• Roger Waters The Wall bei Amazon Video - Review

    In den vergangenen Jahren war der Pink Floyd Mastermind Roger Waters mit seinem monumentaler Show zum Doppel-Album "The Wall" unterwegs. Ein etwas anderer Konzertmitschnitt wurde Ende letzten Jahres auf DVD und Blu Ray veröffentlicht und ist bereits jetzt kostenlos bei Amazon Prime Instant Video zu sehen. Nachfolgend informieren wir darüber, was es zu sehen gibt und ob der Stream wirklich die beste Möglichkeit ist, das Konzert zu sehen



    Das Konzeptalbum "The Wall" wurde im November 1979 veröffentlicht und beschäftigt sich mit dem Protagonisten Pink, der das Alter Ego des Haupt-Komponisten Roger Waters ist. Eines der zentralen Elemente in dem erfolgreichsten Doppel-Album der Musikgeschichte ist der Tod des Vaters im 2. Weltkrieg. Nach der Veröffentlichung gab es nur einige wenige, aber extrem aufwendige Konzerte, die Dortmund, London, Los Angeles und New York stattfanden. Im Jahr 1990 wurde "The Wall" kurz nach dem Mauerfall auf dem damals noch unbebauten Potsdamer Platz in Berlin aufgeführt, was von bis zu 300.000 Zuschauern verfolgt wurde. Zwischen 2010 und 2013 ging Roger Waters mit der Show erneut auf Tournee und spielte insgesamt 219 Konzerte in 33 Ländern. Von dieser Tour stammt der aktuelle Film, der aber mehr ist, als nur ein Mitschnitt eines Konzerts.


    Der Film:


    Den Großteil machen Aufnahmen des Konzerts aus. Bei diesem wird in der ersten Hälfte eine gigantische Mauer auf der Bühne erreichtet, hinter der die Band im zweiten Teil größtenteils verschwindet. Die gesamte Fläche wird dabei für Projektionen genutzt, wobei im Vergleich zu den ersten Shows in den 1980ern (die in einschlägigen Kreisen als sogenanntes Bootleg aus dem Earls Court in London existieren) technisch kräftig aufgerüstet wurde. Der eigentliche Konzertmitschnitt wird aber immer wieder unterbrochen von dokumentarischen Filmmaterial, das Roger Waters zeigt, wie er sich in seinem stilvollen Oldtimer auf die Spurensuche nach Vater und Großvater macht, die im 2. und 1. Weltkrieg in Italien und Frankreich gefallen sind.


    Diese kleinen Exkursionen sind sehr persönlich gehalten. Allerdings sorgen sie jedes mal für einen gewaltigen Bruch im Konzerterlebnis, was beim ersten Ansehen durchaus interessant ist, beim wiederholten Betrachten jedoch das Vergnügen an der Musik nachhaltig schmälert. Nutzer der Blu Ray oder DVD können hier einfach zum nächsten (Musik-)Titel springen, bei Amazon Video ist das leider nicht so ohne weiteres machbar. Dementsprechend wird man sich wohl eher die Szenen mit Roger Waters erneut ansehen, und sich dann vielleicht wiederholt fragen, ob der gute Mann den Verlust des Vaters über 70 Jahre nach Kriegsende und nach diversen therapeutischen Aufarbeitungen, wie etwa dem Album "The Wall", nicht langsam mal verdaut haben sollte. Andererseits darf man sich dann auch wiederholt an den schönen Landschaftsaufnahmen freuen, die auf der Tour zu den Gräbern der Vorfahren entstanden sind. Und auch Fans der britischen Nobelmarke Bentley kommen auf ihre Kosten, denn an manchen Stellen wirken die Bilder so, als wären sie von der Klassik-Abteilung des Herstellers gedreht worden.


    Die Bildqualität:


    Diese kann nur als sehr gut bezeichnet werden, vor allem während der Konzertaufnahmen. Satte Farben und ein hervorragender Kontrast sorgen dafür, dass auch in den zahlreichen dunklen Konzert-Szenen viel zu sehen ist. Artefakte oder ausgeprägtes Bildrauschen sind nur sehr selten zu entdecken, und auch die Bildschärfe ist zumeist auf sehr gutem Niveau. Die Kameraarbeit ist dabei überaus gelungen und schafft es, große Teile der Show punktgenau wiederzugeben. Dabei wird in der 2. Hälfte des Konzerts auch hinter die Mauer geblickt, was eindrucksvoll zeigt, wie die Musiker hinter der Sichtbarriere weiterspielen, ohne dass sie einen Blick auf das Publikum haben. Gelungen sind auch die Aufnahmen abseits des Konzerts, wobei diese aufgrund der damaligen Wetterlage eher grau in grau daherkommen, das aber in guter Qualität.


    Die Tonqualität:


    Diese ist das große Manko des Streams. Auf der Blu Ray liegt der Ton als unkomprimierte HD-Abmischung vor, die zudem im 3D-Tonformat Dolby Atmos abgemischt ist. Dies sorgt für ein Konzerterlebnis, das - bei entsprechender Heimkino-Anlage - dem Live-Erlebnis kaum nachsteht. Im Stream von Amazon sieht das leider etwas anders aus. Das fängt schon damit an, dass die Tonspur viel zu leise abgelegt ist. Zum Vergleich: am für den Test verwendeten Yamaha-Receiver wird üblicherweise mit Lautstärken zwischen 30 und 20 (0 ist das lauteste) ein satter und vor allem lauter Klang erreicht. Bei "The Wall" musste der Verstärker bis unter 10 aufgedreht werden, was natürlich alles andere als optimal ist und nur noch wenig Luft nach oben lässt, wenn man mal wirklich laut hören will.


    Noch gravierender ist allerdings, dass dies Kompression der Tonspur hörbar schadet. Diese klingt erstaunlich undynamisch, die im Konzert aufgetretenen Sprünge in der Lautstärke werden kaum mehr wahrgenommen. Das Ganze geht einher mit einem teilweise etwas matschigen Klang, bei dem einzelne Instrumente kaum mehr zu orten sind. Dies ist auch in der teilweise nicht allzu stark ausgeprägten Räumlichkeit begründet. Zwar findet auch auf den hinteren Lautsprechern immer etwas statt, doch das eigentlich Konzerterlebnis in sattem Surround-Sound wird nur unzureichend wiedergegeben.


    Fazit:


    "The Wall" ist mehr als nur Musik. Vielmehr ist es ein Gesamtkunstwerk, das erst auf der großen Bühne richtig zur Geltung kommt. Dieses Gefühl kann der filmische Mitschnitt an vielen Stellen hervorragend zu den Zuschauern vor dem Bildschirm transportieren. Doch immer dann, wenn man es sich im Konzert etwas "gemütlich" gemacht hat, wird man von einem sich selbst bemitleidenden Roger Waters wieder aus der Musik herausgerissen. Dies ist vom Mit-Regisseur Waters so gewollt und muss daher auch akzeptiert werden. Anders sieht es mit der völlig unzureichenden Tonspur bei Amazon aus, die diverse Defizite aufweist. Hierbei handelt es sich offenbar um eine nicht optimale Umsetzung für den Stream.


    Wer sich das Konzert einfach einmal ansehen will, kann dies bei Amazon bedenkenlos tun, vor allem als Prime-Mitglied (andernfalls 4,99 Euro Leihgebühr). Diejenigen, die dies aber öfter als einmal (und ohne Roger Waters Seelenschau) sowie mit der bestmöglichen Tonqualität tun wollen, sollten sich in jedem Fall die Blu Ray zulegen. Dabei wird empfohlen, nach der limitierten Doppel-Disc Ausschau zu halten. Diese ist bei diversen Händlern noch als relativ günstiges Restexemplar zu bekommen und enthält 80 Minuten Bonusmaterial, darunter den Auftritt des Pink Floyd Gitarristen David Gilmour, der bei einem Konzert das Solo in "Comfortably Numb" gespielt hat.

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    Roger Waters The Wall bei Amazon Video - Review

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    Meinung des Autors
    "The Wall" ist ein Meilenstein der Musikgeschichte. Dieser konnte zwischen 2010 und 2013 in den großen Hallen dieser Welt gesehen werden, als Roger Waters damit auf Tour gewesen ist. Der entsprechende Konzertfilm ist aber in manchen Teilen eine persönliche Dokumentation. Das kann man sich jetzt auch bei Amazon Prime ansehen, doch dabei bleibt ein etwas fader Beigeschmack.Jetzt kommentieren!
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