wie die "eierlegende Wollmilchsau" der Streaming-Portale, denn es werden Filme und Serien, Musik, Spiele und Software sowie E-Books angeboten. Ein erster Blick auf das Angebot sowie die Umsetzung zeigt aber, dass noch sehr viel Handlungsbedarf besteht. Und es gibt durchaus einige Dinge, die den Nutzern sauer aufstoßen dürften


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    Um Juke! nutzen zu können, ist eine Anmeldung unter www.juke.com erforderlich. Beim Musik-Portal ist eine dreimonatige Testphase möglich, in der das Angebot kostenfrei genutzt werden kann. Sofern im Anschluss ein Abonnement gebucht wird, werden 9,99 Euro im Monat fällig. Die Bezahlung hierfür, wie auch für die anderen Angebote, ist auf folgenden Wegen möglich: PayPal, Kreditkarte (MasterCard und VISA), Juke Gutscheinkarte oder dem zuvor aufgeladenen Guthabenkonto. Eine bequeme Bezahlung per Einzugsermächtigung vom Girokonto wird hingegen nicht angeboten. Bei Benutzung der Homepage fällt auf, dass diese über eine verschlüsselte https-Verbindung erfolgt. Das ist einer der positiven Punkte, doch in anderen Bereichen gibt es ziemlich viel Luft nach oben. Nachfolgend ein erster Überblick.


    Filme und Serien:


    Laut eigenen Aussagen bietet Juke! rund 15.000 Filme und Serien an. Diese können über PC, Mac (beides mit Silverlight-Plugin) und Smart TV angesehen werden. Für Smartphone und Tablet gibt es eine spezielle App, jedoch nur für Android von Google und iOS von Apple - Nutzer von Windows Phone und dem kommenden Windows 10 Mobile gehen (wieder einmal) leer aus. Auch bei der Nutzung auf einem SmartTV gibt es Einschränkungen, denn derzeit werden nur Fernseher und "smarte" Geräte wie Blu Ray Player unterstützt, die von LG oder Samsung stammen. Besitzer von Geräten anderer Hersteller wie Philips, Sony, Toshiba und Co. schauen derzeit in die sprichwörtliche Röhre, aber in naher Zukunft könnten entsprechende Apps nachgereicht werden. Laut der Pressemitteilung kann auch Google Chromecast genutzt werden, auf der Homepage finden sich aber nur wenige Informationen dazu. Im Suppport-Bereich gibt es allerdings eine Anleitung zur Verwendung dieses Gerätes. Eine App für Amazon Fire TV und den kleineren Fire TV Stick gibt es bislang nicht.


    Bei der Nutzung fällt sofort auf, dass es keinerlei Flatrate wie bei den Mitbewerbern Amazon Prime Instant Video, Netflix und Co. gibt. Es besteht lediglich die Möglichkeit, einzelne Filme und Serien zu leihen oder zu kaufen. Die Preise bewegen sich im Rahmen des üblichen, Vielseher werden aber mit Sicherheit die Flatrate-Angebote der Konkurrenz bevorzugen. Beim Ausleihen gibt es die üblichen Beschränkungen von maximal 30 Tagen Leihzeit, wobei angefangene Filme nach 48 Stunden aus dem Verleih genommen werden. Filme mit einer Jugendschutzfreigabe FSK 16 können über eine PIN freigeschaltet werden. Zur Nutzung von FSK 18 ist jedoch zuerst eine grundsätzliche Altersverifikation nötig. Diese erfolgt über eine Schufa-Anfrage, was durchaus umstritten ist und manchem Nutzer nicht schmecken wird. Alternative Wege über den PC, etwa über das Postident-Verfahren, werden nicht angeboten. Es soll jedoch möglich sein, die Altersüberprüfung in den Filialen von Media Markt und Saturn durchführen zu lassen, sofern man dies nicht online über die Schufa tun will oder es auf diesem Weg zu Problemen kommt.


    Die meisten Filme und Serien werden wahlweise in SD- und HD-Qualität angeboten, 4K beziehungsweise Ultra HD spielt derzeit aber noch keine Rolle. Zudem wird für "die meisten Filme" Bonusmaterial angeboten. Zahlreiche Angebote sind neben Deutsch auch in ihrer Originalfassung zu sehen. Bei den Untertiteln hingegen gibt es hausgemachte Verwirrung. In den FAQs zu diesem Thema heißt es einerseits "Bei einigen Filmen bieten wir Untertitel an", während an anderer Stelle behauptet wird "Bei den meisten Juke! Filmen und Serien gibt es Untertitel". Positiv ist, dass sowohl gekauft als auch geliehene Inhalte zur Offline-Nutzung auf einem Gerät gespeichert werden können, wenn auch mit den branchenüblichen Einschränkungen (gekauft: 5 Geräte; geliehen: 1 Gerät).


    Musik:


    Das Angebot liegt mit 30 Millionen Titeln auf dem Niveau von Diensten wie Apple Music, Spotify und ähnlichen. Auch beim Preis wird vergleichbares geboten. Die Übertragung erfolgt in Dolby Digital, ohne dass jedoch konkrete Angaben zum Grad der Komprimierung gemacht werden. Bezüglich der Offline-Nutzung gibt es wiederum die bereits oben erwähnten hausgemachten Unstimmigkeiten. Im Support-Bereich heißt es einerseits klar und deutlich "Bei unserer Musikflatrate ist der Download nicht nötig und daher auch nicht möglich", während es gleichzeitig folgende anders lautende Aussage gibt "Alle Songs, die Du zu "Meine Musik" oder zu Deiner Playlist hinzufügst, werden automatisch auf Deinem mobilen Gerät gespeichert. Somit hast Du auch offline jederzeit Zugriff auf Deine Lieblingssongs". Offenbar bezieht sich letzteres auf die Nutzung auf mobilen Geräten, während auf stationären Geräten eine Verbindung zum Internet notwendig ist. Folgende Geräte werden unterstützt: PC, Mac, Smart TV, Smartphone, Tablet, Sonos, Consumer Electronics Geräten von LG (H3 und H5) und Harman Kardon (Omni10 und Omni20) sowie Peaq Munet. Auch hier könnte das Angebot größer sein, und Windows Phone geht wieder leer aus. Angemerkt werden muss auch, dass für Music eine eigene App installiert werden muss. Anmerkung: Die obigen Aussagen beziehen sich darauf, dass Musik aus der Streaming-Flatrate nicht auf einem Gerät gespeichert werden kann, um diese offline zu hören. Vielmehr ist dies lediglich bei gekaufter Musik möglich. Inzwischen wurde die entsprechende Aussage in den FAQs klarer formuliert, denn dort findet sich jetzt der zusätzliche Hinweis: "Musik, die Du in unserem Musik-Shop gekauft hast, kannst Du natürlich downloaden.". In diesem Punkt bietet mancher Mitbewerber mehr.


    Update, 13.11.2015: Zum Thema Kompression wurden uns jetzt klare Aussagen gegeben: Juke kann in den drei unterschiedlichen Qualitäten "optimiert" (Standard - 48kb/s Dolby Audio), "hoch" (192 kb/s HE AAC) und "extrem" (320 kb/s HE AAC). In den Einstellungen der mobilen Apps kann die Datenrate auch angepasst werden. Wer also eine hohe Klangqualität nutzen möchte, kann dies entsprechend einstellen, muss aber mit einem höheren Datenvolumen bei mobiler Nutzung leben. Standardmäßig wird Musik "optimiert" übertragen, was für zuverlässiges Streaming sorgt und das Risiko von Unterbrechungen verringert.


    Zusätzliche Informationen gibt es auch zur Offline-Nutzung. Diese geben wir nachfolgend wieder: "In den mobilen Apps können Sie natürlich Ihre Musik Playlists auch offline hören, egal ob die Songs über die Flatrate gestreamt werden oder ob Sie diese im Einzelkauf bezogen haben. (Die Anmerkung dazu aus den FAQs bezieht sich auf die Browser-Anwendung. Am PC können Sie über den Browser nur die Songs downloaden und dann auch über andere Player hören, die Sie gekauft haben.)". Somit sollte also geklärt sein, dass man unterwegs volumenschonend Musik genießen kann.


    E-Books:


    Bei E-Books gibt es wohl die wenigsten Unstimmigkeiten. Die elektronischen Bücher können auf Smartphone, Tablet, Computer oder Notebook sowie auf diversen E-Book-Readern gelesen werden. Diverse Titel sind allerdings mit dem Adobe-DRM geschützt, was von den jeweiligen Geräten unterstützt werden muss. Vor der Nutzung muss ein entsprechender Account angelegt werden. Die Bücher werden in der Regel in den Formaten ePub und PDF angeboten, aber auch AZW und ePub 3 werden genannt. Insgesamt umfasst das Angebot nach eigenen Angaben 1,5 Millionen Titel.


    Games:


    Hier wird es wieder etwas komplizierter, denn offenbar tritt Juke! bei vielen Spieleverkäufen lediglich als Vermittler auf. Daher ist oftmals notwendig, "sich zusätzlich in einem der bekannten Gamesportale wie z.B. bei Steam, UPlay oder Origin zu registrieren". Dies ist auch "zum Downloaden und zum Spielen einiger Spiele unumgänglich". Inwieweit sich die Preis von Juke! von denen der genannten Portale unterscheiden, sollte vor dem Kauf in jedem Fall überprüft werden.


    Fazit:


    Juke! will alles können, macht aber ganz offensichtlich vieles davon nicht richtig. Das gilt vor allem bei Filmen und Serien, denn dort fehlt eine Flatrate, mit der Streaming eines beschränkten Angebots zu monatlichen Fixkosten möglich ist. Das Musikportal ist zumindest in der Hinsicht verbesserungswürdig, als das konkrete Aussagen zur Qualität fehlen, was zumindest für einige Nutzer ein wichtiges Thema ist. Noch gravierender sind aber die Einschränkungen auf der technischen Seite, denn bei den unterstützten Geräten gibt es noch erhebliche Lücken. Die teilweise verwirrenden und widersprüchlichen Aussagen im Support-Bereich, sowie die Überprüfung der Volljährigkeit über die Schufa, runden das gefühlt sehr negative Bild ab. Media Markt und Saturn haben also noch viel zu tun, um ein wirklich überzeugendes Produkt abzuliefern - Vielfalt alleine reicht da einfach nicht aus.


    Update, 10.11.2015, 11:41 Uhr: Seitens Juke wurden diverse Ergänzungen zu unserem ersten Überblick an uns herangetragen, die wir in den Text aufgenommen haben. Diese sind im Artikel an der kursiven Schrift erkennbar.


    Update, 13.11.2015, 11:53 Uhr: Uns haben weitergehende Informationen zur Kompression sowie zur Offline-Nutzung erreicht. Diese sind in der Rubrik "Musik" in zwei als Update gekennzeichneten Absätzen und in kursiver Schrift eingefügt worden.

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    Meinung des Autors
    Mit Juke! steigen Media Markt und Saturn ziemlich spät in den boomenden Streaming-Markt ein. Aufgrund etlicher Mängel und dem an einigen Stellen nicht gerade überzeugendem Angebot sowie einer in Teilen fragwürdigen Umsetzung darf aber bezweifelt werden, dass man das Feld von hinten aufrollt. Aber vielleicht ändert sich das durch diverse Nachbesserungen noch.Jetzt kommentieren!
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