• Microsoft Lumia 950: Hardware im Test mit Licht und Schatten

    Seit Herbst letzten Jahres sind das Lumia 950 und sein großer Brude Lumia 950 XL auf dem Markt. Wir hatten jetzt die Gelegenheit, die kleinere Version ausführlich testen zu können. Das Ergebnis fällt aber eher durchwachsen aus, denn das Premium-Smartphone steht sich leider in diversen Punkten selbst im Weg, ohne dass das längst noch nicht fertige Windows 10 Mobile daran die Schuld trägt



    Das Lumia 950 fällt mit 5,2 Zoll deutlich größer aus als sein Vorgänger Lumia 930, was längst nicht nach dem Geschmack aller Lumia-Fans sein dürfte.Nachfolgend untersuchen wir einige Punkte des Smartphones.


    Verpackung und Lieferumfang:


    Wie es einem Smartphone dieser Preisklasse gebührt, kommt das Lumia 950 in einer soliden Pappschachtel daher, in der der eigentliche Inhalt in einem Schuber enthalten ist. Dazu zählen neben dem eigentlichen Gerät gleich zwei Ladekabel, nämlich einmal das Schnellladekabel zur Nutzung an einer Steckdose sowie ein ein USB-Kabel zum Aufladen am PC oder Laptop. Ebenfalls mit dabei ist ein Gutschein, mit dem zwei Monate lang das Angebot von Sky Online und an zwei Tagen das Programm von Sky Supersport genutzt werden kann. Etwas entscheidendes fehlt allerdings, denn ein Headset wird nicht mitgeliefert - angesichts einer unverbindlichen Preisempfehlung von 599 Euro ziemlich unverständlich. Gespart wurde auch an einer echten nleitung, denn diese ist weder in schriftlicher noch in digitaler Form mit dabei.


    Verarbeitung:


    Der Preisklasse ebenfalls nicht ganz angemessen ist die Verarbeitungsqualität. Das fängt bereits beim verwendeten Kunststoff an, der sich nicht so hochwertig anfühlt wie dies beim Vorgänger der Fall gewesen ist. Viel gravierender ist allerdings, dass der mitgelieferte Akkudeckel aus Polycarbonat, der immerhin einen Großteil des Gehäuses ausmacht, nicht sauber auf das Grundgerüst passt. Die Folge: ein leicht wackelndes Gehäuse in den Bereichen der unteren Ecken, von wo auch störende Geräusche (Knarzen) zu vernehmen sind. Hier werden die Vorteile eines Wechselakkus ganz schnell zu Nachteilen. Dieses Problem konnte bei anderen Geräten der Baureihe, die als Ausstellungsstück dargeboten wurden, teilweise nachvollzogen werden. Es handelt sich also offenbar um ein bei einem guten teil aller Geräte auftretendes Phänomen, dem man nur mit Glück beim Kauf oder eventuellem Tausch des Gerätes beziehungsweise der Schale entgehen kann. Keine Mängel gibt es bei der eigentlichen Oberschale, in die auch die Bedienelemente Lauter, Power, Leiser und Kameraauslöser integriert sind. Vor allem letzterer ist eine feine Sache, denn einen echten Kameraknopf mit zweistufiger Auslösung wird bei vielen anderen Smartphones durchaus schmerzlich vermisst.



    Doch leider müssen noch zwei Dinge kritisiert werden. Das ist zum einen ein unschönes Loch in der Displayscheibe, hinter dem sich das Mikrofon verbirgt. Dieses durchbricht nicht nur die glatte Optik, sondern fällt auch deshalb besonders auf, weil es nicht einmal mittig angeordnet ist. Interessanterweise ist es auf den offiziellen Produktbildern rechts von der Mitte angeordnet (Bild oben), während es bei unserem Testgerät links von der Mittelachse sitzt. In diesem Zusammenhang noch einmal der Vergleich mit dem Lumia 930, das ebenfalls eine Bohrung in der Displayscheibe hat, die allerdings zentral und am unteren Rand angebracht ist und somit deutlich weniger auffällt. Zum anderen ist es störend, dass das Kameraobjektiv leicht über das eigentliche Gehäuse hinausragt. Das bringt Nachteile beim Bedienen des liegenden Gerätes und beim Schutz der Optik. Der Fairness halber muss man aber anmerken, dass dies kein Microsoft-exklusives Problem ist, denn auch bei diversen Konkurrenzgeräten ist die Kamera nicht (mehr) bündig ins (dünne) Gehäuse integriert. Positiv fällt hingegen auf, dass zum Einlegen oder wechseln der SIM-Karte kein Werkzeug benötigt wird. Zudem ist ein falsches Einsetzen so gut wie ausgeschlossen, wodurch sich das Lumia 950 von der nicht ganz so glücklichen Lösung des Lumia 550 unterscheidet. Allerdings ist der Schacht für die Nano-SIM ein wenig im Gehäuse versenkt, weswegen etwas längere Fingernägel durchaus von Vorteil sind.


    Display:


    Der Touchscreen des Lumia 950 bietet die Full-HD-Auflösung 1.920 x 1.080 Pixel und verfügt über AMOLED-Technik. Das sorgt für knackig scharfe Bilder, satte Farben und tiefes schwarz. Allerdings nur so lange, wie man recht gerade auf das Display blickt. Sobald das Smartphone etwas stärker horizontal oder vertikal zur Sichtachse gekippt wird, stellt sich ein Blaustich ein. Diese kann beispielsweise auf dem weißen Hintergrund einer textlastigen Internetseite "bewundert" werden. Natürlich wirkt sich eine solche Farbverfälschung auf die Farbechtheit von Bildern und Grafiken aus, deren Farben dann nicht mehr dem Original entsprechen. Weder beim Vorgänger noch bei einem Apple iPhone 6s sowie einigen anderen Smartphones der versammelten Konkurrenz konnte dieser Effekt in dieser Stärke beobachtet werden.


    Zum Ausgleich kann es mit einer Funktion überzeugen, die es bei anderen Smartphones erst bei wenigen Modellen gibt. Der sogenannte Glance Screen informiert auch im Stand By über die Uhrzeit und weist zudem auf verpasste Anrufe, eingegangene Nachrichten und anstehende Termine hin.


    Bedienung und Performance:


    Ganz wichtig: diese Kategorie bezieht sich auf die Hardware, und nicht auf das Betriebssystem. Diese allerdings sorgte einige Male für Verdruss, wenn sich beispielsweise eine App beim Starten aufgehängt oder bei der Verwendung abgestürzt ist. Dafür ist aber nicht das Smartphone an sich verantwortlich, denn dank eines potenten Hexa-Core-Prozessors (Snapdragon 808) und satten 3 GB Arbeitsspeicher gehen alle Eingaben flott von der Hand. Auffällig ist, wie sanft und nahezu ruckelfrei sich auf dem Bildschirm scrolle lässt. Hier spielt Microsoft durchaus auf den Niveau von Apple. Auch der Start der meisten Apps geht in Windeseile vonstatten, in diesem Punkt gibt es nicht das geringste zu bemängeln.


    Nicht von der Hand zu weisen ist aber eine leichte bis ausgeprägte Wärmeentwicklung. Selbst bei wenig rechenintensiven Spielen wie dem vorinstallierten Candy Crush erwärmt sich das Gehäuse spürbar, bei leistungsfressenderen Anwendungen kann das Smartphone im Winter gut als Handwärmer dienen. Kritische Werte, wie sie in den Anfangstagen des verwandten Prozessors Snapdragon 810 festgestellt wurden, wurden zumindest in unserem Test nicht erreicht.


    Kamera:


    Die Kamera mit PureView-Optik von Carl Zeiss und einem optischen Bewegungsstabilisator (OIS) kann fast rundum überzeugen. Tolle Farben nah am Original, ein farbechter Blitz aus 3 LEDs, eine kurze Reaktionszeit und vielfältige Einstellmöglichkeiten bereits ab Werk sorgen für fast immer tolle Bilder. Die Konkurrenz hat in diesem Punkt mächtig an der Leistung von Microsoft zu knabbern. Auffällig ist aber, dass bei starkem Zoom und geringem Umgebungslicht recht schnell leichtes bis mittelstarkes Bildrauschen entsteht. Dies ist aber bei vergleichbaren Kameras der Mitbewerber durchaus ähnlich oder sogar noch stärker ausgeprägt, was angesichts der vergleichsweise kleinen Fotosensoren und der wenig lichtstarken Objektive systembedingt ist. In jedem Fall verfügt das Lumia 950 über eine der besten Smartphone-Kameras auf dem Markt.


    Iris-Scanner vs. Fingerabdruck-Sensor:


    Integraler Bestandteil von Windows 10 ist eine Entsperrung eines Gerätes über eine Kamera, die ein Bild der Netzhaut erstellt und auswertet. Was am PC laut diverses Testberichten durchaus gut funktioniert, erwies sich am Lumia 950 als echte Katastrophe. Trotz mehrfachem und angeblich erfolgreichem Einlesen der Daten dauerte das Entsperren gefühlt mehrere Minuten - wenn es denn überhaupt geklappt hat. Dabei musste das Smartphone entsprechend den Hinweisen auf dem Display oftmals sehr nah vor das Gesicht gehalten werden, was Außenstehenden ein lustiges Bild à la "Brett vor dem Kopf" bietet. Eine Brille stellt für die "Windows Hello" genannte Funktion übrigens keine Hürde dar, denn egal ob mit oder ohne Sehhilfe: es funktioniert immer gleich schlecht.


    Möglicherweise wird die Funktionalität noch verbessert. Doch bereits jetzt scheint klar zu sein, dass die Konkurrenz mit den Fingerabdruckscannern auf das offenbar zuverlässigere System setzt. Zudem reagieren diese inzwischen dermaßen blitzartig, dass es aktuell an ein Wunder grenzen würde, wenn Microsoft in Bezug auf Geschwindigkeit und Erkennungsrate das gleiche Niveau erreichen könnte. Nach dem derzeitigen Stand muss man konstatieren, dass hier offenbar auf das falsche Pferd gesetzt wurde.


    Sicherheit:


    Die Probleme mit der iris-Erkennung führen dazu, dass man dieses System schnell wieder abschaltet und doch lieber auf die althergebrachte PIN vertraut. Ob dies aber eine kluge Entscheidung ist, steht auf einem anderen Blatt. In einem anderen Punkt gibt es aber durchaus einen erheblichen Sicherheitsmangel: die vollständige Rücksetzung auf den Werkszustand ist nach wie vor möglich, ohne zuvor eine PIN einzugeben oder den Iris-Abgleich durchzuführen. Ein verlorenes oder geklautes Gerät kann so ohne großen Aufwand und zusätzliche Maßnahmen zurückgesetzt werden. Hier sollte Microsoft dringend nachbessern, um die Sicherheit maßgeblich zu erhöhen.


    Fazit:


    Das Lumia 950 hinterlässt einen äußerst zwiespältigen Eindruck. Glänzen kann es definitiv mit einer schnellen Hardware und der hervorragenden Kamera. Mit Abstrichen weiß auch das Display zu gefallen, das jedoch bei seitlicher Betrachtung schnell falsche Farben darstellt. Defizite gibt es hingegen bei der Freischaltung, denn der hochgelobte Iris-Scanner erweist sich im Alltagsbetrieb als nutzloses Spielzeug. Das größte KO-Kriterium für das Smartphone ist aber die Verarbeitung. Das nicht unbedingt hochwertig wirkende Material fällt dabei mit Problemen bei der Passgenauigkeit auf, was in dieser Preisklasse und angesichts des Einsatzes von hochwertigem Metall oder Glas bei der Konkurrenz definitiv nicht passieren darf.

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    Microsoft Lumia 950: Hardware im Test mit Licht und Schatten

    ?
    Meinung des Autors
    Auf dem Papier ist das Lumia 950 ein sehr gut ausgestattetes und leistungsfähiges Smartphone. In der Praxis werden die eindeutig vorhandenen Pluspunkte aber durch zahlreiche und teilweise überaus ärgerliche Mängel im Detail getrübt. Bemerkenswert dabei ist, dass sich vieles davon mit etwas Feinschliff hätte vermeiden lassen.Jetzt kommentieren!
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    Kommentare
    1. Avatar von Bandran
      Bandran -
      Tolle Modelle des Smartphones! Jeder Besitzer soll obligatorisch diese Funktion in seinen Handy instalieren

      Edit by Hups:
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